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Geschichte der Schulen der einzelnen Ortsteile im Detail

Nachdem die Geschichte der Hilchenbacher Schulen global auf unserer Site “Schulgeschichte” beschrieben worden ist, gehen wir hier auf die Entstehung und auf markante Ereignisse während der vergangenen Jahrhunderte im Einzelnen ein

 

Hilchenbach – Kirchspiel- und Fleckenschule

Die Darstellung der Geschichte dieser Schule ist nicht leicht, da verschiedene Arten von Schulen neben- und gegeneinander bestanden haben. Außerdem bestand zwischen ihnen ein fast dauernder Streit und die im Kirchenarchiv der ev.-ref. Gemeinde vorhandenen Unterlagen sind lückenhaft. Die Gründung wird zurückgehen auf Johann VI. (1559-1606) und in die Zeit um 1590 fallen. 1611 wird ein Streit wegen der Höhe der Schulabgaben erwähnt. 1613 wird eine Kirchenrechnung erwähnt. Eine Kirchenrechnung von 1619 bringt die erste Erwähnung eines Sc

Bild 1 - Die 1848 erbaute Schule an der Kirche am Markt in Hilchenbach in der heutigen Hilchenbacher Straße - Frühere Schulen standen schon an gleicher Stelle neben der Kirche

hulgebäudes. Demnach war es ein Fachwerkbau, der wohl auf dem Platz der alten Stadtschule stand. Aus 1622 gibt es eine ähnliche bestätigende Notiz: “Item die schul verbeßern laßen, geweist Und etliche wende gebunden, hierzu an negeln verbraucht für 9 alb.” Die Schule war als Kirchspielschule gegründet und wurde im Sommer von 20, im Winter von 80 Kindern besucht. Ein Schulzwang bestand zunächst noch nicht. Eine Notiz aus 1623 läßt auf eine Vereinigung des Schulmeister- und Küsteramtes schließen.

Um 1650 wurde in recht dürftiger Ausführung eine Lateinschule errichtet, die allerdings schon bald nach 1700 so baufällig war, daß sie privat vermietet werden musste. 1660 wurde eine neue Kirchspielschule errichtet. Es dient der Klärung der sehr verwickelten Schulbautenfrage, wenn wir hier die festliegenden Zahlen zunächst einmal erwähnen:

Um 1600 – Errichtung der ersten Kirchspielschule

Um 1650 – Errichtung einer besonderen Lateinschule, in der dann Lehrer Flender Wohnung nimmt

1650 – Ausbau des sogenannten Kornhäuschens zur Lehrerwohnung

1660 – Erbauung einer neuen Kirchspielschule

Bild 2 - Die am 2. September 1907 in den Brücher Gärten eingeweihte neue Stadtschule Hilchenbachs. Im Sommer 2008 fand dort der letzte Schulunterricht statt. Die Florenburg-Grundschule siedelte in die frei gewordenen Räume der Wilhelm-von-Oranien Hauptschule um. Eine erneute Nutzung als Schule fand in den Brücher Gärten nicht mehr statt

1689 – Deren Vernichtung durch den Stadtbrand. Schule wird ab da in einem Privathaus gehalten

1696 – Neuherrichtung der Fleckenschule

1715 – Verlegung der Kirchspielschule in ein zweites Zimmer der inzwischen abermals hergerichteten Fleckenschule. Seitdem wechselnde bauliche Veränderungen, bedingt durch die jeweiligen Bedürfnisse

1848 – Errichtung einer neuen Schule an der Kirche auf dem alten Platze

1907 – Einweihung der Stadtschule in den Brücher-Gärten, bis 2008 Florenburg-Grundschule, danach wurde die Schule nicht mehr für den Schulbetrieb genutzt

Für das Verständnis der Schulgeschichte Hilchenbachs bleibt wichtig, daß man das Nebeneinander von Kirchspielschule und Fleckenschule und deren Unterschiede beachtet. Kirchspielschule war die von der Kirche begründete und unterhaltene Schule, auch deutsche Schule genannt. Fleckenschule war die vom Bürgertum angestrebte und unterhaltene gehobene Schule, speziell für die Kinder des Ortes Hilchenbach, die auch Kenntnisse in Latein vermitteln sollte und so auf die spätere Rektoratsschule hintendierte. 1650 kauft man “das am Kirchhoff stehende Kornhäuschen” als Lehrerwohnung und versieht es mit einem neuen Anbau.

Wo nun hat die älteste Schule Hilchenbachs gestanden? Eine urkundliche Angabe liegt darüber im Archiv der ev.-ref. Gemeinde nicht vor. So gut wie sicher scheint aber zu sein, daß sie an der Stelle gestanden hat, wo heute die alte Stadtschule, die sogenannte Rektoratsschule, steht. Einmal ist anzunehmen, daß die Kirchspielschule nicht weit von Kirche und Pfarrhaus gestanden haben dürfte. Sodann spricht die Beschwerde aus 1656

Bild 3 - Die am 2. September 1907 in den Brücher Gärten eingeweihte neue Stadtschule Hilchenbachs auf einer Ansichtskarte aus dem Jahre 1907 - Es ist zu dem Zeitpunkt erst der erste Bauabschnitt realisiert

unzweideutig und wörtlich aus, daß man das Häuschen für den Schulmeister “uff der Kirchhoffsmauer ahn der alten schul” errichtet habe. Und drittens dürfte man die spätere Schule wieder auf den Platz der früheren gesetzt haben.

1660 baute man ein neues Schulgebäude. Der Bau war etwa 1665 fertig. Kaum war der Bau fertig, als er am 1. 5. 1689 dem großen Stadtbrand wieder zum Opfer fiel. Der Unterricht wurde danach in einer Stube gehalten, obgleich nur 4 Häuser in der Gasse und ein Haus auf dem Damm stehengeblieben waren. Aus einem Schreiben von Caspar Eberhardi aus Siegen aus dem Jahre 1672 an den befreundeten Dekan der theologischen Fakultät der Hohen Schule zu Herborn, Dr. Mathias Nethenus, mit dem er um einen Schulmeister für Heyligenbach bittet, geht hervor, daß an der Schule die Anfangsgründe des Lateinischen gelehrt wurde: “Heyligenbach ist von den Dörfern dieses Gerichtsbezirkes das bevölkertste und nicht weniger durch seine schöne Burg wie durch die Vortrefflichkeit seiner Bewohner bekannt, wo außer dem Rentmeister und Rat unseres Fürsten und dem Oberförster nicht wenige begüterte und angesehene Leute wohnen, so daß der Ort einen Schulmeister verdient, der einen bewährten Lebenswandel und Ruf aufzuweisen hat, aber auch den Knaben außer einer genauen Kenntnis des Lesens und der Schönschrift die Anfangsgründe der lateinischen Sprache wie der Arithmetik und der Musik ersprießlich beibringen könnte.” Unbekannt ist, seit wann das geschah. Aus einer Notiz von 1695 geht hervor, daß etwa seit 1687 neben dem Kirchspielschulmeister noch ein zweiter Pfarrer angestellt war, Friedrich Wilh. Flender, der die Hälfte der Kinder in vier Jahrgängen gemeinsam zu unterrichten und “nach gelegter grundsprach in dem Lateinischen ahnführen” musste, was ihm “gegen billigmäßige entgeltung quartaliter mit 15 albus” bezahlt wurde. 1696 “halten die Hilchenbacher an, daß der Schulmeister, gleich Vormahlen geschehen, allein mit den Kindern schul halten möge, Herr Flender aber diejenigen, so es verlangen, in der rechenkunst und lateinisch sprach informieren müßte”. Ein Schreiben von Flender aus dem Jahre 1696 an die Fürstin,

Bild 4 - Die Stadtschule, die am 2. September 1907 eingeweiht wurde, abgelichtet im Jahre 2000. Die Schule wurde mit einem Anbau versehen. Bis zum Sommer 2008 war dort die Florenburg Grundschule untergebracht, wobei ein Teil der Kinder allerdings ständig in der Florenburg Grundschule in Helberhausen unterrichtet wurde

mit dem er seine Absicht zu heiraten kundtut, führt wiederum zur Frage des Schulgebäudes jener Zeit. Sie ist nicht ganz eindeutig zu klären. Es scheint, daß die Kirchspielschule nach dem Stadtbrand 1689 nicht sofort wieder aufgebaut worden ist. Dagegen geht aus genanntem Schreiben hervor, daß man 1696 für den eben eintretenden Lateinlehrer und 2. Pastor Flender auf Anordnung des Konsistoriums ein Schulhaus aufgeschlagen hat, das – wie er hofft – im Sommer “nacheinander verfertiget und umb darinnen wohnen zu können bequem gemacht wird”. Da eine spätere Eingabe des Bürgermeisters aus dem Jahre 1752 ausdrücklich erwähnt, daß dem Pfarrer Flender “das gegenwärtige schulhauß Vom kirspiel selbiges zu bewohnen erbauet und darinnen Vom selbigen die deutsche und Lateinische schule gehalten worden”, so ist anzunehmen, daß man in den armen Zeiten nach dem Brande das frühere Lateinschulhaus, das wohl schon 1650 bestanden hatte, reparierte und P. Flender darin wohnen ließ. Der vorstehende Wortlaut deutet auch eher auf eine Reparatur und Wohnlichmachung als auf einen Neubau hin. Mit der Kirchspielschule scheint man sich zunächst beholfen und sie nach dem Brande längere Zeit in Privathäusern abgehalten zu haben. Nach Flenders Fortgang, das scheint 1704 gewesen zu sein, ließ man die zweite Pfarr- und damit auch die Fleckenschullehrerstelle eingehen, verlegte die Kirchspielschule in Flenders bisherige Fleckenschule und richtete “eine aparte schulstube auf des flecken Hilchenbach aparte kosten” ein, in der der Kirchspielsschullehrer unterrichtete. Es bleibt die Frage offen, was in der bisherigen Stube der Fleckenschule getrieben wurde. Wurde dort die Fleckenschule noch einstweilen fortgesetzt oder wurde sie bei der um etwa 70 Häuser im Kirchspiel erweiterten Gemeinde ebenfalls durch die Kirchspielschule beansprucht? Diese Zusammenlegung geschah 1715. Man baute in diesem Jahre eine zweite Schulstube auf des Flecken Hilchenbach Kosten aus. Hilchenbach wollte und beantragte, daß Flecken und Land je die Hälfte der Kosten trügen, wies dabei darauf hin, daß es so alter Brauch gewesen sei und Hilchenbach auch oft auf den Schulmeister verzichten müsse, wenn dieser den Kapellendienst auf den Ortschaften versehe. Das Konsistorium aber beließ es bei seiner Verfügung, daß Hilchenbach 2/3, das Land 1/3 der Kosten aufzubringen habe.

Jung-Stilling erwähnt in seinen “Jugend- und Wanderjahren” für die Zeit um 1760, daß Kirchspiels- und Fleckenschule damals vereinigt in einem Raum untergebracht waren und die Bürgerschaft für den Lateinschulmeister ein eigenes Haus anstrebte.

Zwischen 1740 und 1760 beherrschte das Thema Kirchspiel- und Fleckenschule die Bürger Hilchenbachs wie kein anderes und führte zum Gegenstand eines harten Streites, den der aus Jung-Stillings Lebensgeschichte bekannte Pfarrer Stollbein mit den aufstrebenden Bürgertum des Ortes ausfocht. Ursprünglich mussten alle Kinder aus dem ganzen Kirchspiel die seitens der Kirche eingerichtete Kirchspielschule besuchen. Schon früh zeigte sich aber das Interesse für einen gehobenen Lateinunterricht. Die Ortschaften bauten sich ihre separaten Kapellenschulen und die Gemeinde wuchs zahlenmäßig. Der den Unterricht erteilende Glöckner musste oft auch an Wochentagen zu Trauungen und Beerdigungen aufs Land und war dann verhindert, den Unterricht zu halten. Das ließ in Hilchenbach den Wunsch lebendig werden, für die Kinder des gehobenen Bürgerstandes einen gesonderten Unterricht einzuführen, für den man einen besonderen Lehrer, ein besonderes Schulhaus und auch eine vom Kirchenfond getrennte Besoldung durchführen musste, die von den Bürgern selbst aufzubringen war. 1737 wurde eine von der ganzen Bürgerschaft unterschriebene Vollmacht ausgestellt ein ausreichender Geldbetrag bereitgestellt. Ebenfalls 1737 machte Hilchenbachs Bürgerschaft dann eine von 18 Bürgern unterschriebene Eingabe an den Fürsten in der sie mitteilen, daß sie einen Schulmeister auf eigene Kosten halten wollen. Da es mit dem Schulgeld für die Kinder allein nicht möglich war, einen eigenen Schulmeister anzustellen, spendeten mehrere Bürger spendeten für die von der Kirche unabhängige Fleckenschule bzw. Neubürgern wurde eine Abgabe auferlegt.

1740 wurde eine Fleckenschule vom Konsistorium für gut befunden. Der nun folgende Kampf, in dem der Pfarrer um seine alte Kirchspielsschule, die Bürgerschaft aber um ihre neue freie Bürgerschule kämpfte, wurde zu einer sehr massiven und langjährigen Auseinandersetzung zwischen Bürgertum und Pfarrer Seelbach, in die auch das Konsistorium eingeschaltet war. Die beiden Lehrer wurden in einen langen Streit hineingezogen. So seien zwischenzeitlich die Kinder vom einen Schulmeister ab- und dem anderen Schulmeister zugewandert, so daß dieser nicht mal alle setzen könne. Zum Bau einer neuen Schulstube sei kein Geld vorhanden. Die Kinder liefen willkürlich bei geringstem Anlaß von einem Lehrer zum anderen ober würden von den Eltern nach Belieben zugewiesen. Sie benähmen sich in Gegenwart des jeweils anderen Schulmeisters ungebührlich. Weitere Klagen gab es zu Sittsamkeit und Ehrfurcht vor Gottes Wort. Die Leichen müsse man leider mit nur 3 bis 8 Kindern bestatten und so “das gesänge” unterlassen. Wie im einzelnen die genannte “Zusammenstoßung” der beiden Schulen vorgenommen wurde ist nicht ganz eindeutig klar. Es war scheinbar so, daß er eine die Jüngeren und der andere die älteren Kinder zu gleicher Zeit unterrichtete. Jung-Stilling bemerkt, daß jeder Schulmeister das halbe Gehalt bekommt und der lateinische dem deutschen in den übrigen Stunden geholfen habe.

Den Höhepunkt erreichte der Kampf im Jahre 1762. Die Lateinstelle war durch den Tod eines Lehrers vakant. Pfarrer Seelbach bereitete in aller Stille die Übernahme Jung-Stillings in die Fleckenlehrerstelle vor, musste dieses aber ganz geheim betreiben, um nicht den Widerstand der Bürgerschaft gegen seinen Plan frühzeitig zu erregen, der Jung-Stilling gleichfalls sehr genehm war. Jung-Stilling war zu der Zeit bei dem Schöffen “Keilhoff”, wie er ihn nennt, beschäftigt. Als der Schöffe “Keilhoff” endlich Pfarrer Seelbach um die Bestätigung Jung-Stillings bat, kam es zwischen beiden wegen des Besetzungsrechts zu massivem Streit.

Um der Bürgerschaft nun gerade nicht zu willen zu sein, verweigerte Seelbach in seinem Trotz nunmehr die Bestätigung Jung-Stillings, obgleich er ihn liebend gerne als Schulmeister für die Fleckenschule gehabt hätte. Jung-Stilling entzog sich den Streitigkeiten beider Parteien, verließ bald darauf sein Heimatdorf Grund und ging ins Bergische.

Der Streit geht so noch einige Jahre weiter. 1766 macht der Tod des Pfarrers Seelbach aller Fehde ein Ende.

Nach Seelbachs Tod wird es still um die Fleckenschule. Die Streitigkeiten haben sich offenbar bald gelegt. Dennoch bestehen beide Bezeichnungen noch lange nebeneinander her. Noch 1820 berichtet P. Trainer an den Superintendenten Bender über das Besetzungsrecht beider Schulstellen.

1766 führt das fürstliche Konsistorium in Dillenburg Klage, daß manche Eltern ihre Kinder nach eigenem gutdünken sowohl aus der lateinischen als auch aus der deutschen Schule herausnähmen ohne Rücksicht darauf, ob sie die notwendigen Kenntnisse besäßen. Es belegt unentschuldigtes Fernbleiben mit einem Strafgeld. Ebenso sollen die jungen Leute nach der Konfirmation die Katechisation noch ein Jahr lang ununterbrochen besuchen und für jedes willkürliche Fehlen Strafe zahlen.

1783 liegen offenbar neue Unklarheiten über das Recht des Fleckens vor, neben dem Kirchspielsschulmeister einen zweiten Schulmeister zu halten, auch denselben nur zur Bestätigung dem Konsistorium zu präsentieren. 1793 wird ein erneuter Bericht von dem Ortspfarrer eingefordet, “was es überhaupt mit diesem Schuldienst (gemeint ist die 2. Stelle) und dessen Besetzung und Versehung für eine Bewandnis habe”.

1818 betrug die Schülerzahl in Hilchenbach laut einem Bericht 170 bis 180.

Auffallend unstetig waren insgesamt die Schulraumverhältnisse: Das Schulhaus trug offiziell den Namen Kirchspielschulhaus. Zum früher wohl erwogenen Bau einer Fleckenschule war es nicht gekommen. Mit dem Streite um die Sache war offenbar auch das Interesse für das Haus erloschen. Im Schulhause war um 1800 auch die Lehrerwohnung für den Kirchspielslehrer, der ja immer auch Organist und Küster war. Beide Schulen waren laut Bericht aus 1808 in einem Hause untergebracht. P. Winkel schlägt 1808 eine Durchtrennung der Schulstube vor, wobei unklar ist, wie man vorher die Zahl von über 150 Kindern untergebracht hat. 1809 wird eine Trennung der Kinder nach Geschlechtern betrieben und bald auch durchgeführt, scheinbar um Streit zu vermeiden. Ein Schulzimmer lag unten, eins oben im Hause.1818 empfahl man in einem Revisionsprotokoll einen Anbau. Dieser sei auch von der Gemeinde erwünscht und man könne dann die Kinder nach Alter zusammenfassen und nicht nach Geschlecht. Unklar ist, ob er ausgeführt wurde.

1822 wird berichtet, daß die Schule nunmehr in 4 “Ordnungen” eingeteilt sei, von denen jeder Lehrer zwei unterrichte. Der Unterricht wurde nach einem vom Ortspfarrer Trainer unter Zuziehung beider Lehrer aufgestellten Lehrpläne erteilt.

1834 beklagt sich Schulinspektor Achenbach in einem Bericht über die Verhältnisse. Der Bau eines neuen Schulhauses sei unaufschiebbar. Die Schule würde zum Teil in einem Wirtshause an der großen Landstraße untergebracht, und das für 100 Kinder.

1843 empfiehlt Inspektor Stähler, die Klasse der 2. Abteilung aus dem Wirtshaus in eine Privatwohnung zu verlegen. 1844 brannte das Schullokal der 1. Abteilung ab.

1848 kam es endlich zu der so dringend notwendigen Erbauung eines neuen Schulhauses an der alten Stelle. Dieses konnte 1850 bezogen werden. 1852 wurde nach einer Revision durch den Schulrat angeordnet, daß künftig die Aufteilung der Schulklassen nach den Kenntnissen der Kinder vorzunehmen sei. Auch sei dem Religionsunterricht erhöhte Bedeutung beizumessen.

1837 wurde eine Fortbildungsschule an Sonntagen eingerichtet, die aber nur kurzen Bestand hatte, da man dem Lehrer Weisgerber nicht die nötigen Mittel bewilligte.

1846 nahm die Kirchspielsschule ein Ende. Es kam zwischen der Kirchengemeinde und der Stadt zu einer Vereinbarung, nach der die Stadt die Kirchspielsschule wie auch die Besetzung der Lehrerstellen übernahm. Der Kirchspielschulfond trug fortan den Betrieb der neu zu gründenden Rektoratsschule, über die nachfolgend separat berichtet wird.

Dieser folgte eine nicht weniger wichtige Schule: 1867 wurde das Lehrerseminar, das dritte in Westfalen, in Hilchenbach eröffnet. Der Unterricht begann in den Räumen der Stadtschule. Hierüber stehen auf unserer separaten Site “Schulgeschichte” einige Informationen. Dieser neue Schulbetrieb war Hilchenbachs Stadtverwaltung sehr willkommen, nicht nur im Hinblick auf vermehrtes Ansehen und neuer wirtschaftlicher Aussichten, sondern auch, um die unaufschiebbar nötige Einrichtung einer dritten Lehrerstelle zu vermeiden. Man versteht heute sicher nicht, wie an sich schon die beiden vorhandenen Lehrer mit insgesamt um 250 Kinder fertig geworden sind. So ging nun der gesamte Unterricht an die neu errichtete Seminarübungsschule über.

Doch die Schülerzahlen wuchsen weiter, vor allem auch durch den Bau der Bahn. So musste 1897 Seminardirektor Fismer den Antrag stellen, daß die Stadt alle die Zahl von 200 überschreitenden Kinder wieder in eigene schulische Betreuung nehmen solle. 1903 eröffnete am 1. Mai dann die Stadt wieder die Klasse I der zur Entlastung der Seminarübungsschule neu eingerichteten zweiklassigen Volksschule, und zwar abermals in der alten Stadtschule. In den Brücher Gärten (heute Kirchweg) wurde eine neue Stadtschule errichtet. Sie wurde 1907 eingeweiht, wobei die Chronik berichtet: “Nachmittags erhalten die

Bild 5 - Die 1957 erbaute neue Stadtschule von Hilchenbach. Bis 2006 beherbergte das Gebäude die Wilhelm von Oranien Hauptschule bzw. die neue Carl-Kraemer- Realschule (ab 2003 bis 2008). 2008 zog die Florenburg-Grundschule in die Gebäude ein

Schüler zur Feier des Sedanstages Kaffee und Kuchen in der Schützenhalle." Da der Sedanstag, der Nationalfeiertag des Deutschen Reiches (1871-1918), der an den Sieg der deutschen Armeen im Deutsch-Französischen Krieg bei Sedan am 2. September 1870 erinnern sollte, am 2. September gefeiert wurde, muss die Schule also an diesem Tag im Jahr 1907 eingeweiht worden sein. 900.000 Mark hatte der Bau gekostet, der vier Klassenräume bot. In den 1920er Jahren wuchsen die Klassengrößen auf 40 bis 66 Kinder an, da es noch keine Höchstgrenzen für Klassengrößen gab. Aufgrund seiner äußeren Farbgestaltung wurde das markante Haus als “rote Schule” bekannt. 1989 wurde ein Erweiterungsbau an die Schule gesetzt, in dem weitere sechs Klassenräume und ein Gymnastikraum untergebracht wurden. 1999 wurde der Schulhof in einem Großprojekt von Eltern und Lehrern umgestaltet. 2006 schließlich fiel der Beschluss, dass die Florenburgschule das Realschulgebäude, die ehemalige Wilhelm-vor-Oranien-Hauptschule, übernehmen soll. Im gleichen Jahr startete das Angebot der offenen Ganztagsschule.

Als am 31.3.1925 das Seminar geschlossen wurde, musste die Stadt wieder die Betreuung der gesamten Kinderzahl übernehmen. Für den Unterrichtsbetrieb und seine fünf Klassen musste neben der neuen Stadtschule das Gebäude der Rektoratsschule an der Kirche mit beansprucht werden, die gleichfalls am 31.3.1925 ihren Betrieb eingestellt hatte. Im Seminargebäude wurde eine Aufbauschule eingerichtet. Klassen und Kinderzahl wuchsen derart schnell und das Stadtschulgebäude war so wenig praktisch, daß – insbesondere auch mit Rücksicht auf die inzwischen eröffnete katholische Schule – die Stadt sich 1955 zur Errichtung einer neuen Schule mit 10 Klassen am Seminarberg entschließen musste und damit eine neue Epoche ihres schulischen Lebens beginnen konnte.

Bis 1948 besuchten alle Hilchenbacher Kinder die Stadtschule, danach wurde aus ihr zunächst eine evangelische Bekenntnisvolksschule (bis 1957). Anschließend wurde in zwei Räumen die katholische Volksschule im Gebäude untergebracht, während die anderen Räume u.a. an den Wasserverband vermietet wurden. Im Jahre 1968 folgte die große Schulreform, die die Errichtung des Hauptschulgebäudes an der Jung-Stilling-Allee zur Folge hatte. Im Gebäude der Stadtschule wurde fortan die Gemeinschaftsgrundschule untergebracht, die Dependancen in Helberhausen und Vormwald sowie den Namen “Florenburg-Grundschule” bekam. Schon damals kam übrigens die Idee auf, dass die Grundschule “in nächster Zeit” auf den Berg ziehen würde - wie sie es nun vier Jahrzehnte später, tatsächlich getan hat (2008). Damals gab es Planungen, eine zentrale Hauptschule in den Allenbacher Wiesen zu bauen.

Die Rektoratsschule in Hilchenbach

Lateinunterricht war - wie berichtet - schon bald nach Beginn einer Schule in Hilchenbach in den Anfangsgründen erteilt worden. Ebenso führte die Fleckenschule zu Zeiten des Pfarrers Flender um 1700 einen Lateinunterricht durch. 1841 bittet dann der Sohn Carl Philipp des Pastors Trainer in Hilchenbach, durch seinen Vater über den Schulinspektor Stähler in Müsen die Regierung in Arnsberg um die Erlaubnis, in Hilchenbach eine Privatschule für Söhne aus Handels- und Geschäftskreisen aufmachen zu dürfen, um als einziger Lehrer sie in Latein, Französisch und Englisch neben den üblichen Elementarfächern zu unterrichten. Die Erlaubnis wurde ihm anstandslos erteilt. Es wurde zunächst aber wohl nur eine ganz geringe Schülerzahl unterrichtet.

1849 wurde die Schule neu konzessioniert. Ein zweiter Lehrer wurde angestellt. Die Anstalt durfte nicht die Bezeichnung “Rektoratsschule” führen und auch nicht mehr als 30 Kinder betreuen. Im Jahr 1851 wurde die Schule von der Stadt übernommen. 1862 nannte sie sich Rektoratsschule, seit wann, ist nicht festzustellen.

Nebenher geht in dieser Zeit auch eine Mädchenschule. 1855 erhält eine Rosalie Burgmann von der Regierung die Erlaubnis, eine solche für Unterricht in Elementarfächern und Handarbeit unter Aufsicht des Schulinspektors Stähler zu eröffnen. 1864 wird bei den Verhandlungen über das zu errichtende Lehrerseminar erwähnt, daß im Falle der Erbauung der Raum der in Hilchenbach bestehenden “Höheren Mädchenschule” für die evtl. einzurichtende Seminarvorschule verwandt werden solle.

Einen eignen Raum hat die Rektoratsschule nie besessen. Ihren Unterricht hatte sie in der Stadtschule, hat dieser aber bis auf den heutigen Tag im Volksmund den Namen “Rektoratsschule” gegeben. Wie hart sie um ihre Existenz zu kämpfen hatte, wird man aus dem ständigen Wechsel in der Trägerschaft schließen dürfen. Die anfängliche Privatschule wurde 1851 von der Stadt übernommen. 1859 ging sie an die Kirchengemeinde über. 1876 wurde sie dann wieder von der Stadt übernommen. Die Übergabe wurde damit begründet, daß die Schule vorwiegend der Stadt diene, daß ferner eine Erweiterung und damit auch ein größerer Zuschuß künftig nötig sei. Indessen sollte der Pfarrer ständiges Mitglied im Kuratorium sein.

1875 bestanden zwei Klassen. 1905 wurde eine dritte Lehrstelle eingerichtet. 1908 legte man dem Unterricht die Pläne eines Reformrealgymnasiums zugrunde. 1919 beschloß man den Ausbau einer Mittelschule.

Das Eingehen des Lehrerseminars am 1. April 1925 bedingte dann eine derartige Umschichtung im gesamten Schulwesen Hilchenbachs, daß die evangelische Rektoratsschule aufgehoben, das Vertragsverhältnis mit der Stadt als erloschen erklärt und der Kirchspielschulfond wieder an die Kirchengemeinde zurückgegeben wurde.

Sie war im Kulturleben Hilchenbachs kein Glanzstück, aber immerhin eine dankbar empfundene Möglichkeit gewesen, den Söhnen des aufstrebenden Bürgertums in dem abgelegenen Orte eine bescheidene Ausbildung zu geben.

Die Schule in Helberhausen

Helberhausen hat von den Landorten des Kirchspiels an frühesten eine Schule gehabt. Wenn eine Eingabe aus 1684 an den Fürsten Moritz betont, daß Helberhausen “von undenklichen Jahren her seine Schule in beschwerlichem Bau erhalten” habe, wenn ferner schon der erste Lehrer im Jahre 1660 erwähnt wird, dann dürfte beides, wie auch in den Akten wiederholt betont, sehr weit zurückweisen, vielleicht schon in die Zeiten des sehr bekenntnistreuen Johann VII. (1606 - 1623). Die Kapellenrechnungen liegen fast lückenlos aus 1645 bis 1806 vor. Anfänglich hat der Ort natürlich seine Kinder, wie all die anderen Orte, nach Hilchenbach in die gegen Ende des 16. Jahrhunderts gegründete Kirchspielsschule geschickt.

Bild 6 - Die 1863 erbaute Kapellenschule in Helberhausen - Frühere Schulen standen auf der gegenüberliegenden Straßenseite

Wann die erste Schule in Helberhausen gebaut wurde, ist nicht mehr festzustellen. Auf alle Fälle hat sie um das Jahr 1660 schon gestanden, und zwar im Garten unterhalb des Hauses Ochsenfeld, etwa gegenüber der heute noch stehenden älteren Kapellenschule auf der anderen Wegseite. Die Schulchronik berichtet, daß sie 33 Fuß lang und 27 Fuß breit gewesen sei, zweistöckig, in Holz und Fachwerk errichtet, mit Schiefer gedeckt und einen Turm getragen habe, in dem eine Glocke und eine Uhr sich befanden. Sie war als Kapellenschule errichtet und hatte im unteren Stock das Schulzimmer, im oberen den Kapellenraum, in dem der Pfarrer fünfmal im Jahre eine Katechese mit der Jugend hielt und der Lehrer sonntags nachmittags eine Predigt vorlas.

Eine Vermögensfeststellung aus dem Jahre 1816 erwähnt wörtlich: “Die Kapelle zu Helberhausen gehöret den Gemeinden Helberhausen, Hadem und Oberndorf. Die Erbauung derselben sowie die Stiftung gehet zurück bis an die Epoche der Reformation und die eigentliche

Bild 7 - Die 1863 erbaute Kapellenschule im Jahre 2000 - Längst ist sie durch eine neue Schule nebenan ersetzt worden

Absicht ginge gewiß in jener Zeit dahin, der großen Unwissenheit in der Religion abzuhelfen und ein Mittel der Aufklärung zu seyn für die Erwachsene sowie auch für die Jugend. Den der Prediger zu Hilchenbach musste gleich nach der Reformation sowie auöch noch Jetzt des Jahres fünfmal zu Helberhausen Predigen und die Jugend Katechisieren, bey dieser Gelegenheit können auch alle heiligen Actus (d.h. Handlungen) der Religion dort verrichtet werden und die Schuljugend der vorgenannten drey Gemeinden wird in der angebrachten Schulstube dieser Kapelle auch unterrichtet”

Aus 1685 liegt ein Bericht über eine seltsame fürstliche Schenkung vor: “Ihro Hochwürdige und Fürstl. Durchlaucht Fürst Wilhelm Moritz zu Nassau als Unser Gnädigster Fürst und Herr haben verehrt den darauf (nämlich der Kapelle) stehenden Thurm und schöne Fahn.” Laut 5 Quittungen aus demselben Jahre “hat der Thurm auff Ihro Hochfürstl. Durchl. hauß abzubrechen, nach Helberhausen zu führen und aufzuschlagen gekostet 6 G. 19 a. 4 Pfg.” Wahrscheinlich handelt es sich bei der erwähnten Fahne um die heute noch auf der alten Schule befindliche schöne handgeschmiedete Wetterfahne (siehe Abbildung 8).

Bild 8 - Die 1685 von Fürst Wilhelm Moritz auf die Kapelle zu Helberhausen überführte Wetterfahne ziehrt wahrscheinlich noch heute die kleine Kapelle

1769 wurde die älteste Kapelle dann durch eine neue auf dem offenbar gleichen Platze ersetzt. Einzelheiten über diesen Neubau sind nicht bekannt. Indessen wird der Neubau bestätigt durch eine Notiz aus 1773, daß “der Kapellenbau die Gemeinde vieles gekostet” habe. Über diesen zweiten Schulbau wissen wir nur noch, daß 1784 “der Bau eines Sprütze-Hauses auf der Kapellen” erfolgt ist wobei unklar ist, ob es ein besonderes Haus auf dem Kapellenplatz oder die Einrichtung eines der Aufbewahrung von Spritzengeräten auf dem Schulboden dienenden Raumes.

Indessen hat diese zweite Schule nicht einmal hundert Jahre ihren Zwecken gedient, da wird schon die dritte, die heutige, Kapellenschule errichtet. 1863 wird die alte Kapelle durch eine neue Schule, direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite, ersetzt. Sie war massiv, hatte im unteren Stock Schulzimmer und darüber eine Lehrerwohnung. Wegen der wachsenden Schülerzahl wurde ab da Halbtagsschule eingeführt.

1940 wurde dann in schwerer Zeit eine neue Schule oberhalb der bisherigen mit 2 Klassenzimmern und separater Lehrerwohnung erbaut, also die vierte Schule in Helberhausen.

Der Unterricht ist bis etwa 1815 nur als

Bild 9 - Die 1940 erbaute heutige Schule in Helberhausen mit Lehrerwohnung

Winterschule betrieben worden. Der Lehrer war wie der Hirte am Wechseltisch wobei er dem Hirten gegenüber benachteiligt war weil der Zucker zum Kaffee bekam, der dem Lehrer versagt blieb.

1684 müssen die Helberhäuser sich beim Fürsten beschweren, daß Hadem und Vormwald ihre Kinder zwar nach Helberhausen und nicht mehr wie früher in die Kirchspielschule nach Hilchenbach schicken, Hilchenbach aber immer noch die alten Abgaben für seinen Schulmeister fordert. Deshalb wandten sie sich mit einer Klage an den Fürsten, die, wenigstens was Hadem anbetrifft, auch Gehör fand und diesen Ort von nun an schulisch fest an Helberhausen angliederte, obgleich 1724 noch einmal ähnliche

Bild 10 - Die Schule besteht noch heute (Foto aus dem Jahre 2000) als Zweigstelle der Florenburg Grundschule in Hilchenbach. Meist werden dort die Erstklässler Hilchenbachs unterrichtet

Differenzen berichtet werden.

Noch einmal sind im Jahre 1800 die Wellen hochgeschlagen, als die Gemeinde ihren bisherigen Schulmeister aus unbekannter Ursache entlassen und einen anderen für ihn einstellen wollte. Schließlich fand sich nach 1 ¼ Jahren die Gemeinde bereit, einen anderen Schuldiener anzunehmen.

Zu einem anderen aber weniger heftigen Schulstreit kam es noch einmal im Jahre 1807 wegen des Kostumgangs des Lehrers Preis. Die Gemeinden Oberndorf und Hadem brauchten den Lehrer, offenbar wegen der Entfernung ihrer Kinder, nur einen Tag auf jedes Kind an den Wandeltisch zu nehmen. Helberhausen dagegen für jedes weitere Kind auch einen weiteren Tag. Hierüber wurden die Helberhäuser unwillig und sagten die weiteren Kosttage ab. Hadem und Oberndorf schickten den Lehrer, als er dort seinen Wandeltisch beginnen wollte, daraufhin kurzerhand nach Hause. Pastor Schepp hatte seine liebe Not, die Angelegenheit durch ein Gesuch an das Unterdirektorium in Siegen zu bereinigen.

1937 wurde eine zweite Lehrerstelle eingerichtet, die 1955 wieder unter einem Lehrer vereinigt wurde.

Die Schule in Vormwald

Der Beginn eines Unterrichts dürfte zeitlich in die Nähe des Beginns der Kirchspielschule zu Hilchenbach fallen. Die Vermutung ist

Bild 11 - Die alte Schule in Vormwald, erbaut 1729, zum Zeitpunkt des Fotos als Scheune genutzt (vor 1957), heute abgerissen. Standort auf der anderen Straßenseite der 1879 erbauten Kapellenschule (die noch heute steht) unterhalb der Gastwirtschaft Müller

begründet, daß die Kinder des benachbarten Vormwald diese besucht haben. Das Datum über die Errichtung eines eigenen Schulgebäudes liegt genau fest durch einen Brief, den der bekannte Baudirektor von Ploennies, der vom Fürsten Friedrich Wilhelm Adolf berufene Vermesser der Siegerländer Gemeindemarkungen am 9.8.1729 an den Amtmann Johann Caspar Trainer zu Hilchenbach schreibt (siehe zu Ploennies auch unsere anderen Sites “Geschichte”, “Dreiländereck” und “Neben den Wegen”).

Diese ehemalige Schule stand noch Mitte der 1950er Jahre, als Pastor Dr. Hermann Müller sein Buch “Florenburgs Schulen” verfaßt (1957) unterhalb der damaligen Gastwirtschaft Müller schräg gegenüber der 1879 neu erbauten Schule (an der anderen Straßenseite, heute im Jahre 2001 Gastwirtschaft Hoppe). Sie ist in dem Buch abgebildet, auch wenn sie

Bild 12 - Die 1879 erbaute und später erweiterte Schule in Vormwald. Sie steht ebenfalls noch heute wie das folgende Foto aus dem Jahre 2000 belegt

bereits zu der Zeit als Scheune genutzt wurde. Der Schulchronik zufolge hat sie einen Turm besessen, der angeblich 1824 erbaut wurde. Als das alte Schulgebäude nicht mehr den Ansprüchen der Zeit genügte, wurde 1879 ein neues Gebäude errichtet, dessen Grundstein am 24. April gelegt wurde, und zwar der alten Schule gegennüber auf der jenseitigen Straßenseite. Am 22.8.1922 schlug ein Blitz in den Glockenturm der Schule ein und durchschlug Gebälk, Dachboden und Decke des Klassenzimmers. Da die eingebaute Wohnung für einen verheirateten Lehrer zu klein war, wurde am 2.3.1926 ein Erweiterungsbau beschlossen und der eigentliche Schulraum um ein Stockwerk erhöht.

1837 war um Lehrer Lehnhof ein Streit, weil er den Kostumgang ablehnte und sich durch sein Schneiderhandwerk noch Geld hinzuverdienen wollte. Der Kostumgang verschwand schließlich für immer. Vormwald war die letzte Gemeinde, die ihn 1837 aufgab. 1838 war in Vormwald ein dreiwöchiger Schulstreik gegen Lehrer Lehnhof, weil dieser einen Jungen zu streng bestraft haben sollte. Erst durch Eingreifen des Landrats wurde der Streik beigelegt.

Als Schlaglicht auf die damaligen Verhältnisse mag ein Urteil erwähnt werden, das der damalige Kreisschulinspektor Achenbach über Lehnhof

Bild 13 - Die Schule besteht noch heute (Foto aus dem Jahre 2001) und wird als Dorfgemeinschaftshaus genutzt

abgab:

Lehnhoff wurde ein großer Schlendrian und Eigennutz vorgeworfen. Auf Veranlassung des Schulrates Dr. Dumdey erwarb die Schule einen 12 m2 großen Platz für Spielen und Turnen. Hinzu erwarb sie dann später noch ein unter dem Friedhof gelegenes Grundstück, das als Schulgarten genutzt wird. Auf dem Schulplatz wurde ein kleiner Teich angelegt, der als Beobachtungsgebiet im naturkundlichen Unterricht gilt. Auch eine Baumschule wurde angelegt. Ein Teil des Schulgartens wurde 1923 zur Errichtung eines Gemeindedenkmals für die Gefallenen des ersten Weltkrieges freigegeben.

Die Schule in Lützel

Die ersten Anfänge einer Jugendunterweisung in Lützel liegen im Dunklen. Indessen muss eine solche recht früh eingesetzt haben. Es existiert noch eine Eingabe der Bewohner von Lützel, Oechelhausen und Ruckersfeld aus dem Jahre 1655 an den Fürsten von Nassau, in der sie um Freistellung von den an die Kirchspielschule zu Hilchenbach zu zahlenden und von der Pfarrei offenbar soeben mit Nachdruck geforderten Leistungen bitten (siehe unsere Site “Schulgeschichte” unter der Überschrift “Die erste Schule in

Bild 14 - Die alte Schule in Lützel, die 1710 erbaut wurde

Hilchenbach”). Wenn sie diese Bitte damit begründen, daß sie schon seit vielen Jahren sich einen eigenen Schulmeister zur Unterweisung ihrer Kinder hielten, so läßt dies immerhin darauf schließen, daß man nicht allzulange nach Gründung der Kirchspielschule in Hilchenbach mit solchem Unterricht begonnen hat, die man ja etwa um 1590 wird ansetzen müssen. Hierbei muss ungeklärt bleiben, ob Lützel seine Kinder zunächst auch nach Hilchenbach geschickt oder ob es mit Rücksicht auf die weiten Wege sogleich mit ortseigener Unterweisung begonnen hat. Letzteres dürfte indessen kaum anzunehmen sein, da die Pfarrei den Ort nicht zu Leisungen dürfte herangezogen haben, wenn er nicht auch Kinder nach Hilchenbach zum Unterricht – wenigstens in der Erstzeit – geschickt hätte.

Im Jahre 1469 hatte Graf Johann IV. auf der Ginsberger Heide die St. Antonius Kapelle (im Volksmund nach Pastor Dr.

Bild 15 - Die im Jahre 1902 erbaute Schule steht noch heute, wie nachstehendes Foto aus dem Jahre 2001 belegt

Hermann Müller Tönniskapelle genannt) erbauen lassen, die vom Orte Lützel – der sogenannten “Lützeler Zech” – als Kirche gebraucht wurde und Mittelpunkt des Lützeler Kirchspiels sowie von der Umgegend vielbesuchte Wallfahrtskirche war. Mit dem Eingehen dieser Kapelle hing die Errichtung einer Schule in Lützel zusammen.

Am 15.2.1571 ordnete Graf Johann VI., um endlich dem mit den Wallfahrten dorthin zusammenhängenden Unwesen ein Ende zu machen, an: “Die Kapelle zu Lützel soll besichtigt werden und dieweil es ein abgöttischer Tempel gewesen und noch von Fremden und Einheimischen darin Abgötterei getrieben wird, ist unseres gnädigen Herrn Befehl, daß die abgebrochenen und eine Capell im Dorf dagegen uff gerichtet werde; solches soll durch den Superintendenten, Amptmann und Rentmeister nechisten tages verschafft werden. Es soll auch Nachforschung geschehen, ob noch eine übrige Glocke zu Siegen im Schloß sei oder auf der Ginsburgk, welche zu solcher Capell soll gegeben werden.” – Siehe zur St.

Bild 16 - Die im Jahre 1902 erbaute Schule etwa 100 Jahre später. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 2001. Sie wird allerdings nicht mehr als Schule genutzt

Antonius Kapelle auch unsere Site “Geschichte”.

Pastor Dr. Hermann Müller meint, der Volksmund dürfte recht haben, wenn er überliefert, daß das Holz der Antoniuskapelle in die neue Kapelle zu Lützel eingebaut worden sei. Da um jene Zeit kaum damit zu rechnen ist, daß in der neu erbauten Kapelle schon Schule gehalten wurde, so wird sie zunächst zur für gottesdienstliche Zwecke und erst später als Schulraum mitbenutzt worden sein. Auch die Sorge um Beschaffung einer Glocke für diese Kapelle weist in diese Richtung.

Die “Lützeler Zech”, Kirchengemeinde respektive das Landesherrliche Patronat, wurde darauf mit Hilchenbach vereinigt. Die Kapelle wird klein und scheint um 1700 auch baufällig gewesen zu sein, da der Unterricht damals abweichend in den Häusern abgehalten wurde.

1707 plant der sehr rührige Pfarrer Winter einen Neubau, wie aus einem Schreiben an den Fürsten hervorgeht. Demnach können die entlegenen Dörfer Lützel, Grund, Oechelhausen und Ruckersfeld des Kirchspiels Hilchenbach ihre Kinder wegen vieler Beschwerlichkeiten nicht nach Hilchenbach schicken.

Der Fürst antwortet: “Unser Oberförster Klein soll Zu der Vorhabenden lützeler schuhl so Viel Eichenstämme alß dar zu höchstnöthig ahn unschädtlichen orthen ahnweisen undt außfolgen lahsen. Hilchenbach, den 14ten January 1707

Bild 17 - Rückseite des Förster Klein’schen Hauses, in dem Jung-Stilling als Lehrer auf Lützel wohnte (4-tes Fenster von hinten)

. Friedr. Wilh. Adolf.”

1710 muss Pfarrer Winter in einer Beschwerde an den Fürsten klagen, daß Lützel “zu einer mehreren Bequemlichkeit und wegen der daselbst zu haltenden Catechismuslehr und unterweisung ihrer Jugend” zwar zum Bau eines Schulhauses entschlossen sei, Oberförster Klein sich aber weigere, das Holz anzuweisen und er daher entsprechenden Befehl erbitten müsse. Antwort: “So viel Gehöltz alß zum schuhlhauß auff der Lützel wird hochnöthig seyn, soll unser Oberförster anweisen und ohnentgeltlich verabfolgen laßen; hierin geschieht unser Willd. Gegeben Siegen, den 13. May 1710.”

So wurde die Schule dann 1710 gebaut. 1806 wird sie wie folgt von Pfarrer Schepp beschrieben: “Die Schule zur Lützel ist eine Capelle, wo jedoch eine bloße Stube befindlich ist und oben auf eine Uhr sowie eine Glocke. Hier versammelt sich die Gemeinde, wenn der Prediger, wie ordnungsmäßig ist, dreymal des Jahrs hinkommt, Predigt und Kinderlehr zu halten, auch des Sonntags, wenn der Schulmeister vorlieset.” 1816 wird lobend in einem Visitationsbericht erwähnt, daß die kleine Gemeinde die Kapelle selbst begründet habe. 1834 musste die Kapelle, da ihr “die neue Kunststraße zu nahe kam”, um 20 Fuß zurückgesetzt werden, wie Inspektor Achenbach berichtet.

Zum 400. Geburtstag Luthers pflanzte man am Zugangsweg zur Schule 10 junge Bäume, unter ihnen zwei junge Eichen, deren eine dem besonderen künftigen Gedenken an Luther geweiht sein sollte.

1902 wurde dann eine neue Schule mit zwei Unterrichtsräumen errichtet, weil die alte bei der wachsenden Kinderzahl zu klein und eng geworden war. Die alte Schule erwarb die örtliche Freikirchliche Gemeinschaft für ihre Zwecke. 1917 kaufte die Gemeinde einen Hausgarten von Gastwirt Schneider. 1945 beim Beschuß erhielt die Schule zwei Granattreffer, die große Zerstörungen anrichteten. Im Keller richteten die aus Richtung Hohenroth anrückenden Amerikaner Verbandstelle und Verwundetensammelplatz ein. Eine völlig unangemeldete Sprengung auf der in den 1930er Jahren im Edertal errichteten Munitionsanstalt durch die Amerikaner deckte durch ihre gewaltige Detonation das Schuldach völlig ab, die Türen wurden aus den Angeln gerissen. Den Amerikanern folgten für eine Nacht Italiener, ihnen eine Schar plündernder Russenhorden (Zivilisten). Nach kostspieligen Reparaturen konnte am 15.10.1945 endlich der Unterricht wieder aufgenommen werden.

Da die alte, nunmehr als Vereinshaus dienende Kapelle vorher schon ebenfalls durch deutsches Militär belegt gewesen und mitgenommen war, baute die Gemeinschaft um 1950 das Gebäude unter großen eigenen Opfern auf den alten Fundamenten neu und im ungefähren Stil der alten Schule wieder auf.

Die Schule in Grund

Wie aus all den übrigen Orten, so sind auch die Kinder aus Grund zunächst zur gemeinsamen Kirchspielschule in Hilchenbach gegangen. Als 1710 Pastor Winter die Kapelle in Ruckersfeld erbaute, war beabsichtigt, daß der Schulmeister von Ruckersfeld auch die Kinder in Grund mit unterrichten sollte, freilich so, daß er über den Berg nach Grund ging und den Unterricht dort in einem Privathause gab. Wie das über die Schule in Ruckersfeld gesagte deutlich macht und aus den Beschwerden der Ruckersfelder über das

Bild 18 - Die im Jahre 1792 erbaute alte Schule in Grund. Im Hintergrund ist die neue Schule zu sehen

Verhalten der Gründer hervorgeht, hat Grund bald angefangen, sich einen eigenen Schuldiener zu halten. Die Ermahnungen des Fürsten sind offenbar immer nur für kurze Zeit beachtet worden. Selbst die Drohung, vier Reiter in den Ort zu legen, fruchtete nicht lange.

Man wird annehmen dürfen, daß Grund bald nach 1720 sich einen eigenen Schulmeister gehalten hat.

Die Schule in Grund ist dann 1792 erbaut worden. Sie trug die Inschrift: “Erbaut von der Gemeinde Grund den 15. Juni 1792. Der Zimmermeister Johannß Holdinghausen von Haarhausen.” Näheres über die Errichtung ist nicht bekannt. Nur besagt der Bericht des Kirchspiels-Kirchenrechners I.C. Feldmann aus 1861, daß “diese kleine Gemeinde alles angewendet habe, einen Fonds zu bilden. Sie habe Gemeindeholz verkauft, Kapitalien gestiftet, Wüstungen urbar gemacht und vor die Schule

Bild 19 - Die im Jahre 1932 erbaute Schule in Grund

verpachtet”.

Laut Bericht von Schulinspektor Achenbach aus 1834 diente das Schulzimmer zugleich der Gemeindezum sonntäglichen Gottesdienst. 1834 wurde in Lehrer Banf der erste Lehrer ordnungsgemäß bestellt. Ab da dürfte die Schule ihren bis dahin mehr privaten Charakter aufgegeben haben.

Die Lehrer, die in Grund tätig waren, hat Pastor Dr. Hermann Müller aus dem Kirchenarchiv der evangelisch-reformierten Gemeinde rekonstruiert, soweit sie dort erwähnt waren, da die Schulchronik leider 1945 beim Zusammenbruch von amerikanischen Truppen entwendet worden ist.

Die Schule zu Ruckersfeld – Die Schule zu Oechelhausen

Als der für die Förderung des Schulwesens sehr interessierte Pastor Winter im Januar 1707 dem Fürsten Fr. Wilh. Adolf seinen Plan unterbreitete, eine Schule in Lützel und eine weitere in Ruckersfeld zu bauen, lag dieser Bitte folgende Erwähnung zugrunde: In Lützel wie in Ruckersfeld, in letzterem für die Dörfer Ruckersfeld, Oechelhausen und Grund, war je ein Lehrer vorhanden, der jeweils in dem Hause, in dem er zur Kost war, im Winter Schule hielt. Diesem Wechsel wollte er durch Errichtung zweier Schulen in Lützel und Ruckersfeld in der

Bild 20 - Die im Jahre 1707 erbaute alte Schule in Ruckersfeld

Weise abhelfen, daß ein Lehrer in Lützel, der andere in Ruckersfeld wohnen und die Kinder betreuen sollte. Dabei sollten die Dörfer, da dem einzelnen die Last zu schwer gewesen wäre, zusammenstehen und für die drei Orte Ruckersfeld, Oechelhausen und Grund doch der Schulumgang auch noch ferner bestehen bleiben. Und zwar in der Weise, daß die Kinder trotz Bestehens des Schulgebäudes in Ruckersfeld doch abwechselnd zu dem Ort zu gehen hatten, wo der Lehrer gerade an der Kost war. Es sollte also der Lehrer von Ruckersfeld trotz der neuen Schule daselbst auch in Oechelhausen und Grund Schule halten, dort natürlich in Privathäusern, und die Kinder von Ruckersfeld mussten dann nach Grund, umgekehrt die Kinder von Grund nach Ruckersfeld gehen. 1714 aber macht Grund Schwierigkeiten und Pastor Winter muss sich mit einer Beschwerde an den Fürsten wenden. Demnach hielten sich die Grunder nicht an die Absprache und hielten sich einen Kuhhirten, der im Winter die Kinder unterwiesen

Bild 21 - Die “alte Schule” in Ruckersfeld im Jahre 2004 aufgenommen. Die “alte Schule” wird heute als “Kulturzentrum” genutzt

hat. Winter bat den Fürsten, den Grundern zu befehlen, ihre Kinder von Grund nach Ruckersfeld zu schicken da die anderen Ortschaften den Lohn für den Lehrer nicht allein aufbringen könnten..

Der Fürst, der übrigens auch für die Schule eine allgemeine Landeskollekte bewilligt hatte, hatte Verstehen für die Bitte Winters und verfügte, daß die Grunder “bey Vermeidung unserer größten ungnade” ihre Kinder nach Ruckersfeld schicken sollten und den Schulmeister mit unterhalten helfen sollen. :

Grund blieb indessen nach nur flüchtiger Besinnung hart und wiesen die Entlohnung des Ruckersfelder Schulmeisters zurück und verwiesen auf die Unterrichtung durch den gehaltenen Kuhhirten. Winter und die beiden Ältesten von Oechelhausen und Ruckersfeld mussten sich erneut beschweren.

Nun wird der Fürst energisch und drohte damit, bei Nichtbefolgen vier Reiter nach Grund zu verlegen. Der alte Streit ist noch nicht ausgetragen, da bewegt eine neue Klage die Gemüter: Für die Mehrarbeit, die nach Erbauung der Kapelle in Ruckersfeld dem Pfarrer und Schuldiener durch die nun öfteren Wege zu Katechisation und Singen entstand, versprachen Ruckersfeld und Oechelhausen bei dem Kapellenbau, für den Pfarrer, Grund für den Schuldiener, ein Rind oder Kalb auf die Weide zu nehmen. Die beiden ersteren Orte hielten ihr Versprechen. Über Grund aber wird wegen Säumigkeit erneut Beschwerde geführt.

Die Eigenwilligkeit der Gründer in der alten Frage machte 1719 eine neue Beschwerde der Ruckersfelder an den Fürsten nötig. Es wird geklagt, daß Grund seinen Schulmeister weiter halte und nicht einmal ein ordentlicher Raum für die Unterrichtung der gesamten Kinder eingerichtet sei. Sowohl die Oechelhausener als auch die Grunder sollen ihre Kinder nach Ruckersfeld schicken.. Pastor Winter wurde diese Beschwerde zum Bericht zugestellt. Sein Schreiben vom 22. Jan. 1720 beschreibt noch einmal die gelebte Praxis und bemängelt ebenfalls daß in Grund kein ordentlicher Schulraum zur Verfügung stehe.

Wie die Entwicklung in den nächsten Jahren gelaufen ist, wird aus den vorliegenden Akten leider nicht mehr deutlich. Vermutlich ist den Streitigkeiten zwischen Ruckersfeld und Grund erst durch die 1792 erfolgte Erbauung einer eigenen Schule in Grund ein Ende gemacht worden.

Was das Schulhaus in Ruckersfeld anbetrifft, so geht aus dem vorangeführten Schreiben hervor und wird anderweitig aktenmäßig belegt, daß es zwei Räume enthielt, unten einen Kapellenraum und darauf die Schulstube. So kam es, daß – wie der alte Bürgermeister Hirsch in Ruckersfeld seinem Sohne nach dessen Aussage immer wieder erzählt hat – man im Ort einst nicht sagte “zur Schule” sondern “auf die Schule” gehen.

Die zum Zeitpunkt der Realisierung des Werkes “Florenburgs Schulen” von Pastor Dr. Hermann Müller (1957) erwähnte verwinkelte Treppe zum Boden deutet den ehemaligen Zustand noch an. Man fragt nur: Wieviel Fenster hat dieser Schulraum eigentlich gehabt? – Anscheinend nur ein einziges. Wie dies alles baulich sich dargestellt hat, ist aus der Ansicht der Schule durch Pastor Müller nicht ganz ersichtlich. Als bedeutsam erwähnt er, daß der um 1945 verstorbene Kirchenälteste Feldmann aus Ruckersfeld ihm mündlich dies bestätigt und gelegentlich erzählt hat, daß in Ruckersfeld zwei Räume übereinander gewesen und noch in seiner Jugend im unteren Raume die Bibelstunden abgehalten worden seien. Die Baukosten wurden zu 2/3 von Ruckersfeld und von Oechelhausen zu 1/3 bestritten.

Die Kapelle in Oechelhausen wurde dann 1790 errichtet. Der Unterricht wurde abwechselnd in Ruckersfeld und Oechelhausen erteilt. Der Wechsel fand wöchentlich, später monatlich und seit 1918 vierteljährlich statt. Erste Anzeichen für eine Absonderung von

Bild 22 - Die im Jahre 1790 erbaute Schule in Oechelhausen

Oechelhausen liegen vor aus dem Jahre 1751, wo Ruckersfeld sich beschwert, daß die Oechelhäuser den gemeinsamen Schulmeister nach Oechelhausen genommen hätten und sich von Ruckersfeld trennen wollten. Sie bitten das Konsistorium, dies rückgängig machen zu wollen.

1802 trifft Ruckersfeld eine Übereinkunft, daß von nun an und stets der Schulmeister nach den Häusern gehalten werden solle ohne Rücksicht auf die Anzahl der die Schule besuchenden Kinder aus dem jeweiligen Hause, von jedem Hause zwei Tage lang. 

Über die Errichtung der Schule in Oechelhausen liegen im Kirchenarchiv der ev.-ref. Gemeinde in Hilchenbach nach Pastor Dr. Hermann Müller keine Nachrichten vor. Indessen dürfte dieselbe um 1790 erbaut worden sein. Beide Schulen hatten je eine Glocke.

1878 setzten Verhandlungen wegen eines Schulneubaues in Ruckersfeld ein. Indessen wurde derselbe zugunsten eines Umbaus abgelehnt. Der Bau einer Lehrerwohnung in Ruckersfeld wurde für das kommende Jahr in Aussicht genommen, kam aber nicht zustande. 1921 bejahten der Medizinalrat und der Kreisschulrat die Aufhebung der Wechselschule in Oechelhausen. Sie wurde am 21.12.1922 in einer Schulvorstandssitzung in Gegenwart von Regierungsvertretern beschlossen und am 3.1.1923 durch die Regierung genehmigt. Die alte Schule wurde der Gemeinde Oechelhausen als Jugendheim überlassen. Der Schulgarten wurde verpachtet.

1946 wurde die Bekenntnisschule in Ruckersfeld durch Abstimmung wieder eingeführt (87% gegen 13% der Stimmen).

Die Schülerzahlen betrugen 1893: 25; 1910: 52; 1924: 15; 1940: 25; 1951: 38.

Erwähnenswert, daß gemäß eines Berichts von

Bild 23 - Im Jahre 1957 wurde die neue Schule von Ruckersfeld-Oechelhausen erbaut

Schulinspektor Achenbach der von 1814 bis 1835 tätige Schulmeister Joh. Henr. Kühn aus Ruckersfeld, früher Strohdecker und Leineweber, der schlechteste Lehrer im ganzen Bezirk gewesen sein soll. Er war über 25 Jahre in Ruckersfeld und starb dort 1835 als er 60 Jahre alt war: “Genau an dem guten Willen fehlt es den Lehrern der vorhin genannten Schulen, und an der Spitze derselben steht Kühn in Ruckersfeld. Seine Schule ist in jeder Hinsicht die schlechteste im ganzen Bezirk. Sie sagen, was läßt sich von einem alten Leineweber anders erwarten? Er tut doch, was er kann. Ich aber sage, er tut nicht, was er kann, und weil er es nicht tut, so behaupte ich: Es fehlt ihm an gutem Willen. So wie er mechanisch das Leineweben treibt, so treibt er mechanisch das Schulhalten. Sollte ich noch einmal seine Schule besuchen und dann wieder finden, daß er die nebenangeschlossenen Vorschriften nicht befolgt hat, so werde ich sofort bei der Regierung auf seine Entfernung vom Schulamte antragen.”

Die Schule in Allenbach

Wie lange die beiden Orte Haarhausen und Allenbach ihre Kinder zur alten Kirchspielschule nach Hilchenbach geschickt haben, ist nicht bekannt, ebensowenig seit wann sie, jeder Ort für sich, eine eigene Schule unterhalten haben. Zweifellos hat der örtliche Unterricht zunächst umlaufend in Privathäusern stattgefunden.

Das erste Schreiben über die Schule in Allenbach liegt vor aus der Feder des aus Jung-Stillings Lebensgeschichte

Bild 24 - Die Schule in Allenbach, erbaut 1784, in ihrer ursprünglichen Gestalt

bekannten Pastors Seelbach in Hilchenbach aus 1743. Aus demselben eht hervor, daß der für die schulischen Dinge rührig interessierte Pastor Winter, der 1710 auch die Ruckersfelder Schule bauen ließ und die Lützeler Schule erbaut hatte, darauf bedacht gewesen ist, für die beiden Orte etwas durchgreifendes zu tun. Seelbach schreibt an das Konsistorium in Siegen, daß den Allenbachern und Haarhäusern eine gemeinschaftliche Schule fehle und daß eine solche wegen der Nähe beider Dörfer in der Mitte zwischen beiden Ortschaften gebaut werden sollte. Beide konnten sich aber nicht einigen, wo diese Schule stehen sollte. Allenbach hat dann ohne Genehmigung damit begonnen, eine “privative schul in ihr dorff zu bauen”. Seelbach hatte die Ältesten von Allenbach gesagt, daß er nichts gegen eine solche Schule habe, daß aber zuvor die Einholung einer herrschaftlichen Genehmigung notwendig sei da sonst Strafen nicht zu vermeiden seien.

Bild 25 - Die Schule in Allenbach, 1784 erbaut, wurde 1868 erweitert und 1886 aufgestockt. Die Federzeichnung zeigt die Gestalt des Gebäudes nach 1886

Wie dieser ohne vorherige Genehmigung durchgeführte Schulbau zu Allenbach beim Konsistorium in Siegen aufgenommen worden ist, ist nicht bekannt. Tatsache ist nur, daß nun auch Haarhausen auf den Geschmack kam und gleichfalls eine eigene Schule beantragte. Dieserhalb befragte das Oberkonsistorium in Dillenburg noch im gleichen Jahr den Pastor Seelbach.

Dem Ersuchen der Gemeinde Haarhausen ist dann Rechnung getragen worden; in welchem Jahre ist indessen unbekannt, vermutlich aber gleich nach 1743.

1781 brannte dann die vor kurzem errichtete Schule in Allenbach ab. Die oberen, jetzt am rechten Ufer der Ferndorf stehenden Häuser Allenbachs waren vor dem Brande um den Eisenhammer gruppiert. Es wurde eine Zeitlang in einem Privathaus in Allenbach unterrichtet. 1783 betrieb der Hilchenbacher Pfarrer Winckel durch ein Schreiben vom 18. Juli 1783 den Neubau einer künftigen gemeinsamen Schule für beide Orte, tunlichst auf halbem Wege. Das Oberkonsistorium in Dillenburg fragt durch einen Brief vom 21. Juli 1783 zurück, ob die Schule nicht zweckmäßiger in Allenbach errichtet würde. Pfarrer Winckel berichtet dann mit Schreiben vom 28. Juli 1783 unter anderem, daß der Weg für die kleinen Kinder in Haarhausen im Winter

Bild 26 - Die Schule in Allenbach nach dem Umbau 1953

und “bei rauhem Wetter” zu beschwerlich sei. Am 9. August 1783 genehmigte das Oberkonsistorium den Schulbau zwischen den beiden Gemeinden mit dem kurzen zusagenden Bescheid: “Diesem Suchen stehet nicht zu willfahren (nicht im Wege).” Gleich anschließend wurde mit Datum vom 1. September 1783 durch das Fürstliche Oberconsistorium der Verkauf des Schulgebäudes in Haarhausen genehmigt.

Ohne diese Erlaubnis abzuwarten, war inzwischen schon der Verkauf der alten Schule in Haarhausen, über deren Lage nichts bekannt ist (außer das sie “am Fuhrweg” gestanden hat” – wahrscheinlich ist sie, jedenfalls nach Meinung von Pastor Dr. Hermann Müller in seinem Werk von 1957 geäußert, oberhalb des Hauses Autschbach gelegen. Dorthin weisen nach seinen Aussagen die Erinnerungen der alten Haarhäuser, insbesondere auch weil hier der Zimmerplatz des Zimmermeisters Joh. Holdinghausen lag, dessen Haus ja den Schulplatz erwarb), erfolgt. Der Kaufkontrakt datiert vom 14. Mai 1783.

Die Schule in Allenbach wurde 1784 vollendet. Sie war in Holz und Fachwerk ausgeführt, mit Schiefer gedeckt und hatte einen “schönen hohen Turm”.

1868 musste die Schule wegen Raummangels erweitert werden. 1886 wurde ein zweites Klassenzimmer durch Errichtung einer zweiten Etage gebaut unter gleichzeitiger Verkleinerung des unteren Klassenraumes und Einrichtung einer Lehrerwohnung mit Kellerraum. Von jetzt an führte die Schule eine zweite Lehrerstelle. 1895 wurde dem Lehrer ein Hausgarten zugewiesen. Als 1901 Lehrer Siebel sich ein eigenes Haus erbaute, wurden Wohnung und Garten einer Hausmeisterfamilie überlassen. 1912 wurde, als Keppel Seminar war (siehe die weitern Ausführungen auf dieser Site), eine Übungsschule eingerichtet, in der man die Kinder bis zum 10. Jahre unterrichtete. 1924 wurde diese Übungsschule aufgehoben und das zweiklassige System wieder eingeführt. 1925 bezog Lehrer Limper wieder die Wohnung in der Schule. 1926 erwarb man von den Erben Wurmbach ein angrenzendes Grundstück, das nordwärts als Obstgarten, südwärts als Spielplatz benutzt wurde. 1953 wurde die Schule nach Süden durch einen Anbau erweitert, in dem eine neue hauswirtschaftliche Berufsschule untergebracht wurde.

Am 1.4.1933 war wegen der wachsenden Kinderzahl die Errichtung einer dritten Klasse nötig, 1949 sogar einer vierten Klasse, die indessen 3 Jahre später schon wieder eingezogen wurde.

Mit der Errichtung dieser vierten Lehrerstelle wurde der Lehrer Paul Benfer Hauptlehrer. In den oberen Schulräumen hatte er schon seit längerem ein Heimatmuseum eingerichtet, für das er mit rührigem Fleiße mancherlei lokalgeschichtlich Interessantes gesammelt hatte. Daneben war er sehr emsig bedacht gewesen auf eine Sammlung guten und meist selbst gefertigten Anschauungsstoffes (Siehe dazu auch unsere Sites über das Stadtmuseum Hilchenbach bzw. über die Geschichte Hilchenbachs – Die von Lehrer Benfer gesammelten Materialien bildeten dann die Grundausstattung für das Stadtmuseum Hilchenbachs, nachdem die Schule in Allenbach im Jahre einem Straßenbau weichen musste. Das Stadtmuseum in Hilchenbach wurde 1982 in der Wilhelmsburg eröffnet).

Schule für Kinder im Bergbau in Müsen

Für die im Bergbau bzw. in den Übertageeinrichtungen des Bergbaus arbeitenden Kinder wurde 1818 in Müsen neben der Kirchspielschule eine besondere Unterrichtsanstalt eingerichtet, die morgens und abends von den am Tage arbeitenden Kinder besucht wurde. 1846 wurde dann in Müsen eine Unterrichtseinheit von 6 bis 9 Uhr festgelegt, die  den Kindern Zeit für die Arbeit im Bergbaubetrieb beließ.

Der ehemalige Müsener Pfarrvikar und spätere Rektor des Siegener Pädagogiums, Christian Wilhelm Lorsbach (1792-1868), bemüht 1817 einen bildlichen Vergleich, als er für einen Ausgleich zwischen den elterlichen und unternehmerischen Interessen an Kinderarbeit und dem staatlichen Anspruch auf Schulpflicht plädiert. Die Verhältnisse “müssen so gewiß beachtet werden, als man den Knoten nicht zerhauen sondern lösen soll”, und mit Blick auf die arbeitenden Kinder fährt er fort, “damit nicht durch neues physisches Uebel das Geistiggute gehindert und zerstört werde”. Müsen ist 1817 ein Dorf von 641 Einwohnern. Beschäftigung finden die meisten im Bergbau, wenige in den nahegelegenen Hütten (siehe auch unsere anderen Sites zur Geschichte Hilchenbachs und zum Bergbau bzw. zu den Hütten). Vielfach betreiben die Familien noch eine kleine Landwirtschaft und besitzen sowohl Haubergsanteile als auch kleinste Anteile, sogenannte Kuxe, an den Bergwerken. Es gibt aber auch schon Familien, die Ihren Unterhalt nur aus der Lohnarbeit bestreiten. Selbst die verschiedenen Einnahmen zusammen werden kaum ausgereicht haben, die Familien hinlänglich zu ernähren, zumal die Löhne im Siegerländer Bergbau zu den niedrigsten gehörten, die zur Auszahlung gelangten. Ein ständiges Leben an der Armutsgrenze ist die Folge: “Der gewöhnliche Taglöhner und besonders der Bergmann hat daher schon in guten Jahren seine Last, von seinem Taglohn sich und seine Familie zu ernähren. In theuren Jahren muss er oft, bey aller Arbeit, mit den Seinigen hungern.”

Auch die besser entlohnten Arbeiter in den Hütten- und Hammerwerken und in den anderen Fabriken können “von ihrem hohen Lohne keine Nothpfennige erspaaren.” Im Müsener Revier liegt der Schichtlohn nochmals um einen Silbergroschen niedriger als im Siegener Revier. Deshalb sind die Familien darauf angewiesen, daß ihre Kinder, sobald sie dazu körperlich in der Lage sind, einer Arbeit nachgehen, die zumindest einigen Verdienst abwirft. Dies vor allem in einer Zeit, in der aufgrund der katastrophalen Mißernte von 1816 eine akute, noch im folgenden Jahr andauernde Hungersnot ausgelöst wird. Innerhalb von zwei Jahren verdoppelt sich im Siegerland der Preis für einen Scheffel Korn bei gleichbleibenden Löhnen: er steigt von 61 Silbergroschen (1815) über 109 (1816) auf 124 (1817), bevor er sich im folgenden Jahr wieder dem Ausgangsniveau nähert. Diese für viele prekäre Notlage unterstreicht nochmals die Notwendigkeit von Kinderarbeit.

Von den 104 schulpflichtigen Kindern in Müsen und Winterbach im Jahr 1817 arbeiten 34 vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein “bey den hiesigen Bergwerken”. Von morgens vier bis abends acht Uhr sind sie hier beschäftigt, an drei Nachmittagen haben sie frei. Insgesamt verfahren sie in einer Woche neun Schichten. Das bedeutet bei drei Arbeitstagen jeweils zwei sechsstündige Schichten hintereinander. Das Alter der arbeitenden Kinder reicht von sieben bis 14 Jahren. Ihre Kenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen werden vom Lehrer bei wenigen als “ziemlich”, bei den meisten als “schlecht” und bei einzelnen gar als “nicht” vorhanden eingestuft.

Der mangelhafte Schulbesuch in Müsen “wo die Schule hier mehr als an vielen anderen Orten versäumt wird”, ist vordergründig der Ausgangspunkt einer Diskussion. Ziel ist es, den arbeitenden Kindern Schulunterricht zukommen zu lassen, ohne daß den Familien der geringe Verdienst aus der Kinderarbeit verlustig geht und ohne daß die Gewerken auf billige Arbeitskräfte verzichten mussten.  Vorschläge sahen vor, eine zeitliche und damit auch räumliche Trennung der schulpflichtigen Kinderarbeiter von den anderen Schülern vorzunehmen. Die Kinder sollten abends nach der Arbeit sowie an zwei freien Nachmittagen des Lehrers Kocher privat unterrichtet werden (das scheint schon vorher teilweise so praktiziert worden zu sein, wie aus einem Gutachten Lorsbachs hervorgeht). Die Kosten für den zusätzlichen Unterricht habe die Bergbehörde zu tragen. Ein anderer Vorschlag sieht vor, die Kinder morgens zu unterrichten, “ehe sie an die Arbeit gehen, weil ohnehin die Morgenszeit zum Lernen die beste ist, und die Kinder bey dem frühen Aufstehen des Morgens um 3 Uhr an den Sommer-Nachmittagen träge und schläfrig werden und die Eltern bey der Feldarbeit ihrer Hülfe bedürfen und sich bedienen möchten, was sich auch durch Zwangsmittel kaum verhindern ließe”.

Umfassender und ausgereifter sind die Überlegungen des Ferndorfer Pastors Achenbach, der sich als Anwalt der Eltern versteht. Er macht darauf aufmerksam, daß es diesen weder am “guten Willen” noch an der “Einsicht” fehle, ihre Kinder zur Schule zu schicken, wie ein abgelehnter Vorschlag der Bergleute an die Gewerken belege. Darin baten diese, ihren Lohn um einige Kreuzer anzuheben, damit sie ihrer Pflicht genügen könnten, den Schulbesuch ihrer Kinder ganzjährig zu gewährleisten. Die Ablehnung hängt offensichtlich mit einem Mangel an Arbeitskräften im Müsener Bergrevier zusammen.

Achenbach schlägt eine Beschränkung der Arbeitszeit vor, um so einen größeren Freiraum für den Schulunterricht zu schaffen. An vier Wochentagen solle die Arbeitszeit mittags um zwölf Uhr enden. Anschließend hätten die auf den Bergwerken arbeitenden Kinder drei Stunden zu ihrer “nöthige(n) Ruhe und Erholung”, bevor sie dann an einem zweistündigen Unterricht teilnähmen. Woher das Geld für die Besoldung des Lehrers kommen solle, darüber schweigt sich Achenbach zwar aus, aber er verwahrt sich schon im voraus “dagegen, daß es den Aeltern aufgebürdet werde”.

Lorsbach verschiebt die Akzente: Wenn es möglich sei, drei Nachmittage für den Unterricht freizuhalten, dann doch gewiß auch morgens. Weitläufig spricht er sich für den morgendlichen Unterricht mit seinen Vorteilen wie ausgeruhte Schüler, empfängliches Gemüt, bessere Auffassungsgabe und schärfere Urteilskraft aus. Der Unterricht soll nach Lorsbach ab dienstags täglich erfolgen und für die neun- bis zwölfjährigen Schüler von fünf bis acht Uhr in der Frühe dauern. Anschließend sollen sie zur Arbeit gehen, die um neun Uhr beginnt. Mit dieser Regelung ist keine Reduzierung der Wochenarbeitszeit verbunden. Jüngere Schüler sollten dagegen von acht bis elf Uhr die Schule besuchen und erst nachmittags arbeiten, “weil ihre Körperschwäche in Betracht kommen muss”. Der Staat müssen den Eltern den Verdienstausfall ersetzen und zugleich für die Anstellung eines zweiten Lehrers sorgen.

Achenbach leitet die Gutachten ohne eine Stellungnahme an die Königliche Regierung in Arnsberg weiter. Diese spricht sich sowohl für eine Reduzierung der Kinderarbeitszeit als auch für den Vormittagsunterricht aus. Darüber hinaus fordert sie zur weiteren Abklärung, daß mit den Gewerken Kontakt aufgenommen und man sich der Mitarbeit des Königlichen Bergamts versichern solle. Für den Fall eines eingeschränkten morgendlichen Unterrichts schlägt die Behörde als Alternative die Zeit von sechs bis acht Uhr mit der Auflage vor, daß fehlende Stunden nachmittags nachgeholt werden. Die Bezahlung des Lehrers solle auf Kosten der Gewerkschaften gehen. Außerdem drängt sie auf einen Lektionsplan, der so beschaffen sei, “daß das Bedürfniß dieser Knaben zweckmäßige Befriedung findet”.

Der dann von Lehrer Kocher entworfene Unterrichtsplan orientiert sich an den traditionellen Inhalten des niederen Schulwesens und beschränkt sich auf das Nötigste wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Gesang und Religion. Über diese Minimalanforderungen hinaus reichen die Vorschläge des Müsener Pastors Wickel, der auch die “Realien” Naturgeschichte, Naturlehre, Geographie und Geschichte zu Unterrichtsgegenständen machen will, was aber nach seiner Meinung wegen fehlender elementarer Kenntnisse der Schüler noch nicht möglich sei.

Ein von Achenbach einige Wochen später mit Bergamtsdirektor Johann Christian Leberecht Schmidt (1788 – 1830) abgestimmter Bericht an die vorgesetzte Behörde geht von der Voraussetzung aus, daß die Kinder den Beruf des Bergmanns ergreifen werden. Ein Grund, noch entschiedener als der Müsener Geistliche für eine umfassende und berufsbezogene Bildung der Kinderarbeiter zu plädieren: “Der Bergmannstand bedarf einer vorzüglichen Bildung bey der Mannigfaltigkeit seiner Arbeiten, welche alle eine vielseitige Kenntniß selbst für den gemeinen Arbeiter verlangen”.

Solche Kenntnisse, etwa mineralogische, eigneten sich die Kinder schon während der Arbeit an. Hauptsächlich diese Überlegungen Achenbachs begründen die Ablehnung des Vorschlags des Oberbergamts Bonn, in Müsen eine weitere Schule, eine Berg-Elementarschule, einzurichten.

Unterrichtszeiten und Lehrgegenstände werden von Achenbach und Schmidt so festgelegt, daß der Verdienst der Kinder und ihre Vorbereitung auf den künftigen Beruf gleichermaßen Berücksichtigung finden. Die Grubenbetriebe erführen keine Beeinträchtigungen, denn im Sommer beschränke sich der Unterricht auf die Zeit von morgens vier bis sechs Uhr, im Winter auf die frühen Abendstunden, von 17 bis 20 Uhr. In den privat erteilten Unterrichtsstunden solle Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion und Moral sowie geistliches und bergmännisches Liedgut vermittelt werden. Zudem hätten sich die oben aufgezählten Realien sowie die Anfangsgründe der Geometrie Berücksichtigung zu finden. Am Beispiel des Faches Geometrie wird deutlich, wie berufsbezogen der Unterricht der Bergknaben sein sollte, denn Kenntnisse der Geometrie ermöglichen die Anwendung der Markscheidekunde, also des bergmännischen Vermessungswesens. Achenbach und Schmidt sehen in einer allgemeineren und umfassenderen Bildung auch eine Möglichkeit für einen in engen Grenzen möglichen sozialen Aufstieg.

Die königliche Regierung heißt die unterbreiteten Vorschläge weitgehend gut, mißbilligt aber die frühen Lehrstunden, in denen die Kinder “zu geistigen Arbeiten nicht aufgelegt sind” und empfiehlt beim Bergamt darauf zu dringen, daß ein Teil der Kinder nur morgens, der andere nur nachmittags seiner Arbeit nachgehe und die freie Zeit dem Schulunterricht gewidmet werde.

Dieser Vorschlag stößt wegen der damit verbundenen Arbeitszeitverkürzung offenbar auf keine Resonanz, zumal die Bergbehörde im Besitz des größten Anteils der Kuxen (Anteilsscheine) am Müsener Stahlberg ist und dadurch in einen Interessenkonflikt gerät.

Im Mai 1818 genehmigt nach Plaum (siehe Literaturangaben) die Regierung in Arnsberg nachträglich den schon seit einem Monat laufenden Privatunterricht für die Kinder auf den Grubenhalden. Die ältere Literatur (vgl. dazu Von Kindelsberg und Martinshardt (Anm. 12), 208, darauf aufbauend Heinrich Strack: Die ehemalige Berg-(Elementar) Schule in Müsen. In: Siegerländer Heimatkalender 13 (1932), 77-83, und Setzer, Wo die Müsener lesen, schreiben und rechnen lernten (Anm. 9), 124, und auch nicht im Jahr 1819, wie Rainer Fischbach glaubt: Siegerländer Fabrikschulen im 19. Jahrhundert, in: Unser Heimatland 53 (1985), 59-62) oder auch neuere für Hilchenbach relevante Literatur (Wirtschaftsgeschichte des Hilchenbacher Raumes von Friedrich-Wilhelm Henning, 1987, S. 168 – siehe Quellenangaben) behauptet, daß die Datierung des Schulbeginns im Jahre 1808 liegt. Auch die Bergbehörde zeigt Entgegenkommen, indem sie nicht mehr auf den allzu frühen Unterrichtsstunden beharrt, die nunmehr im Sommer täglich morgens zwischen 6 und 8 Uhr und im Winter nachmittags von 16 bis 18 Uhr stattfinden und vom Ortslehrer zusätzlich erteilt werden. Etwa 10 Jahre später findet der Unterricht nur noch nachmittags statt. Bei der Besoldung des Lehrers zweigt die Behörde für den zusätzlich erteilten Unterricht 100 Reichstaler aus dem Etat der Königlichen Bergschule ab. Die Schule unterscheidet sich damit nur durch die geringere Anzahl von Unterrichtsstunden von der örtlichen Elementarschule.

Mangelhafte Religionskenntnisse werden zum ausschlaggebenden Argument für die überhastete Einrichtung der Schule. Mit einem gegenüber den Planungen deutlich reduzierten Unterrichtsangebot entspricht sie in dieser Form den Vorschlägen des Oberbergamts in Bonn. Damit geben sowohl Wickel als auch Achenbach ihre ursprünglich angestrebte Einbindung der Realien in das Fächerangebot auf. Sie bemühen sich nicht mehr um eine Reform und finden auch keinen Nachfolger für diese Gedanken.

Die weitere Geschichte der Bergelementarschule in Müsen bis 1838, als sie erneut Gegenstand intensiver Überlegungen wird, ist schnell erzählt. Die Zahl der Schüler nimmt ständig zu. Acht Jahre nach ihrer Gründung besuchen fast doppelt so viele acht- bis vierzehnjährige Kinder den Unterricht, der nunmehr nicht mehr morgens, sondern, sommers wie winters, nach einer achtstündigen Schicht, nachmittags erteilt wird. Die Umstellung erfolgt aus ökonomischen Gesichtspunkten weil die frühen Unterrichtsstunden Arbeitsproduktivität und Arbeitsablauf beeinträchtigen. Der Müsener Geistliche Johann Thomas Stähler (1800 – 1873) kritisiert 1838 die Praxis, als er die Folgen wie Trägheit, Abspannung, Begriffs- und Auffassungsschwäche der Kinder hervorhebt, da sie sich nachmittags “kaum des sein Recht fordernden Schlafes erwehren” könnten. Die pädagogischen Bemühungen würden so außer Kraft gesetzt. Die Schulversäumnisse nähmen wieder zu. Grund seien Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit der Eltern, die Einbindung der Kinder in die häusliche Ökonomie, die häufigen Krankheiten und darauf, daß einige Steiger die Kinder während der Zeit des Schulunterrichts weiter beschäftigten.

Im gleichen Jahr beabsichtigt die Königliche Bergbehörde die “Hebung und Ausdehnung der hiesigen Bergelementarschule”. Dabei spielen handfeste Eigeninteressen eine wesentliche Rolle. Schon in den Jahren zuvor hatte sich der Bergbau im Müsener Revier beträchtlich ausgeweitet und 1836 wurde auf der Grube Stahlberg ein neues Pochwerk zur Zerkleinerung der abgebauten Erze eingerichtet. Für die im Übertagebetrieb anfallenden Arbeiten suchen die Gewerkschaften deshalb “75 Kinder beiderlei Geschlechtes vom 12. Lebensjahre an” und bieten ihnen guten Lohn, Verpflegung, einen “gediegenem besonderen Schulunterricht” und, um möglichen gesundheitlichen Schäden vorzubeugen, vierteljährliche Untersuchungen durch den Kreismedikus an. Für die Festlegung des Mindestalters für Kinderarbeiter in Müsen steht offenbar die schon über ein Jahrzehnt in Siegen praktizierte Regelung Pate. Damit gestehen die Gewerken freiwillig weit mehr Kinderschutz zu als ihnen abgefordert wurde. Erlaubt war ein zwei Jahre früherer Berufseintritt und von regelmäßiger medizinischer Versorgung der Fabrikkinder ist keine Rede.

Der technisch-ökonomische Wandel im Bergbau erfordert wegen des vorhandenen und weiterhin absehbaren Arbeitskräftemangels die Mitarbeit der Kinder aus Müsen, aus Littfeld und aus Ernsdorf bei der Erzaufbereitung. Ohnehin ist der in den letzten Jahrzehnten erteilte Elementarunterricht der Bergkinder so “dürftig und ungenügend” gewesen, daß er zeitgemäßen Anforderungen keineswegs gerecht wurde und die in ihn gesetzten Hoffnungen auf einen gut ausgebildeten Arbeiterstand sowie auf qualifizierte Steiger und Werkmeister nicht erfüllt hat. Um dennoch dieses Ziel zu erreichen, strebt die Bergbehörde eine “gänzliche Reform” dieser Einrichtung an.

Bergamtsdirektor Karl Ludwig Heusler (1790-1851) greift offensichtlich ein Anliegen Lorsbachs von 1817 auf und macht den Vorschlag, für die Bergelementarschule in Müsen eigens einen Lehrer einzustellen. Dieser soll nicht nur den schulpflichtigen Kinderarbeitern, sondern auch allen bereits aus der Schule Entlassenen weiterhin Unterricht erteilen. Die im Bergbau tätigen Kinder und Jugendlichen sollen auch “Elemente der Geometrie und freyess Hand- und Linearzeichnen” vermittelt bekommen. Anders als 1817 wird nunmehr der Unterricht in den Realien zeitlich und räumlich vom traditionellen Unterricht getrennt und die berufliche Fortbildung in den weiteren bergmännischen Ausbildungsweg eingebunden. Diskutiert wird jetzt auch die Einrichtung einer Gewerblichen Sonntagsschule und, auf dieser aufbauend, die Rekrutierung von bereits hinreichend qualifiziertem Nachwuchs für die Siegener Bergschule. Die königliche Bergamtskasse und die Gewerken sollen den Hauptanteil der Besoldung des zweiten Müsener Lehrers wie auch die zusätzlichen Honorare für die Ortslehrer in Littfeld und Ernsdorf von insgesamt 220 Reichstaler bestreiten. Hinzu kommen Anteile von den Überschüssen aus der sogenannten Weinkaufgelderkasse und aus der Knappschaftskasse. Anläßlich der monatlichen Erzverkäufe in Müsen zahlten die Käufer pro Zentner einen Aufschlag von 1-3 Silbergroschen, das sogenannte Weinkaufgeld. Davon wurden die Ausgaben für Nahrung und Getränke am Verkaufstag bestritten. Überschüsse kamen in den Fond, der unter der Aufsicht der Bergbehörde stand.

Die Gewerken, Knappschaftsältesten und Steiger des Müsener Bergreviers billigen ebenso wie der Bürgermeister und die Lehrer der beteiligten Ortschaften Heuslers Überlegungen

Trotz allseitiger Billigung scheitert die Umsetzung der Pläne an der Bereitstellung der finanziellen Mittel und an einem geeigneten Lehrer. Erst im Frühjahr 1846 liegt nach langwierigen Verhandlungen ein neuer Finanzierungsplan vor. Neben Geldern aus der Bergamtskasse, von den Gewerkschaften der Gruben Stahlberg und Heinrichssegen, aus der Knappschaftskasse, von Zinsen aus Staatsschuldscheinen (die Überschüsse aus den Weinkaufgeldern waren offensichtlich in Staatsschuldscheinen angelegt, die daraus stammenden Zinsen werden nun teilweise in die Finanzierung eingebracht) beteiligt sich die Gemeinde Müsen mit einer namhaften Summe an der Finanzierung. Sie knüpft daran aber die Bedingung, der anzustellende Lehrer müsse zugleich an der Elementarschule Müsens unterrichten. Dieser Vorschlag findet die Zustimmung der vorgesetzten Behörde, die sich jedoch gegen den Plan ausspricht, den zweiten Lehrer an einem Morgen fünf Stunden (2 ½ Stunden Bergelementarschule und anschließend 2 ½ Stunden reguläre Schule) unterrichten zu lassen. Dies sei “unausführbar; will der Lehrer seine Pflicht thun, so reibt er sich dabei in kurzer Zeit auf – oder er treibt sein Geschäft mechanisch zum Nachtheil der Schule”. Die Regierung schlägt stattdessen eine mehrstündige Pause zwischen den beiden Unterrichtszeiten vor.

Mit der Einrichtung einer eigenen Bergschule auf dem Gelände der Grube Stahlberg und der kommissarischen Anstellung von Lehrer Helmes wird der Unterricht am 18. August 1846 aufgenommen. Von 150 schulpflichtigen Müsener Kindern geht zeitweise die Hälfte, nach dem morgendlichen dreistündigen Unterricht, auf den Bergehalden arbeiten. Der Unterrichtsstoff weicht von dem der regulären Volksschule nicht ab. Im gesamten Bergrevier Müsen sind in dem Zeitraum von 1853 bis 1865 jährlich etwa 120 Kinder im Übertagebetrieb beschäftigt. Es sind damit auch die Voraussetzungen für die gewerbliche Sonntagsschule erfüllt, die in den folgenden Jahren mit einigem Erfolg besucht wird. Ihr Hauptzweck ist die Ausbildung tüchtiger Grubensteiger. 1864 soll keine gewerbliche Fortbildungsschule mehr in Müsen bestehen.

Mit der Aufhebung des staatlichen Direktionsprizips im Bergbau und dem Rückzug des Fiskus als “Gewerke” im Müsener Revier in den 1850er Jahren läßt auch das Interesse der übrigen Gewerken an der Bergelementarschule langsam nach. Obgleich der 1856 gegründete Cöln-Müsener Bergwerks-Actien-Verein, der noch im gleichen Jahr in den Besitz von insgesamt fünf Sechstel der gesamten Bergwerksanteile gelangt, weiterhin die Bergelementarschule mitfinanziert, so zeichnet sich doch mit der Einführung der Kommunal-Einkommensteuer in Müsen ein Umdenken ab. Die Erhebung dieser Steuer geschieht in der Absicht, auch die in “der Gemeinde befindlichen gewerblichen Anstalten zur Theilnahme an den Gemeindelasten zu zwingen”. 1864 gibt die Stahlberger Gewerkschaft zu erkennen, daß ihrerseits kein Interesse mehr an der Schule bestehe und die noch beschäftigten zwölf Scheidekinder durch andere Arbeitskräfte ersetzt werden könnten.

Ein Jahr später werden die Ankündigungen wahr. Die beiden Gewerkschaften verweigern mit dem Hinweis auf die Kommunal-Einkommensteuer ihre jährlichen Beiträge zur Finanzierung der zweiten Lehrerstelle und die Stahlberger Gewerkschaft verlangt nunmehr für die Nutzung des Schulgebäudes eine monatliche Miete von 8 Talern. Das lehnt die Gemeinde ab.

Damit ist das Ende der Bergelementarschule in ihrer ursprünglichen Gorm und unter der Aufsicht der Bergbehörde besiegelt. Die Schule zieht bis zur Fertigstellung eines neuen Quartiers in ein Privatgebäude um. Andere Grubengewerkschaften zahlen für die bei ihnen beschäftigten Kinder pro Kopf einen jährlichen Betrag von vier Talern. Dadurch wird die Finanzierungslücke ausgeglichen und der weitere Schulbetrieb für die Scheidekinder im üblichen zeitlichen Umfang und zu den gewohnten Stunden beibehalten. Noch 1877 besuchen 30 schulpflichtige Kinder vor ihrer Arbeitszeit den dreistündigen Schulunterricht.

Kinderarbeit mit begleitendem Schulunterricht wie in Müsen ist im Siegerland kein Einzelfall. Aber nirgendwo ist der Anteil der Kinderarbeiter an den schulpflichtigen Kindern so hoch wie in Müsen.

1877 wurde die Bergelementarschule aufgehoben. Die Kinderarbeit wurde eingeschränkt, die Kinder besuchten jetzt die  normale Volksschule in Müsen.

Die katholische Elementarschule in Keppel und ihr Weg von einer privaten zu einer öffentlichen Schule

Basis des Schulsystems war wie dargestellt die Volksschule. Durch die bessere Ausbildung  der Lehrer und durch eine bessere Schulaufsicht konnte sie ihre Aufgaben wirkungsvoller wahrnehmen. Da die Volksschulen noch unter der Obhut der Kirchen standen, war mit dem Wachstum des industriellen Teilraumes  (Allenbach, Dahlbruch, Müsen) in Keppel eine katholische Volksschule eingerichtet worden. Da nach 1846 die reformierte Gemeinde in ihre neu errichtete Hilchenbacher Stadtkirche einziehen konnte und die übergangsweise genutzte Stiftskirche Keppel somit den Katholiken zum alleinigen Gebrauch überlassen blieb, erkannten diese die günstige Gelegenheit, sich in der Domäne Keppel nach ihren Bedürfnissen einzurichten. Es wurde eine  katholische Elementarschule in Keppel eingerichtet, für die man Unterrichtsräume benötigte. Daß der katholischen Gemeinde die Stiftskirche und die anderen Räumlichkeiten jedoch "lediglich gnadenweise" und "in jedem Augenblick widerruflich" überlassen worden seien, wurde von staatlicher Seite immer wieder betont (siehe die nebenstehende Abbildung vom Stift Keppel aus dem Jahr 2001). Jeglichem Rechtsanspruch, auch bei gewohnheitsmäßigem Andauern der Nutzung, war damit der Boden entzogen. Dieser Zustand der Duldung ließ sich jederzeit durch Androhung der Aufkündigung zur Disziplinierung einsetzen. Kaum zehn Jahre dauerte die alleinige Nutzung der Stiftskirche für die Katholiken. 1856 ließ man die

Bild 27 - Stift Keppel in einer Abbildung im April 2001

stiftische Simultantradition (siehe Site zur Geschichte Hilchenbachs) erneut aufleben,  indem die Kirche, außer den Katholiken auch wieder der evangelischen Bevölkerung als  Gottedienstraum zugänglich gemacht wurde. Auch zeichnete sich in den 1860er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Rückbestimmung auf die ehemals ideelle Zweckbestimmung Stift Keppels als Anstalt höherer Töchterbildung ab. 1871 sah sich der Staat in der Verpflichtung, in den Räumen des Stifts eine qualifizierte Bildungsstätte als "Asyl für verwaiste Töchter des verdienten Offiziersadels" einzurichten. Spätestens  von nun an erfuhr die katholische Gemeinde eine zunehmende Einengung ihrer Entfaltungsmöglichkeiten im Stift.

Als am 3. Februar 1854 vom Kirchenvorstand der katholischen Missionspfarrei die Einrichtung  einer Schulstube auf der sogenannten Nonnenempore der Stiftskirche bei der Regierung in Arnsberg beantragt wurde, erfuhr diese offensichtlich hierdurch überhaupt zum ersten Male, daß eine dem katholischen Missionsgeistlichen zugebilligte private Elementarschule ihren Unterricht in den Räumen des Stifts abhielt. Hierüber mit Befremden befragt, erklärte der Missionspfarrer Mönnichs am 17.  April desselben Jahres: "Als ich vor fast vier Jahren hierher kam, fand ich eine Schule im Stiftsgebäude vor, indem ein Pächter dem zeitigen Geistlichen eine wenig benutzte Stube zur Schule  überließ. Nachdem ich den Consens der Königl. Regierung zur Fortführung der hiesigen Privatschule erlangt hatte, benutzte ich ein Zimmer in der mir überwiesenen Amtswohnung zur  Schule; wenn also eine königliche Regierung sagt, daß mir die Wohnung nur zu meinem Privatgebrauch überlassen sei, so darf ich auf eine geehrte Anfrage gehorsamst erwidern, daß ich die Wohnung auch nur zu meinem Privatgebrauch benutze". Auffällig war schon 1848 bei der Ordinierung des ersten ständigen katholischen Geistlichen Friedrich Theodor Ries, daß die  "Dienstwohnung" unverhältnismäßig groß war: Fünf Zimmer, Küche und eine Rauchkammer im Südflügel, Gartenanteil und Keller. Später sollte die Wohnung noch auf neun Zimmer mit Fremden-Schlafzimmern erweitert werden.

Welcher Art war nun diese Schule in stiftischen Mauern und für wen war sie eingerichtet worden? Zunächst verstand sich diese Einrichtung als Elementarschule und war auf die Unterrichtung der  grundlegenden Kulturtechniken ausgerichtet. Hinzu kam die religiöse Unterweisung. Von der Bevölkerung wurde sie als "Meckes-(Mäckes-)schule bezeichnet. Zu den "Meckesern" rechnete  man jene Bevölkerungsgruppe, die zu den Unvermögenden zählte und in der Regel nicht seßhaft war (früher von den Bewohnern des Siegerlandes scharf geschiedene Klasse von Leuten, die den Zigeunern nahestand, nur halbseßhaft ohne festen Wohnsitz war und die die zumeist vom Korbflechten, Verkauf von Irdenwaren und dergleichen, Hausieren, Betteln oder Stehlen lebte -  weitere Begriffsdefinition siehe Fußnote mit Quellenangaben) oder - wenn doch mit festem Wohnsitz - beruflich als Hausierer mit Karren- und Kiepengewerbe vagabundierte. Landarme, häufig schon als Kinder und Jugendliche ohne geregeltes Lohnverhältnis in Familien aufgenommen und zur Haus- und Hofarbeit eingesetzt (mithin Menschen die nicht zu den angestammten Siegerländern zählten), Knechte und Mägde aus der Fremde (wobei mit den jungen Frauen nicht selten die unehelichen Gesindekinder kamen), mit der aufkommenden Industrie vermehrt auftretende Tagelöhner und Fremdarbeiter - alle boten aufgrund des Standes, der Herkunft und der Konfessionsverschiedenheit Anlass zur gesellschaftlichen Ausgrenzung.  Offensichtlich wurde eine Schule für jene Fremden, die so schimpflich als "Meckeser" bezeichnet wurden, genutzt. Von der Kirche wurde offensichtlich der Bildungsauftrag der katholischen Diaspora-Gemeinde, die sich Missionspfarrei nannte,  in der Sammlung eben jener Minderheit für nötig erachtet, die im festgefügten religiösen Raum der Einheimischen keinen Platz fand. Dabei gab es durch aus im mittleren Ferndorftal in der  Nachbarschaft zum Stift schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Allenbach und in Dahlbruch einklassige Elementarschulen. Sicherlich war damals Katholischsein nicht einfach gleichzusetzen mit  der Zugehörigkeit zu den "Meckesern", da auch in der katholischen Elementarschule ein nicht unwesentlicher Schuleranteil aus ansässigen und erwerbsgesicherten Siegerländer Familien stammte. Doch ist es nichts Ungewöhnliches, daß der Ruf einer Schule gerade durch eine Minderheit, wenn sie nur auffällig genug hervortritt, geprägt wird. Die Katholiken waren ihrerseits selbst eine Minderheit und als Ausnahmeerscheinung leicht mit einer abwertenden, pauschalen Etikettierung bedacht.

Die Initiative zur Gründung jener privaten katholischen Elementarschule geht auf den ersten  Missionspfarrer Ries zurück. Um die Kosten für die Lehrerbesoldung aufbringen zu können, unternahm der Priester eine Bettelpredigtreise, die beachtliche 642 Taler einbrachte. Weitere 41 Taler sammelte der Gewerke Schmitz und die Frau des Assessors Dingerkus. Da die Zinsen dieser Summe nicht ausreichten, richtete der Kirchenvorstand ein Bittgesuch an den Bonifatiusverein.  Diesem Gesuch wurde stattgegeben mit der Zusage einer jährlichen Unterstützung von 100 Talern, so daß nunmehr eine Jahresbesoldung von 125 Talern für den Lehrer, der zugleich für den Küster-  und Orgeldienst verpflichtet wurde, sichergestellt war. Große Freude geht aus der Niederschrift des Pfarrers vom 15. Juni 1850 hervor: " Der Widerwärtigkeiten hat es seither in der hiesigen Missionspfarrei recht viele gegeben, allein an freudigen Ereignissen hat es auch nicht gefehlt. Noch der heutige Tag brachte uns eine der größten, indem heute nach Abhaltung der Heilig-Geist-Messe  hier eine katholische Elementarschule eröffnet wurde." Wie sehr ihm die Schule am Herzen lag, zeigt ein Schreiben, das Pfarrer Ries noch vom Sterbebett aus - aufgerieben durch seine unermüdliche Tätigkeit hatte er im August 1850 einen Blutsturz erlitten - an den Kirchenvorstand richtete und darin mitteilte, daß sein Freund Voß in Himmelpforten ihm 15 Taler übergeben habe, so daß nun  das nötige Holz gekauft werdn möge, damit die "armen nackten Kinder sich im Winter erwärmen könnten".

Mit 25 Kindern war die Schule eröffnet worden. Von diesen kamen 14 aus weiterer Entfernung wie Buschhütten, Ferndorf, Krombach, Hilchenbach und Helberhausen. Für sie musste Mittagessen und entsprechende Kleidung, sowie Lernmittel durch den Pfarrer zur Verfügung gestellt werdn, da die Eltern nicht dazu in der Lage waren.

Zunächst fand die Unterrichtung der Kinder in den Privaträumen des im Stift wohnenden  katholischen Geistlichen statt. Die Pächter des Stifts ließen auch zeitweilig die Mitbenutzung des Stiftssaales zu. Er war nicht nur der größte Raum in Hauptgebäude, sonder hier waren auch Tische  und Bänke vorhanden, diente doch damals der ehrwürdige Konventsaal verschiedenen Zwecken, etwa als Kneipe und Probenlokal für die Hilchenbacher Liedertafel. Morgens war der Saal frei für die Schulkinder. Die Pächter beklagten sich allerdings bald über fortwährende Unruhe, beschädigte Lampen, zerbrochene Fensterscheiben, zertrampelte Gärten und Beschmutzungen im Stiftsgebäude. Durch solche Beschwerden, wie sie hier über die katholische Elementarschule in Keppel vorgebracht wurden, mochte sich mancher bestätigt sehen, der schon immer Vorbehalte gegen eine Schule gehegt hatte, die sich mit "verwahrlosten Mäckeskindern" abgab. Hierzu gehörte auch der Amtman von Keppel, in dessen Person der Schule ein Gegner erstanden war. Daher sollte unter dem Nachfolger Mönnichs die Schule nicht ohne große Schwierigkeit fortgesetzt werden können. Amtmann Julius Kocher reichte an den Landrat in Siegen eine Beschwerde ein, daß die Schule nicht  ordnungsmäßig geführt werde, daß die Kinder der sogenannten Meckeser sehr häufig der Schule fernbliebn, ohne daß sie ihn zur Bestrafung gemeldet würden. 1852 holte der Eiferer zu einen erneuten Schlag aus. Der erste Lehrer hatte 1850 eine feste Anstellung im Rheinland gefunden. Als Nachfolger hatte Pfarrer Engelbert Mönnichs den examinierten Schulamtsbewerber Tillmann Decker aus Herzhausen als seinen Stellvertreter eingestellt, ohne eine besondere Genehmigung eingeholt zu haben. Hierzu glaubte er sich berechtigt, weil der Lehrer unter seiner Aufsicht  unterrichtete. Nchdem Decker fast zwei Jahre tätig war, meldete der Amtmann diese Anstellung an die Regierung. Umgehend erhielt Mönnichs von der Regierung die Aufforderung, Decker  unverzüglich wegen "Unfähigkeit" zu entlassen und machte die Auflage, selbst den gesamten Schulunterricht zu erteilen oder die Schule aufzulösen. Der Hinweis Mönnichs, daß er die Aufsicht  führe, zumal die Schule sich in seiner Wohnung befinde und im übrigen an sechs Schulen im Siegerland auf entlegenen Dörfern ebenfalls nur Schulamtsbewerber tätig seien, wurde von der  Regierung mit der Wiederholung ihres Erlasses beantwortet. Decker musste entlassen werden und erhielt trotz seiner "Unfähigkeit" kurz darauf von der Regierung an einer doppelt so großen Schule als selbständiger Lehrer eine Anstellung. Alle Bemühungen Mönnichs, die Genehmigung für die Einstellung eines andern Lehrers zu erhalten, blieben erfolglos, so daß er fast zwei Jahre neben seiner Seelsorge den gesamten Unterricht erteilen musste. Welche Belastung das bedeutete, geht aus einem Schreiben an das Generalvikariat in Paderborn hervor, in welchem er berichtet, an eínem Tag frühmorgens zu einem zwei Stunden entfernt wohnenden Kranken gerufen worden zu sein, nachmittags nach dem Unterricht eine Stunde weit entfernt eine Beerdigung gehalten und abends  wieder eine Stunde weit einen anderen Versehgang gemacht zu haben.

Kurze Zeit darauf verlagete der Amtmann beim Landrat die Bestrafung Mönnichs, weil er für drei Tage unberechtigterweise Schulfrei gegeben habe und forderte die Überweisung zweier Kinder aus Buschhütten in eine Erziehungsanstalt, weil sie mehrfach die Schule versäumt hätten. Darauf  schaltete sich der Kreisschulrat ein, der dem Landrat folgendes Gutachten übersandte: "Mit Rücksicht auf die trefflichen Leistungen, welche bisher an der Privatschule Keppel wahrgenommen  wurden, erscheint die Freigabe von drei Tagen, die auf den Lokalverhältnissen beruht, gerechtfertigt. Es ist in der Tat bewundernswert, wenn man einer solchen Schule bei so wenig Unterrichtsstunden so Vortreffliches und Tüchtiges geleistet sieht, wenn sogar in einigen Lehrgegenständen mehr geleistet wird als in den besten Schulen des Bezirks. Solange Mönnichs diese Anerkennung verdient  und seine Leistungen so ausgezeichnet sind, dürften die geforderten Maßnahmen berechtigt sein."

Auf dieses Gutachten hin teilte der Landrat dem Keppler Amtmann mit, daß "die Versäumnis von drei Tagen keine Bestrafung der Kinder verlangt und die angezeigten Kinder auch nicht einer Erziehungsanstalt übergeben werden können. Außerdem sei zu berücksichtigen, daß die katholische  Schule eine schwierige Aufgabe hat, nämlich die zerstreut wohnenden und meistens ganz verkommenen Kinder der Meckeser so zu erziehen, daß sie nützliche Glieder der menschlichen  Gesellschaft werden. Die katholischen Kinder sind in den evangelischen Schulen nicht gerne gesehen und deshalb ist der Unterricht in einer katholischen Schule schon wegen der religiösen Erziehung besonders zu begrüßen.

Da Mönnichs den Urheber der Beschwerden sehr wohl kannte und auch für die Zukunft Befürchtungen hegte, bemühte er sich um den Erwerb eines Grundstücks für die Errichtung eines  eigenen Schulgebäudes. Der angeschriebenen Bonifatiusverein lehnte jedoch eine finanzielle Unterstützung unter Hinweis auf dringliche Aufgaben ab. Eine Regierungsverfügung im Jahre 1854,  welche den Fortbestand der Schule in Frage stellte, zeigte, wie recht Mönnichs geahnt hatte. Darin hieß es: "Die königliche Regierung hält es für unzulässig, in der Wohnung des Missionars, welche ihm im Stiftsgebäude überwiesen ist, Schulunterricht zu halten."

Zur gleichen Zeit wurde der Stiftsrentmeister angewiesen, den Schulunterricht zu unterbinden. Dieser teilte der Regierung mit, er habe den Missionar davon in Kenntnis gesetzt, die strenge Zucht, welche er handhabe, verdiene alles Lob und die Angelegenheit werde sich bald erledigen, da sich Mönnichs  um ein anderes Schullokal bemühe. Unter dem 27. November 1855 erhielten beide die Anweisung, innerhalb sechs Wochen für die Einstellung des Unterrichts im Stiftsgebäude Sorge zu tragen. Damit schien das Ende der Schule gekommen.

Selbst vom Generalvikariat war kein Rückhalt zu erwarten. Man unterstellte, daß er sicherlich selbst Anlaß zur Beschwerde gegeben habe. Wenn er die Mängel abstellte, dann werde die Kündigung schon zurückgenommen. Mittel zum Neubau wurden in Paderborn ausgeschlagen.

Dennoch ließ man sich in Keppel das Vorhaben nicht einfach ausreden. Nachdem die Kündigungsfrist auf Antrag auf drei Monate verlängert worden war, beschloß der Kirchenvorstand einen Neubau, kaufte ein Grundstück an der Wittgensteiner Straße und ließ einen Bauplan entwerfen. Nach Hin und Her mit dem Dombaumeister genehmigte die Bischöfliche Behörde den  Bau und erlaubte die Heranziehung des Schulfonds zu den Kosten.

Nachdem das Ziel erreicht war, beantragte Pfarrer Mönnichs die Erhebung der privaten Schule zu einer öffentlichen. Das Gutachten, das die Regierung beim Landrat anforderte, bescheinigte, daß die katholische Elementarschule im Amt Keppel zu den besseren Schulen des Bezirks gehöre.  Nachdem das Generalvikariat gestattet hatte, die Lehrerbesoldung von 125 auf 150 Taler aus er Kirchenkasse zu erhöhen, wurde am 15. Februar 1858 die ehemals katholische Privatschule zur öffentlichen Schule erhoben.

Anfang und Ende einer katholischen Bekenntnisschule

Förmlich erging die Erhebung am 9. September 1858. In den Schulbezirk wurden die Ortschaften Keppel, Allenbach, Haarhausen, Hilchenbach, Dahlbruch, Hillnhütten und Lohe (Kredenbach) einbezogen. Hierbei fällt auf, daß Müsen nicht zum Schulbezirk gehörte. Dieser Ort, wie auch die Stadt Hilchenbach, waren dann später Anlaß zu anhaltenden Unstimmigkeiten.

Die "Katholische Schulgemeinde in Keppel", wie der Zusammenschluß zum Schulbezirk der sieben Ortschaften offiziell hieß, hatte einen Schulvorstand, den der Amtmann des Amtes Hilchenbach (1914 in Amt Keppel umbenannt) und der jeweilige Pfarrer als geborene Mitglieder sowie weitere  gewählte Mitglieder aus den einzelnen Ortschaften angehörten. Der Schulvorstand beschloß im November 1868, die Kinder Weber und Leyener aus Maustal nur "begünstigenderweise" in die

Bild 28 - Stift Keppel in einer alten Ansicht von einer Ansichtskarte - genaues Datum unbekannt

katholische Schule aufzunehmen. Nach dem Verzeichnis vom 25. Mai 1870 besuchten aber schon acht Kinder, die nicht im Schulbezirk wohnten, die Schule, und zwar aus Maustal, Müsen,  Oberndorf, Vormwald und Junkernhees. Im Schuljahr 1873/74 hatte die Schule 29 Schüler; unter den acht Kindern außerhalb des Schulbezirks waren auch Schüler aus Ernsdorf und Langenau (heute Kreuztal).

Am 16. April 1972 wurde im Schulvorstand der Antrag auf Zuweisung katholischer Einwohner in Müsen zur Schulgemeinde Keppel gestellt. Die Einbeziehung Müsens in den Schulverband wurde  von der Regierung abgelehnt, obschon Kinder aus Müsen die Schule besuchten. Als Grund wurde zunächst ein 40-minütiger Schulweg angegeben; eine nicht stichhaltige Begründung, denn von Hilchenbach nach Keppel ist der Weg eher noch länger als kürzer.

Auf Gegenvorstellungen bestätigte die Regierung 1875 noch einmal ihre Ablehnung, nunmehr mit der Auffassung, daß die Schulen sich in ihren kommunalen Grenzen halten sollten. Davon war 1858 bei der Bildung der katholischen Schulsozietät nicht die Rede gewesen. Dieser seltsamen Einstellung  fügte die Regierung in ihrem Schreiben an den Landrat des Kreises Siegen noch an: "Übrigens wird sich gelegentlich sehr leicht erreichen lassen, daß auch die katholischen Eingesessenen aus Allenbach, Hilnhütten, Dahlbruch, Kredenbach, Haarhausen und Hilchenbach denjenigen Schulen wieder überweisen werden, welchen sie vor der unterm 9. September 1858 erfolgten Bildung des  Schulverbandes Keppel angehörten. Sie wollen diesen Gegenstand im Auge behalten und seiner Zeit in der angedeuteten Richtung verfolgen."

Nach mehr als 20 Jahren, nämlich 1896, wies Amtmann Gustav Fuß darauf hin, daß der Schulverband Keppel dadurch geschädigt würde, daß für die katholischen Schüler außerhalb des Schulverbandes von den Eltern ein geringeres Schulgeld gezahlt würde als von den im Schulbezirk wohnenden Eltern. Er schlug in einem Schreiben vom 27. Januar 1896 vor, daß alle katholischen  "Hausväter", so der geläufige Ausdruck in amtlichen Schreiben, in den Gemeinden des Amtes Hilchenbach der Katholischen Schule in Keppel zugewiesen werden müßten. Im Gegensatz zu 1875 war jetzt die Regierung geneigt, diesem Vorschlag zuzustimmen, behielt sich aber noch freie Hand vor. Nun aber wurde Amtmann Fuß damit konfrontiert, daß die kommunalen Gremien in Müsen und Helberhausen mit dem Schulbesuch ihrer katholischen Kinder in Keppel einverstanden waren, nicht aber die Eltern dieser Kinder. Dabei besuchten zu dieser Zeit sieben Kinder aus Müsen und  ein Kind aus Helberhausen die katholische Schule. Auf dem nicht zur Schulsozietät gehörenden Gebiet gab es 1896 die folgenden steuerzahlenden katholischen Familien: Hof Ginsberg 2, Helberhausen 3, Lützel 5, Oechelhausen und Ruckersfeld je 1 und in Müsen 7. Nach diesen negativen Voten der Eltern in Müsen und Helberhausen resignierte Amtmann Fuß und berichtete am  22. Februar 1898, daß er seinen Plan fallen lasse, das ganze Amt Hilchenbach mit seinen katholischen Familien dem Schulverband Keppel zuzuordnen.

Acht Jahre später, am 28. Juli 1906, erließ Preußen das Volksschulunterhaltungsgesetz, das bis zu den neuen Schulgesetzen in den ehemals preußischen Provinzen nach 1945 Geltung hatte. Demnach wurde der Schulverband Kath. Keppel gebildet, dem, wie zuvor, Allenbach, Haarhausen, Dahlbruch (Hillnhütten war inzwischen dort eingemeindet) und Kredenbach angehörten, nun aber  unter Einbeziehung von Müsen, aber unter Ausklammerung von Hilchenbach. Die bis dahin bestehende Schulsozietät, zu der noch Hilchenbach gehörte, war mit Bildung des Gesamtschulverbandes aufgelöst. Aus den Akten ist nicht deutlich zu entnehmen, ob es nur der Entschluß der Stadt Hilchenbach war, dem Schulverband Kath. Keppel nicht anzugehören oder ob auch die Arnsberger Regierung bei Bildung des Schulverbandes bereits in diese Richtung tendierte. In späteren Jahren kam aus Arnsberg jedenfalls die kathegorische Ablehnung, die Stadt  Hilchenbach in den Schulverband aufzunehmen. Eine Begründung findet sich nicht. Die nachfolgenden Jahre zeigten aber, daß die Ausklammerung der Stadt ein kardinaler Fehler war. Schwierigkeiten beim Neubau der katholischen Schule und der ständige Streit um das von Hilchenbach für die katholischen Kinder an den Keppeler Schulverband zu zahlende Gastschulgeld wären vermeidbar gewesen.

Im November 1888 befand der Landrat von Siegen, daß der Schulsaal in dem 1856 eingeweihten Schulgebäude an der Wittgensteiner Straße zu eng sei. Der Schulsaal sollte unter Einbeziehung des Lehrerraumes vergrößert und das Gebäude für eine Lehrerwohnung aufgestockt werden. Der Zimmermann riet aber zum Neubau eines Lehrerwohnhauses. Diesem Rat folgte der Schulvorstand. Das Haus, das heute die Bezeichnung Sieben Eichen 1 hat, wurde mit Baugenehmigung vom 12. Mai 1890 an der Wittgensteiner Straße gebaut.

Wenn auch auf diese Weise der Schulsaal vergrößert werden konnte, so war dem Schulvorstand schon seit längerem klar, daß der Bau eines neuen Schulgebäudes nicht zu umgehen war. Schon im Oktober 1885 wurde ein Fonds zum Neubau gegründet. Zur Ausführung kam der Schulhausbau mit Lehrerwohnung aber erst in den Jahren 1910/11. Die Nichtmitgliedschaft der Stadt Hilchenbach im Schulverband nahm dieser zum Anlaß´, im Juli 1909 zwar grundsätzlich dem Neubau zuzustimmen, aber nur zu der Bedingung, daß Hilchenbach dem Schulverband beitritt und damit an seinen Lasten teilnimmt. Einen Monat später erschien Regierungsrat Dr. Koch als Kommissar der Regierung, um den Verband von seiner Bedingung abzubringen. Jedoch die Vertreter von Allenbach, Haarhausen und Kredenbach beharrten auf der Bedingung eines Beitritts von Hilchenbach, und so wurde der Neubau der Schule mit 6:4 Stimmen knapp beschlossen.

Die neue Schule wurde auf einem Grundstück der katholischen Pfarrgemeinde westlich der Kirche errichtet, ein Grundstück, das Pastor Joseph Hammeke vorsorglich erworben hatte. Da der Neubau auch eine integrierte Lehrerwohnung vorsah, wurde das 1890 gebaute Lehrerwohnhaus versteigert.

Am 16. Oktober 1911 erfolgte nach einem morgendlichen Hochamt die kirchliche Weihe des neuen Schulhauses. Am Nachmittag zogen die Kinder von der alten zur neuen Schule.

Die Kleinkinder-Schule

Die in Hilchenbach errichtete "Kleinkinder-Schule" hatte 1897/98  60 Kinder. In späteren Verwaltungsberichten wurde diese Schule jedoch nicht mehr aufgeführt. Sie hat wohl nicht lange bestanden.

Erneute Änderung weiter Teile der Schullandschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Im Jahr 2003 wurde nach jahrelangem Ringen durch die Elternschaft die Hilchenbacher Realschule gegründet. Sie erhielt erst am 23. Februar 2005 nach umfangreichen Diskussionen den Namen “Carl-Kraemer-Realschule”. Zuvor mussten die Hilchenbacher Kinder nach Erndtebrück oder nach Kreuztal fahren, wenn sie die Realschule besuchen mussten. Dafür gab es im Stadtgebiet zwei Hauptschulen (Wilhelm-von-Oranien-Hauptschule in Alt-Hilchenbach und die Adolf-Reichwein-Hauptschule in Dahlbruch) und zwei Gymnasien (Jung-Stilling-Gymnasium in Alt-Hilchenbach und das Stift Keppel in Allenbach). Die Schulgründung im Jahr 2003 würfelte die Hilchenbacher Schullandschaft fast komplett durcheinander. Die Realschule begann mit der 5. Klasse in den Gebäuden der Wilhelm-von-Oranien-Hauptschule. Jahr um Jahr kam ein Jahrgang dazu während die Hauptschule Jahr für Jahr um einen Jahrgang schrumpfte um im Jahr 2006 komplett nach Dahlbruch in die Räumlichkeiten der Adolf-Reichwein-Hauptschule einzuziehen.

Im Sommer des Jahres 2008, als die Realschule erstmalig die 5. bis 10 Klasse umfasst, zieht sie schon wieder um, wenn auch nur einige 100 Meter. Sie belegt nun die renovierten Räume der durch den Umzug der Gymnasiasten des städtischen Jung-Stilling-Gymnasiums freigewordenen Schule, die im Jahr 2008 den letzten Abiturjahrgang verzeichnet. Alle Gymnasiasten besuchen nun ab dem Sommer 2008 das Stift Keppel in Allenbach, das für den Zugang an Schülern eigens erweitert wurde. Das Jung-Stilling-Gymnasium wurde bereits in den Jahren zuvor jeweils um den nicht mehr in Klasse 5 eingeschulten Jahrgang, um den Abiturjahrgang und um die Schüler, die von der 6. in die 7. Klasse (wegen der dazukommenden 2. Sprache) bzw. von der 10. in die 11. Klasse (Oberstufe) versetzt wurden dezimiert.

In das im Sommer 2008 freigewordene Gebäude der 1957 erbauten ehemaligen Stadtschule, Wilhelm-von-Oranien-Hauptschule bzw. Carl-Kraemer-Realschule zieht nun im Sommer 2008 die Florenburg-Grundschule ein. Dabei hatten sie sich es gerade erst in der alten Schule sehr gut eingerichtet. Gebäude und Schulhof waren in vielen Stunden freiwilliger Arbeit insbesondere durch die Eltern zu einem Schmuckkästchen und zu einer öffentlich ausgezeichneten Schule für die Grundschüler geworden. Da die ehemalige Wilhelm-von-Oranien-Hauptschule Platz genug für alle Grundschüler bietet, wird die Zweigniederlassung der Grundschule in Helberhausen ebenfalls 2008 aufgegeben.

Der gesamte Umstrukturierungsprozeß war äußerst nebulös und führte zu einer erheblichen Verstimmung innerhalb der Eltern-, Schüler- und Lehrerschaft, hatte man doch zuvor weder Eltern noch Lehrer über die jeweils geplanten Veränderungen unterrichtet. Sie wurden schlicht durch die örtliche Presse informiert und nicht durch die Stadtverwaltung bzw. Schulaufsicht. Auch wurden sie nicht an dem Prozess beteiligt, der nach Ansicht vieler demokratischer hätte ablaufen müssen.

 

 

 

Quellenangaben - Begriffsdefinition

Zahlreiche Informationen “aus erster Hand” wurden dem Werk von Pastor Dr. Hermann Müller, “Florenburgs Schulen”, Ihre Geschichte, dargestellt nach den vorhandenen Unterlagen, Selbstverlag der Evangelischen Kirchengemeinde Hilchenbach, 1957. Pastor Dr. Hermann Müller war Pastor der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde und wollte eigentlich ein Werk über “Florenburgs Kirche” schreiben. Florenburg war der von Jung-Stilling verwendete Name für Hilchenbach. Bei Sichtung des reichlich vorhandenen Urkundenmaterials, das in dem Hilchenbacher Kirchenarchiv der ev.-ref. Gemeinde vorlag und das zum großen Teil noch aus den Zeiten der einstigen geistlichen Schulinspektion vorlag, wurde es ihm zunehmend zu einem inneren Zwang, dieses der Öffentlichkeit, insbesondere den Lehrern und Schulgemeinden bekanntzumachen. Bestärkt wurde er dadurch, daß er bei Durchsicht der in den einzelnen Schulen vorhandenen Schulchroniken entdeckte, wie wenig über die Anfangszeiten der Schulen überhaupt dort noch bekannt war. Einige Chroniken waren in den Nachkriegsjahren des 2. Weltkrieges gänzlich abhanden gekommen. Sein Ziel war es jedoch nicht, jeweils eine in sich geschlossene Geschichte der jeweiligen Schule zu liefern, sondern es ging ihm darum, das bei der ev.-ref. Kirche in Hilchenbach vorhandene urkundliche Material, insbesondere über die Schulanfänge, bekanntzumachen, also eine Sammlung des meist noch völlig unbekannten Urkundenmaterials zu veröffentlichen. Als eine besondere Fügung empfand er, daß das Erscheinen des Werkes mit der Einweihung der neuen Hilchenbacher Volksschule zusammentraf.

Wertvolle Informationen zur Schulgeschichte – insbesondere zur katholischen “Meckesschule” - in Hilchenbach wurden dem Werk "Zur Geschichte der katholischen Parochie St. Augustinus Keppel in Hilchenbach-Dahlbruch", Festschrift aus Anlass der Kirchweihe vor 100 Jahren - Mit Beiträgen zur Kirchengeschichte des nördlichen Siegerlandes,  herausgegeben von Dr. Erwin Isenberg unter Mitarbeit von Eberhard Freyberg, Gabriel Isenberg, Gabriele Isenberg, Cornelia Kneppe, Hans Christhard Mahrenholz, Elfriede Ringbeck, Karl-Josef Rump und Karl Swoboda im Auftrag der Pfarrgemeinde St. Augustinus Keppel, erschienen Hilchenbach-Dahlbruch 2000, Selbstverlag der Pfarrgemeinde St. Augustinus Keppel - Das Werk ist ungeheuer unfangreich und ebenfalls ein muss für jeden, der sich für die Hilchenbacher Geschichte und hier insbesondere für die Kirchengeschichte interessiert, die allerdings über viele Jahrhunderte hinweg auch die weltlichen Geschicke beeinflusste.

Die Informationen über die Einweihung der 1906 eingeweihten neuen Stadtschule in den Brücher Gärten stammen aus dem Festbuch “300 Jahre Stadtrechte Hilchenbach” von Wolfgang Leyener und Dr. Hans Christhard Mahrenholz, das 1987 anläßlich der Feier von der Arbeitsgemeinschaft Hilchenbacher Vereine herausgegeben wurde.

Siegener Zeitung vom 14. Mai 2008, “Rote Schule” war stets Provisorium

Wertvolle Informationen konnten dank des Werks “Zur Geschichte der Schulen im Siegerland”, Siegener Studien Band 50, Herausgeber Edgar Reimers, Die Siegener Studien werden herausgegeben von der “Gesellschaft der Freunde und Förderer der Fachbereiche I-IV und VI-VIII an der Universität GH Siegen. Mitherausgeber sind Prof. Dr. Ingeborg Koza, Prof. Dr. Hans Dieter Erlinger (Red.) und Prof. Dr. Rudolf Feig, alle Universität-Gesamthochschule Siegen, Verlag Die Blaue Eule, Essen 1992, berücksichtigt werden. Es sind hier die folgenden Forschungsberichte ausgewertet worden: 1.“Die Elementarschulen und ihre Lehrer im Siegerland im Zeitraum zwischen 1815 und 1914” von Edgar Reimers; 2.“Schulpflicht und Kinderarbeit”, Zu Lösungswegen eines Spannungsverhältnisses am Beispiel des Siegerlandes im 19. Jahrhundert von Bernd D. Plaum; 3. “Stift Keppel: Mädchenbildung im Klostergemäuer” von Dorothea Jehmlich

Weitere Informationen stammen aus der Festschrift “Hilchenbach – Ein geschichtlicher Überblick”, Festschrift zur 250-Jahrfeier der Stadt von Dr. Walter Menn, Hilchenbach 1937, Verlag von Wesener Nachf.

Informationen aus der Zeit Jung-Stillings stammen unter anderem aus “Heinrich Stillings Jugend” von Johann Heinrich Jung genannt Jung-Stilling, Erster Teil der Lebensgeschichte, Illustriert von Hans Achenbach, Druck und Verlag: Vorländer GmbH & Co., Siegen 1982

Die Definition für Mäckeser stammt aus dem Werk "Zur Geschichte der katholischen Parochie St. Augustinus Keppel in Hilchenbach-Dahlbruch,  a.a.O. und aus dem Siegerländer Wörterbuch von J. Heinzerling und H. Reuter, Siegen 1968. 2. Auflage. Im Siegerländer Wörterbuch steht  weiterhin, daß der Begriff Mäckes heute nur noch als Schimpfwort dient. Ein Mäckeskesselchen, ein irdener kleiner Kaffeekessel wurde im Siegerland  früher häufig benutzt und ist auch heute noch erhältlich. Nach dem Siegerländer Wörterbuch wurde der so genannt, weil er hauptsächlich bei den mit  irdener Ware handelnden Mäckesern gekauft wurde. "Sich mäckese" heißt "sich zanken" und eine Mäckeserei ist eine Lumperei, eine Unordnung  bzw. eine Halunkerei. "So eine Mäckeserei" steht für "solch eine Gemeinheit". Der Begriff steht nach dem Siegerländer Wörterbuch vielleicht für das hebräische "mecker" bzw. "meker" (Verkauf) oder es gehört zum hochdeutschen "Makler" bzw. zum niederländischen "makelaar", also ebenfalls dem Makler. Im erstgenannten Werk"Zur Geschichte der Parodie St. Augustinus Keppel in Hilchenbach-Dahlbruch" sind Charakterisierungen aus  Ausführungen aus dem Pfarrarchiv Akte XII der genannten Gemeinde aufgeführt. In der "Übersicht über die vorhandenen Meckese im Amte Ferndort,  pro 1863" und in der "Nachweisung über die im Amtsbezirk Hilchenbach wohnhaften Meckeser", Keppel d. 7. Sept. 1863, Pfarrarchiv Akte XII steht  ausgeführt: Im Amt Ferndorf gemeldeter J.M., katholischen Bekenntnisses, lebt von Handel und Lohnfuhrwerk, Ehefrau, von ihm getrennt lebend,  treibt sich augenblicklich Lumpen sammelnd umher, bis auf den ältesten Sohn befinden sich drei weitere Kinder in Erziehungsanstalten, ein weiteres Kind ist in einer katholischen Familie in Fellinghausen untergekommen, in dieser ist auch die Landarme A.M. untergebracht. In weiteren Beispielen heißt es: Im Amt Hilchenbach: L.P. zu Vormwald vagabundiert als Korbflechter, katholisch, seine Frau E. betreibt Hausierhandel, sechs Kinder zwischen 5 und 17 Jahren; J.J.Sch. zu Helberhausen, katholisch, besitzt eigenes Wohnhaus, Ehefrau M. betreibt Hausierhandel mit Irdengeschirr, neun Kinder; G.L.Sch. zu Haarhausen, katholisch, im Besitz eines eigenen Wohnhauses und Pferd, Lohnfuhrmann, seine Frau A.M. betreibt  Hausierhandel, fünf Kinder, D.Sch. zu Haarhausen, unvermögend, Hausiergewerbe, verheiratet und zwei kleine Kinder; J.L. zu Haarhausen, katholisch, ohne Vermögen, Korbflechter und Tagelöhner, verheiratet.

Die Abbildungen 1, 2, 5, 6, 8, 9, 11, 12, 14, 15, 17, 18, 19, 20, 22, 23, 24, 25 und 26 stammen aus “Florenburgs Schulen” von Pastor Dr. Hermann Müller, Ihre Geschichte, dargestellt nach den vorhandenen Unterlagen, Selbstverlag der Evangelischen Kirchengemeinde Hilchenbach, 1957

Die Abbildungen 3 und 28 stammen von alten Ansichtskarten, die Bilder 4, 7, 10, 13, 16, 21 und 27 sind eigene Aufnahmen

 

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