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Geschichte

1911    Hilchenbach
1500    Heilchenbach
1494    Hilchenbaich
1457    Hilchenbach
1345    Hilkinbach
1342    Heylchenbach
1340    Helgenbach
1337   Helichenbach
1328    Helchenbach
1311    Helchinbach
1292    Heylichinbach

Die Schreibweise des Namens der Stadt Hilchenbach in der ersten Erwähnung (Heylichinbach) ist die älteste bisher bekannte überlieferte Form. Da sie so aber nur ein  einziges Mal in den Quellen gefunden wurde ist es zweifelhaft, ob sie auch die ursprüngliche ist. Die zwei anderen Formen "Helchinbach" und "Helchenbach" sind in der gleichen Epoche verwendet worden,  wurden  allerdings sehr viel häufiger gefunden. Wahrscheinlich kommen sie der ursprünglichen Schreibweise des Namens näher. Erst sehr spät (1457) wurde die heutige Schreibweise des Ortsnamens erstmalig verwendet, wurde dann aber zunehmend verwendet

Die heutige Stadtfahne während eines offiziellen Anlasses                                                                            

Bild 1

         

Die Entwicklung Hilchenbachs

Die erste Spur menschlicher Siedlung und die erste gesicherte Erwähnung

Da die schriftliche Überlieferung über die Dörfer und Einzelhöfe des Hilchenbacher Raumes erst im 11. Jahrhundert, d.h. relativ spät einsetzt, sind Bodenfunde die einzige Quelle für die vorhergehenden Jahrhunderte zur Siedlungsgeschichte. Als solche Bodenfunde, und zwar aus der Karolingerzeit, sind die Wallburgen zu nennen. Außer der Burg Ginsberg, die durchaus auch schon aus der Periode um die Zeitenwende stammen könnte, ist im Gebiet der heutigen Stadt Hilchenbach  keine weitere derartige Anlage überliefert. Die Burgen der Nachbargebiete werden der Karolingerzeit zugeordnet.

Erste urkundliche Erwähnungen der Ortsteile, Wohnplätze und Wüstungen Hilchenbachs nach dem Jahr der Ersterwähnung sortiert
(Fett = Erwähnungen heute bestehender Ortsteile - In Klammern = Erläuterungen bzw. noch bestehende Ortsteile, zu denen die Wohnplätze oder Wüstungen heute gehören)  

Jahr

Müsen

1079/89

Ruckersfeld

1079/89

Haarhausen (Allenbach)

1248

Ginsburg (Erwähnung als “nowum castrum” also als “neue Burg”) - (Grund)

1255

Oechelhausen

1265

Ginsburg (obwohl bei der ersten Erwähnung 1255 die Bezeichnung Ginsburg noch nicht verwendet wird, muss die damalige Bezeichnung “nowum castrum” mit der Ginsburg gleichgesetzt werden - (Grund)

1292

Stift Keppel (Allenbach)

1292

Hilchenbach

1292

Breitenbach (Allenbach - Bereich der heutigen Breitenbach-Talsperre)

1292

Merklinghausen (Müsen)

1300

Helberhausen

1318

Wehbach (Ginsberger Heide - Grund)

1319

Allenbach

1337

Stöcken (Allenbach)

1340

Grund

1344/45

Klingelseifen (unterhalb von Grund)

1344/45

Winterbach (Müsen)

1345

Breidenscheid am Preist (Hilchenbach)

1365

Hadem

1417/19

Vormwald

1417/19

Rodenberg (Hilchenbach)

1417/19

Schweisfurth (Dahlbruch)

1417/19

Watzenseifen (Vormwald)

1417/19

Schreiberg (Vormwald)

1461

Sterzenbach (Vormwald)

1461

Oberndorf

1463

Dahlbruch

1467

Erzenbach (Hilchenbach)

1480

Hillnhütten (Dahlbruch)

1499

Siebelnhof (Vormwald)

1542

Dickenbruch (Vormwald)

1542

Lützel

1547/48

Altenteich (Lützel)

1622

Alte Brache (Vormwald)

1625

Nachweisbar, aber nur zu einem geringen Teil erhalten, ist die Wallburg auf dem Kindelsberg westlich von  Müsen, wenige hundert Meter außerhalb des heutigen Hilchenbacher Stadtgebietes. Da in der Nachbarschaft dieser Wallanlage Eisenfunde gemacht wurden, kann hier ein enger Zusammenhang zwischen menschlicher Siedlung und wirtschaftlicher Absicherung und Tätigkeit durch Eisenproduktion bestanden  haben. Die für diese Verteidigungsanlagen erforderlichen Erdbewegungen waren  beachtlich, vor allem wenn man bedenkt, daß die Geräte hierfür wenig entwickelt waren und daß die Zahl der Menschen gering war. Solche umfangreichen Arbeiten hängen daher mit einer erheblichen Bedrohung und einem  großen Sicherheitsbedürfnis zusammen. Eine ausdauernde, über mehrere Jahre, wenn  nicht sogar Jahrzehnte gehende Bauzeit kann angenommen werden.

Es muss auch offen bleiben, ob diese Wallburgen nur als Fluchtstätten, d.h. nur bei Gefahr genutzt wurden. Man kann aber wohl davon ausgehen, daß daneben noch andere unbefestigte Wohnplätze vorhanden waren. Kontinuitäten zu  den späteren und heutigen Wohnorten des Hilchenbacher Raumes sind durchaus denkbar. Für die Orte des heutigen  Hilchenbach ist der Zeitpunkt der Entstehung jedoch nicht  bekannt, sondern nur das Jahr der ersten Erwähnung. So weiß man auch nicht, ob parallel zu den umfangreichen  Siedlungen der Karolingerzeit in Mitteleuropa im 8. und 9. Jahrhundert auch im Siegerland eine zahlenmäßige Ausweitung der Siedlungsplätze stattfand. In der Siedlungsforschung geht man häufig von den Siedlungsnamen aus und versucht, typische Namen oder Namensteile als Hilfen für die zeitliche  Einordnung zu verwenden. So wird angenommen, daß Siedlungen, die bis zum zweiten Jahrhundert nach der Zeitenwende entstanden waren, im Siegerland nach einem Bach genannt wurden, was in  der damaligen Bezeichnung mit "afa" oder einer daraus abzuleitenden Endung identisch wäre. Von dem  späteren Orten des Hilchenbacher Raumes wird lediglich das aus der Zeit von 1079 bis 1089  erstmals in einer Urkunde erwähnte Mutzhena, d.h. Müsen hierzu gerechnet.

In der danach folgenden Siedlungsperiode entstanden vor allem Orte mit der Endung "-fen" oder  "-phen", und zwar in der Zeit vom 2. bis zum 10. Jahrhundert. Siedlungen dieser Art lassen sich für den  Hilchenbacher Raum nicht nachweisen. In der karolingischen Ausbauzeit ist dieses Gebiet  gemessen am Kriterium der Ortsnamen anscheinend nicht in die allgemeine Siedlungsausdehnung einbezogen worden. Teilweise noch in dieser Periode, aber dann in der folgenden Zeit, d.h. vom 9. bis zum 11. Jahrhundert drang man mit den Siedlungen langsam in die Bachtäler vor. Orte mit den Endungen "-bach", "-au", und "-feld" werden in diesen Siedlungsvorgang eingeordnet. Eine ganze  Reihe der Orte des Hilchenbacher Raumes könnte hierzu zählen. Dabei ist aber zu beachten, daß solche Namensgebungen lediglich einen Hinweis, nicht aber die erforderliche Sicherheit für eine solche Einordnung geben können. So stimmt diese Periodisierung z.B. nicht mit entsprechenden Systematisierungsversuchen für das benachbarte Wittgensteiner Land überein.

Insgesamt waren die beiden zuletzt genannten Gruppen der Siedlungen ein Ergebnis der hochmittelalterlichen und der teilweise darüber hinaus reichenden Siedlungsperiode, die in etwa für  die Zeitvom ausgehenden 9. bis in das ausgehende 14. Jahrhundert einzuordnen ist. In diese Periode, allerdings ohne eine genauere Zuordnung, gehören auch die Dorfgründungen mit den Endungen "-hausen" und "-dorf". Sie liegen jedoch wohl eher am Ende dieser Periode, so daß man davon ausgeht, daß die Rodungen sukzessive bachaufwärts vorgenommen worden sind, bis hin nach Helberhausen  und Oberndorf. Auch die Dörfer Oechelhausen, Grund und Vormwald sind in diese Siedlungsperiode einzuordnen, wobei die erstmalige Erwähnung von Grund im Jahre 1345 ebenfalls  nicht bedeutet, daß der Ort erst in diesem Jahr oder unmittelbar zuvor gegründet worden war. Gleiches gilt für Allenbach, daß zwar 1337 bei der Übertragung von Abgabenforderungen von einem Adligen auf den Grafen von  Nassau erstmalig erwähnt wurde, das aber als -bach-Ort durchaus erheblich älter sein wird. Das breite Ferndorfbachtal bot zudem auch für eine  landwirtschaftlich orientierte Siedlung günstige Voraussetzungen.

Hilchenbach selbst könnte man in die Siedlungsperiode vom 9. bis zum 11. Jahrhundert einordnen.  Das  St. Vitus-Patrozinium kann hierfür ein Hinweis sein. Die erstmalige Nennung Hilchenbachs in einer Urkunde im Jahre 1292 ist ebenfalls nur als Bestätigung für das Bestehen dieses Ortes zu dieser Zeit  zu anzusehen. Der Hilchenbach verlief bzw. verläuft nördlich der heutigen Berliner und der Hilchenbacher Straße, was auf eine ursprünglich nordwestlich des heutigen Marktes liegende mittelalterliche Siedlung  hinweist. Die Hilchenbacher Straße müßte daher eigentlich Hilchenbachstraße heißen.

Die Orte Dahlbruch, Schweisfurth, Lützel und Oberndorf sind möglicherweise erst am Ende der  mittelalterlichen Landesausbauperiode, d.h. im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert oder sogar noch später (Lützel) entstanden, da bei einer Zusammenstellung der Haubergsgenossenschaften des Amtes Hilchenbach aus dem Jahre 1774 die Genossenschaften dieser vier Orte den Rechtsstatus eines  Erblehens hatten, während die anderen nicht in dieser Abhängigkeit standen. Während Lützels  Hauberg ein Erblehen des Landesherrn war, wohl ein Teil des herrschaftlichen Komplexes um Burg und  Hof Ginsberg, waren die anderen drei Hauberge Erblehen von Keppel. Hierbei könnte es sich  zwar um Erblehen handeln, die bereits vor der Gründung bzw. erstmaligen Nennung des Klosters Keppel im Jahre 1239 von den Herren von Hain ausgegeben worden waren. Es spricht jedoch  mehr dafür, daß diese Erblehen erst vom Kloster Keppel vergeben wurden. Dieses würde bedeuten, daß die drei  genannten Orte erst nach 1239 entstanden waren. Für Dahlbruch musste jüngst im Jahr 2003 das Datum der ersten Erwähnung korrigiert werden. War man bis 1968 davon ausgegangen, dass Dahlbruch im Jahr 1563 erstmals erwähnt wurde, so konnte 1968 nachgewiesen werden, dass Dahlbruch bereits 1503/1504 Erwähnung in einer Siegener Renteirechnung fand. Im Jahr 2003 konnte der Stadtarchivar Reinhard Gämlich kurz vor den Osterferien nachweisen, dass der Name “Dahlbruch” bereits 1467/1468 in einer Renteirechnung (NRW-Staatsarchiv in Münster, Signatur Fürstentum Siegen, Landesarchiv 31, Nr. 5, Blatt 1 - 149 (1468 fol. 86r) erstmals erwähnt wurde. In der Urkunde heisst es: “Anno (14)67 Hermann Illequait Rechenschaft Einnahmen Bergzehnt und Zoll von dem Bergmeister von Müsen wie vor Hermann Berg zum Dahlbruch von der hohen Grube 8 Fuder Stein, je das Fuder 11 Schilling, hat ihm mein gnädiger Herr (gemeint ist Johann IV. Graf von Nassau) zwei Jahre gegeben.” Hermann von Huppstorf, genannt Illequait war nach Gämlichs Angaben gräflicher Schultheiß und Rentmeister zu Siegen und stammte aus dem Geschlecht von Seelbach.

Mit diesen Siedlungsperioden dürfte in der Mitte des 13. Jahrhunderts ein Zustand erreicht ssein, in dem die späteren Orte des Hilchenbacher Raumes entstanden waren und in dem unter dem Gesichtspunkt  der Versorgung mit Lebensmitteln noch eine weitgehende Autarkie bestand. Allenfalls sind im Zusammenhang mit der Verwendung von Wasserkraft  für den Antrieb von Windmaschinen bei den Hochöfen und von Hammeranlagen neue Siedlungen entstanden, wie z. B. Hillnhütten.

Während also für die ältesten Hilchenbacher Ortsteile Müsen und Ruckersfeld bereits aus dem Jahr 1079 ein erster urkundlicher Beleg vorliegt, wurde Hilchenbach  erstmals im Jahre 1292 in einer Schenkungsurkunde  (siehe nebenstehende Urkunde aus dem Stadtmuseum Hilchenbach) der verwitweten Gräfin Agnes von Nassau und ihres ältesten Sohnes Heinrich an das Kloster Keppel  erwähnt. Sie schenkten dem Kloster Keppel eine nahe

Bild 2

Hilchenbach gelegene Mühle, eine Wiese und einen mit der Mühle verbundenen Hof, der"Mullnstocge" genannt wurde. Der heute am Ferndorfbach gelegene "Mühlenseifen" könnte auf die Lage der damaligen Mühle hinweisen. Die in der Urkunde erwähnte Abgrenzung der Mühle vom  Ort läßt darauf schließen, daß Hilchenbach bereits um 1300 als eine geschlossene Siedlung  mit kleiner Fläche galt

Die ältesten Spuren einer Siedlungs- und Wirtschaftstätigkeit im Siegerland stammen aus der  La-Tène-Zeit, also etwa aus den Jahren 500 v.Chr. bis 200 n.Chr. In Hilchenbach dürfte schon im 5.  Jahrhundert n.Chr. eine feste Ansiedlung bestanden haben. Am Zusammenfluß mehrerer Bäche gab es günstige Bedingungen für agrarwirtschaftliche Tätigkeiten.

Politisch lag Hilchenbach im Grenzraum der fränkischen und sächsischen Machtgebiete. Im Laufe  des 8. Jahrhunderts n.Chr. wurde die Siedlung ins christliche Frankenreich eingegliedert. Vermutlich in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde der Ort nach Ausgliederung aus der Urpfarrei St.  Martini in  Netphen Mittelpunkt eines neuen Pfarramtsbezirks. Da der neue Kirchspielort auch Sitz des Niedergerichts war, erhielt Hilchenbach früh zentrale Funktionen für die umliegenden Dörfer. Das  Kirchspiel (= Pfarrei) war seit dem Mittelalter der kleinste Verwaltungsbezirk eines Bistums. Die Pfarrei Hilchenbach unterstand einem Aufsichtsorgan des Mainzer Erzbistums und dessen  Offizial (richterlicher Beamter) in Amöneburg.

Die ursprüngliche Zugehörigkeit zur Pfarrei Netphen schließt nicht aus, daß schon zuvor (seit dem  Jahre 950?) in Hilchenbach eine Kirche bestanden hat. Der Heilige St. Veit, nach dem die alte Hilchenbacher Kirche ihren Namen erhalten hat, läßt darauf schließen, daß Hilchenbach im Einflußbereich des Klosters Corvey lag und daß von dort aus die erste Kirche in Hilchenbach gegründet wurde, zumal die Beziehung des Klosters Corvey zum Siegerländer Raum urkundlich  belegt ist. Nach Corveyer Aufzeichnungen aus der Zeit um 1150 hatte der Abt des Klosters das Recht, die Pfarrstelle der  St. Johannis-Kapelle bei Siegen - die Kapelle wurde im 15. Jahrhundert abgebrochen - zu besetzen. Die Gebeine des St. Veit liegen in Corvey seit 836. Die Verehrung des Heiligen verbreitete sich daraufhin sehr rasch in Westfalen, das damals zum sächsischen Herzogtum  gehörte. Die Sachsen sahen in ihm ihren Schutzpatron. Besonders eng fühlte sich das Herzoggeschlecht der Liudolfinger dem  Heiligen verbunden, aus dem die sächsischen Könige und Kaiser hervorgingen. Als Otto der Große 958 von einer schweren Krankheit genas, schrieb er seine Heilung überwiegend dem Verdienst des Heiligen  Vitus zu. Wenn man bedenkt, daß Hilchenbach in einer Grenzzone zum sächsischen Stammesgebiet liegt und die Zeit um die Jahrtausendwende durch sächsische Vorherrschaft bestimmt war, so gewinnt  die Annahme an Wahrscheinlichkeit, daß bei der Kirchengründung und er Patroziniums-Wahl sächsischer Einfluß wirksam gewesen ist. Konkreter läßt sich das leider nicht mehr fassen.

Gebiet des Kirchspiels Hilchenbach im Wandel der Zeit

Alle Bewohner der zu einem Kirchspiel gehörenden Dörfer waren durch den Pfarrzwang an die Pfarrkirche gebunden, Amtshandlungen nahm ein geweihter Geistlicher in der Pfarr- oder Hauptkirche  des Kirchspiels vor. Größere Grenzveränderungen erfolgten im Kirchspiel Hilchenbach im Laufe der Jahrhunderte nicht. Bis in die Zeit der Reformation gehörten dazu die Orte Hilchenbach, Haarhausen, Allenbach, Grund, Vormwald, Lützel, Hof Ginsberg, Hadem, Helberhausen und Oberndorf. 1626 kamen durch Abpfarrung von Netphen dann noch Ruckersfeld und Oechelhausen dazu. Die Orte Dahlbruch und  Müsen gehörten einst zur Kirche St. Laurentius in Ferndorf.

Stift Keppel, Antoniuskapelle und Wallfahrtskapelle "Zum heiligen Kreuz"

Das Jahr der Gründung des Klosters Keppel ist nicht bekannt. Erstmalig urkundlich benannt wurde das Frauenkloster 1239. Es gehörte zum Orden der Prämonstratenserinnen und unterstand dem Abt  des  Klosters Arnstein an der Lahn. Benannt wurde das Kloster Keppel nach der capella sancti crucis, einer Wallfahrtskapelle "Zum heiligen Kreuz" am gegenüberliegenden Nordhang des  Ferndorftals. Diese Kapelle ist wahrscheinlich die früheste christliche Gottesdienststelle des Siegerlandes. Das Kloster Keppel erhielt bald nach seiner Gründung das Besetzungsrecht an den  Kirchen zu Netphen und Hilchenbach. Auch die Antoniuskapelle in der Wehbach (aus Wey(=jj)bach mit der Bedeutung Wegebach hervorgegangen) bei Schloß Ginsberg befand sich in  seinem Besitz. Kommt man vom  heutigen Bahnhof Vormwald den Schloßberg hoch, auf dessen Spitze sich die Ginsburg befindet, geht dann zur Ginsberger Heide und dort vom Stadion zum Forsthaus zu, so findet man - wenn man am  Gartenzaum des Waldarbeiterhauses entlang geht - unten in der Wiese, gleich wo man sie betritt, eine unebene Stelle. Hier stand die "Antonius Kapelle” (siehe Bild 3, das die unebene Stelle zwischen Hof Ginsburg und dem “Backes” auf der Ginsberger Heide zeigt). Aussagen zufolge soll heute noch der Rest eines Fußbodens zu

Bild 3

sehen sein. Die Antonius-Kapelle wurde um 1250 erbaut und dem heiligen Antonius gewidmet, der als Schutzpatron der Haustiere, vor allem aber der Schweine galt. Man hoffte auf den Schutz vor Seuchen. Früher wurden die Schweine aus der Umgebung zur Mast in die  fürstlichen Waldungen getrieben. Daher kommt noch heute die Bezeichnung "Viehhof" für die Ginsberger Heide.

Möglicherweise stand die Erwähnung der Kirche zu Hilchenbach im Jahre 1328 auch im Zusammenhang mit dem Schicksal der Pläne für eine Stadtgründung nahe der Burg Ginsberg. Diese   Gründung war an einer Stelle östlich der Burg vorgesehen, und zwar im Zusammenhang mit der Wehbacher Kirche, d.h. einer Kirche, die in der Nähe des hier nach Osten fließenden Wehbaches   errichtet worden war. Diese kleine Kirche blieb noch lange Zeit Wallfahrtskirche oder -kapelle. Ort und Name Wehbach sind gegen Ende des Mittelalters aufgegangen. Im 16. Jahrhundert ist nur noch von  "St. Antonius zum Ginßberge" die Rede. Die Kirche war vermutlich von Netphen aus gegründet worden, da später ein Streit zwischen Keppel und der Kirche zu Netphen um die Leistungen von Wachszinspflichtigen an die Kirchen zu Netphen und zu Wehbach aufkam. Für alle drei Kirchen, nämlich die zu Netphen, die 1328 zuerst genannte Kirche zu Hilchenbach und die 1319 zuerst genannte Kirche am Wehbach hatte das Kloster Keppel im 14. Jahrhundert das Patronat inne. 1239, bei der Ausstattung des Klosters Keppel mit dem Patronat zu Netphen, hatten die beiden Kirchen zu Hilchenbach und zu Wehbach vielleicht noch nicht bestanden, mindestens nicht als selbständige Kirchen, denn sonst wären sie sicher mit erwähnt worden. Da das Kloster Keppel später auch das  Patronatsrecht in Hilchenbach ausübt, Hilchenbach aber in der Urkunde von 1239 nicht erwähnt wird, muss eine Herauslösung aus dem Netphener Pfarrverband später erfolgt sein.  Die Ablösung ist vor dem Jahr 1328 erfolgt, denn damals wird zum ersten mal ein Pfarrer in Hilchenbach erwähnt (Pfarrer (plebanus) Walram erscheint als Zeuge auf einer Urkunde). Für die  Pläne der Grafen von Nassau war der Platz Wehbach offensichtlich wichtig. Im Rahmen der allgemeinen Verfestigung ihrer landesherrlichen Stellung in diesem Gebiet hatten sie durch Tausch mit dem Kloster Keppel u.a. diesen Platz 1319 erworben. Motiv für die Gründung einer Stadt nahe bei der Burg Ginsberg kann ein doppeltes gewesen sein. Die periphere Lage im Herrschaftsbereich der Nassauer Grafen und  gegenüber dem Gebiet der Wittgensteiner spricht für Sicherheitsaufgaben. Diese wurden allerdings bereits durch die Burg Ginsberg wahrgenommen. Im 13. und 14. Jahrhundert wurden aber in  zunehmendem Maße nicht nur Burgen, sondern auch Städte als befestigte Plätze mit Sicherungsaufgaben betraut. Darüber hinaus kann auch die Lage an den Straßen  von Osten nach Westen bzw. von Norden nach Süden (“Kriegerweg” - siehe unsere Ausführungen auf der Site “Neben den Wegen”) und auch an dem Handelsweg (Eisenstraße - siehe nachfolgende Ausführungen) nach Dillenburg der entscheidende Grund gewesen sein. Früher muss hier ein ausgesprochen reger Verkehr geherrscht haben und auf der Ginsberger Heide gab es ein bedeutsames Wegekreuz.

Da die Kirche zu Wehbach bereits 1319 einen eigenen Pfarrer hatte (und wohl die Eigenschaft einer Pfarrkirche besaß), ist es durchaus möglich, daß die Gründung der Stadt bereits in den nächsten  Jahren aufgegeben wurde, so daß dann Hilchenbach 1328 einen Pfarrer erhielt und damit zum kirchlichen Mittelpunkt einer selbständigen Gemeinde am oberen Ferndorfbach wurde. Für Wehbach selbst wurde für eben dieses Jahr 1328 zum letzten Mal in einer Urkunde ein Pfarrer genannt. Da beide Pfarrer in derselben Urkunde verzeichnet waren, waren diese Kirchen für einige Zeit parallel besetzt,  d.h. die Pfarre zu Hilchenbach war nicht die formelle Nachfolgeeinrichtung der Pfarre zu Wehbach.

Der im nachfolgenden Abschnitt "Reformation/Gegenreformation" erwähnte Pfarrer Johann  Dieffenbach,  der um 1530 von Graf Wilhelm dem Reichen von Nassau (1516-1559) nach Hilchenbach berufen wurde, hatte nach 1533 ein Bekenntnis zur neuen (lutherischen) Lehre  abgegeben und die neue Kirchenordnung, die der Dillenburger Hofkaplan Heilmann Bruchhausen auf Weisung Graf Wilhelms ausgearbeitet hatte, zu beachten. In dieser Ordnung, in der Überschrift  noch vorsichtig "Bedenken"  genannt, werden die Wallfahrten zur Antonius-Kapelle ganz verboten. Namentlich erwähnt wird das schändliche und ärgerliche "geleuff" zur Antonius-Kapelle auf der  Ginsberger Heide. Am 9.8.1570 wurden Teile der Kapelle an andere Kirchengemeinden abgegeben. Die zwei Glocken wurden nach Keppel und (die große) nach Freudenberg gebracht,  "wogegen man ihnen nichts erstattet hätte". Im  Eifer der kalvinistischen Reformation erging am 17. Februar 1571 duch Johann VI. (der Ältere) die Abbruchanweisung, weil er der Meinung war, daß es ein abgöttischer Tempel sei: ... daß die Kapelle  "besichtiget werden soll, und dieweil es ein abgöttischer Tempel gewesen und noch von frembden und inheimischen darin Abgötterei getrieben  wird, ist unsres gnädigen Herrn bevelch, das die abgebrochen und ein Capel im Dorf dagegen uffgerichtet werden, solches soll durch den Superintendenten, Amtmann und Rentmeister nächster Tage verschafft werden". Trotz allem wurden bis Mitte des 18. Jahrhundert  Wallfahrten dorthin unternommen. Insbesondere waren viele in dem irrtümlichen Glauben, daß St. Anton  dort begraben  sei. Daher sind Leute "noch vor etwa 80 Jahren (Intelligenzblatt Jg. 1827, Nr. 16)  häufig zur Stelle gewallfahrtet und Opfer an Flachs, Butter und Brot hinterlegt, was sich, nach gerichtlicher Aussage  des damaligen Hofgerichtes, dessen (?) gottloses Gesinde stets zu Nutze genommen". Natürlich ist St. Anton nicht auf der Ginsberger Hochfläche begraben. Über die Umstände und historische  Begründung des Patroziniums, nicht einmal über die Zeit der Errichtung der  Antoniuskapelle ist etwas bekannt.

Von dem Kloster Keppel ging allerdings kaum stärkerer Einfluß auf das geistige Leben des Landes  aus und es galt aufgrund schlechter Entwicklungsbedingungen als arm.. Es war vermutlich ab 1538 im Wesentlichen eine Schule für die Töchter des heimischen und benachbarten Adels. 1626 wurde die Schule durch Wandlungen im Rahmen der Rekatholisierungsbemühungen wieder aufgelöst. Die rustikal-barocke und für das calvinistische Siegerland reich verzierte Stiftskirche ist auch heute noch sehenswert.

Kirchen in Hilchenbach, Schutzheilige, St. Vitus und das Stadtwappen

Die Schutzheiligen der Klosterkirche sind Maria und Johannes Evangelist, während St. Augustinus   Patron des Prämonstratenserordens ist. Nach ihm wurde die 1900 in Dahlbruch-Hillnhütten neu erbaute katholische Kirche benannt.

Die St.-Vitus-Kirche (früher St. Veits-Kirche) stammt aus dem 13. Jahrhundert und war seit der Reformation eine evangelische Kirche.. Sie verfiel allerdings im ersten Drittel des 19.

Bild 4

Jahrhunderts zunehmend. Nachdem sie 1839 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde, wurde 1844 fast am  gleichen Platz der Grundstein für eine neue Kirche gelegt. In der Zwischenzeit bot die kleine Kirche in Keppel auf Jahre eine Notlösung, nachdem man 30 Jahre Gottesdienste in einer immer mehr verfallenden Kirche abhalten  musste. Im Jahre 1846 fand die Einweihung der evangelisch- reformierten Kirche statt. Auf  der Suche nach Spuren aus der Vergangenheit fanden im Sommer 1987 umfangreiche Grabungen unter fachlicher Führung von Archäologen auf dem Kirchenhügel statt. Um ein möglichst genaues  Gründungsdatum der ersten Kirche in Hilchenbach zu erhalten, hatte Stadtdirektor Dr. Mahrenholz seit 1979 das Westfälische Amt für

Bild 5

Bodendenkmalspflege in Münster gebeten, durch Bodenuntersuchungen an Ort und  Stelle neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die Bodenforscher fanden Überreste von drei ehemaligen Kirchen, die in den Jahren zwischen 950 und 1839 dort errichtet wurden (Siehe vorstehende Abbildung mit  den Grundrissen der Kirchen, die oberhalb des  Marktplatzes gestanden haben bzw. heute noch stehen. Die Grundrisse der früheren St. Vitus-Kirche sind gestrichelt und waren einige Meter weiter in Richtung Marktplatz angeordnet und  überdeckte noch den heutigen Standort des Jung-Stilling-Denkmals. Der Marktplatz befindet sich auf der Abbildung mit den Grundrissen unten. Das  in Bild 5 dargestellte Aquarell von A. Kleb aus dem Jahre 1905, das sich im  Original im Stadtmuseum der Stadt Hilchenbach befindet, zeigt die  evangelisch-reformierte Kirche von der  Turmseite von oberhalb vom Kirchplatz bzw. von der Hilchenbacher Straße aus gesehen

Bild 6

während das Foto in Bild 6 von unterhalb vom Markt aus die Kirche, das Jung-Stilling-Denkmal und den Stadtbrunnen zeigt).

Vor der Kirche aus dem 13. Jahrhundert muss also noch eine weitere  frühere Kirche dort gestanden haben. Als Gründungsbau konnte eine Saalkirche mit Rechteckchor festgestellt werden, deren Bauzeit nicht deutlich zu  fassen war und deren Abriß vor  oder im Verlauf des 13. Jahrhunderts erfolgt sein dürfte. Im 13. Jahrhundert, frühestens aber in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts müßte dann der Nachfolger, ein gewölbter Apsidensaal  entstanden sein, der dann im 15./16. Jahrhundert zumindest im Bereich des Chors durch die polygonale Gestaltung eine zeitgemäße Veränderung erfahren haben dürfte. Diese rege Bautätigkeit gegen Ende des 15. Jahrhunderts wird durch  Unterlagen im  Kirchenarchiv bezeugt. Die in Bild 7 dargestellte Zeichnung zeigt die aus dem 13. Jahrhundert stammende und 1839 abgerissene St. Veits-Kirche.

Nach dem Grabungsbericht ist die Hilchenbacher "Urkirche" eine Saalkirche mit vermutlich einschiffigem Langhaus gewesen, über dessen Länge und Breite keine Angaben möglich sind. Auch die Größe des Rechteckchores läßt sich bis  auf die Längenangaben von 5.30 m nicht näher fassen. Diese Frühkirche gehört einem Kleinkirchentyp an, der sich bis ins 12. Jahrhundert gehalten hat. Da aber die Fundamente einen sehr altertümlichen

Bild 7

Eindruck machen, darf eine Entstehung des Baues um das Jahr 1000 angenommen werden. Als Bauherr kann nur ein adliger oder geistlicher Grundherr in Frage kommen, der die Kirche als Eigenkirche errichtet hat. Die älteste Kirche ist nicht als Pfarrkirche für eine Pfarrgemeinde errichtet worden, weil die Gründung der Pfarrei Hilchenbach in eine wesentlich spätere Zeit gehört.

Zum Schutzpatron der Kirche ist der Heilige Vitus gewählt worden (siehe hierzu die vorstehenden Ausführungen zur Entstehung Hilchenbachs). Ursprünglich war St. Vitus Mittelpunkt des bis 1911 verwendeten  Stadtwappens. Er stellte sich damit zugleich als Schutzheiliger der Stadt dar. Eine Version des Wappens zeigt zwischen zwei Tortürmen eine Mauer mit Zinnen, davor ein Bach, auf der  Mauer wachend den heiligen Vitus mit einer  Kirchenfahne in der Linken, dahinter die Umrisse zweier Berge. Die Farbe dieses Wappens steht nicht fest. In einer zweiten

Bilder 8 und 9

Version ist Vitus als Knabe (Bild 9) dargestellt, der mit einer Fahne in der Hand auf einer Wiese am Bach steht, Mauer und  Berge fehlen hier. Beide Wappen sind vom Staatsarchiv in Münster im Jahre 1909 als "geradezu unheraldisch" bezeichnet worden. Das Staatsarchiv schlug vor, das heraldisch unbrauchbare Bild durch einen schreitenden Wolf zu ersetzen (Bilder 10 und 12 - siehe auch obige Bilder von den  ursprünglichen Wappen und vom Wappen mit zweigeteiltem Schild mit dem nassauischen Löwen und mit dem Chor der Keppeler Klosterkirche (Bild 11), dem Wappen des früheren Amtes Keppel, das bis 1917 Amt Hilchenbach hieß, von der Genehmigungsurkunde aus dem Jahre 1911 (Bild 12 - das Original dieser Urkunde befindet sich im Stadtmuseum der Stadt Hilchenbach in der Wilhelmsburg) und von der Fahne der Stadt  Hilchenbach am Anfang dieser Seite). Diese Wappenfigur erscheint in dem ältesten  erhaltenen Schöffensiegel des Hilchenbacher Gerichts mit der Umschrift: "S.(iegel) der scheffen  von helchenbach" an einer Urkunde von 1485. Die Stadt wählte dazu die

Bilder 10 bis 12

nassauischen Landesfarben blau-orange (gold). Die königliche Genehmigung wurde am 22. Oktober 1911 erteilt. Nach dem Zusammenschluß der Stadt Hilchenbach mit elf Gemeinden des früheren Amtes Keppel im Jahre 1969 hat die vergrößerte Stadt Hilchenbach das 1911 genehmigte Wappen ohne Änderung übernommen.

 

Armut in der Landwirtschaft

Agrartechnische Neuerungen führten im Siegerland nur zu sehr bescheidenen Produktivitätszuwächsen  in der Landwirtschaft. Nur teilweiser Einsatz von drei- bis viermal  leistungsfähigerer Pferdebespannung statt Ochsenbespannung, enge Verschachtelung einer Vielzahl kleiner Ackerstücke die eine strenge  Bearbeitungs- und Nutzungsordnung erforderlich machte  (Flurzwang) damit bestellte oder noch nicht abgerntete Felder nicht befahren werden mussten, starke Abhängigkeit der Ernten von wechselnder Witterung, unsichere Futterlage der Tiere in Verbindung  mit häufigen Seuchen kennzeichneten die Situation. Es gab starke Schwankungen in der Nahrungsversorgung und die Ernten brachten bestenfalls das Dreifache der Aussaat. Davon musste noch ¼ bis 1/3 als Saatgut für das nächste Jahr zurückgelegt werden. Noch im 19. Jahrhundert war das Siegerland zu 2/3 von der Brotgetreideeinfuhr  abhängig. Bis zur Industrialisierung im 19.  Jahrhundert sorgten sich viele um das tägliche Brot.

Wirtschaftliche Abhängigkeiten und Frondienste

Während im Gegensatz zu weiten Gebieten des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" die  Leibeigenschaft im Siegerland nur unwesentlich verbreitet war, bestand im Siegerland die Abhängigkeit vor allem in der Zahlung von Steuern durch erforderliche Abgaben in Naturalien und Geld. Diese Abgaben stellten eine fühlbare Minderung der mühsam gewonnenen Ernte dar und waren somit eine besonders drückende Last. Frondienste in Form von unbezahlter Arbeit in landesherrlichen Haubergen bzw. auf Feldern oder Wiesen sind nur ganz vereinzelnd nachweisbar.

Soziale Gruppen

Dörfliche Ordnungen setzten eigenes Recht. Bestimmungen dieser Ordnungen regelten das fehlende Mitspracherecht einzelner Gruppen, unterschiedliche Weide- und Waldnutzungsrechte und eine strente  Regelung der sozialen Beziehungen wie die Sitzordnung in Kirche bzw. im Wirtshaus. Durch diese rechtlichen und wirtschaftlichen Unterschiede entstand im Spätmittelalter eine soziale Dreigliederung  der Dorfgesellschaft:

1. Bauern unterschiedlicher Besitzgröße differenziert vor allem durch ihre "Gespannfähigkeit", also der Möglichkeit, Pflug- und Zugtiere zu halten

2. Landarme Hausbesitzer, die beim Bauern Tagelöhnerdienste leistete. Diese Schicht, die einen Zuerwerb aus Handwerk und Fuhrdiensten benötigte, war in Hilchenbach aufgrund der durch das   Erbrecht (Realteilung, d.h. Teilung des Bodens unter den Erbberechtigten) verursachten Zersplitterung des Besitzes sehr groß.

3. Die land- und besitzlose Unterschicht bestand aus Gesindekräften, die auf dem Hof eines Bauern wohnten und die keine Rechte an der dörflichen Selbstverwaltung und an der gemeinen Weide hatte.

Mit dem ausgehenden Mittelalter kam es zu einer Stärkung und Differenzierung des Handwerks.

Hilchenbach wird Verwaltungsmittelpunkt

Wie andere Dörfer des Siegerlandes hat Hilchenbach mehrfach den Landesherrn gewechselt. Politische Machtkämpfe führten dazu, daß Hilchenbach mal nassauisch war und mal kurkölnisch.  Bis Anfang des 15. Jahrhunderts entledigten sich dann die Grafen von Nassau der Mitherrschaft Kurkölns, in dem sie den heimischen Kleinadel niederrangen. Um 1500 wurde Hilchenbach lokaler  Verwaltungsmittelpunk t. Fest umrissene Verwaltungsbezirke (Ämter), die von gräflichen Beamten (in Hilchenbach hießen die Schultheiß) geleitet wurden, entstanden. Neben der kirchlichen und der gerichtlichen  Zentralitätsfunktion kam eine weitere hinzu. Durch die Zunahme der Bedeutung Handwerk und Gewerbe (Gerbereien, Stahlhämmer) verbunden  mit dem durch die verkehrsgünstige Lage entstandenen Aufschwung des Fuhrgewerbes (Fuhrleute, Schmiede, Sattler, Wagner etc.) und der  Einrichtung einer Zollstelle wurde seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts die Wahrnehmung von Marktaufgaben (in Quellen erstmals in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts belegt) möglich. Gegenüber dem rein landwirtschaftlich geprägten Umland wurde der Bedeutungsvorsprung weiter ausgebaut. Mit der Zunahme des Fuhrgewerbes

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nahmen

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auch die Gaststätten zu, die 1566 erstmalig erwähnt wurden. 1624 schenkten bereits 3 Wirtschaften Wein und 4 Branntwein aus.

Sicherung des Territoriums und mittelalterliche Straßen

Da es keine Wasserwege gab, waren Straßen und Wege für Transporte notwendig. Die wichtigste  Straße für den Hilchenbacher Raum verliefen in etwa entlang der heutigen B54 (Kreuztal, Olpe, Drolshagen, Meinerzhagen, Hagen) und diente der Eisen- und Eisenproduktabfuhr. Eine ebenfalls wichtige, wenn auch nicht  gleichermaßen stark befahrene Straße führte von Siegen über Herzhausen und Hilchenbach nach Brachthausen und Kirchhundem, verlief dann weiter durchs Lennetal nach Norden. Zwischen Hilchenbach und  Brachthausen wies die Strecke jedoch eine erhebliche Steigung auf. Dadurch wurden an der noch heute bekannten "Vorspanneiche" (siehe Bild 15) an den Fuhrwerken weitere  Zugtiere  (Ochsen, Pferde) ausgeliehen und vorgespannt. Der Weg nach Osten war nicht so bedeutsam. Erst mit Ende des 16. Jahrhunderts führte man aus dem  Wittgensteiner Land

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Holzkohle ein. Zuvor war die Holzkohle von dort über die "Kohlenstraße" über das Gebiet an der Eder und Erndtebrück, Benfetal vorbei am heutigen Forsthaus Hohenroth auf Netphen zu in das Gebiet  um Siegen und Eiserfeld transportiert worden. Auch die "Eisenstraße", die zu einem Teil noch heute als schmale Höhenstraße bekannt und sichtbar ist (siehe nebenstehendes  Bild) und in diesem sichtbaren Teil von Lützel Richtung Benfe, Großenbach, vorbei an Sieg- und Lahnquelle Richtung Süden führt, war eher für das südlich bzw. südöstlich Hilchenbachs  gelegene Gebiet bedeutsam. Diese Straße  führt heute noch entlang der Quellen von Eder, Sieg und Lahn. Hier wurde von Lützel aus Eisengestein und Roheisen zu den Hütten zwischen Feudingen und Biedenkopf bzw. noch weiter nach Süden nach Dillenburg oder gar noch  weiter entfernt transportiert. Größere Exporte aus dem Müsener Gebiet sind  allerdings nicht nachweisbar. Die wichtigsten Gebiete für das Hilchenbacher Transportwesen waren das bergische bzw. märkische Gebiet, zumal von  dort andere Produkte zurückgebracht werden konnten. Schon im

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16. Jahrhundert wurde ein großer Anteil des im Bergischen Land verarbeiteten Eisens und Stahls aus dem Siegerland beschafft. Die Qualität der Solinger und Remscheider Schneidwaren fußte auch auf der Qualität der aus dem Müsener Stahlberg gewonnenen Erze und des hier produzierten Stahls. Entlang einer Route gab es Zollposten bzw. Straßensperren (Verschanzungen). Auf unserer Site “Dreiländereck” haben wir die “Kölsche Hecke”, eine mächtige Landhecke, die Nassau von Kurköln trennte, beschrieben und in Bildern dargestellt. Auch Bilder und Beschreibungen von Erdwällen und -gräben, die Teil der Grenzbefestigung waren, sind dort zu einzusehen. Die “Kölsche Heck”  reichte entlang der Nordgrenze des Siegerlandes vom Dreiherrnstein bis nach Hohenhain, das nordwestlich von Freudenberg liegt und bildete einen natürlichen Grenzschutz, besonders gegen das kurkölnische Land. Deshalb wurde sie auch “Kölsche Heck” genannt. Diese Hecke hatte nur an wenigen Stellen einen bewachten Durchgang, der mit einem Schlagbaum gesperrt war. Flurnamen wie der Steinhölzer Schlag, der Alte Schlag etc. erinnern noch heute an die Stelle, wo der Schlagbaum gestanden hat. In den unruhigen Zeiten des Mittelalters war der starke Landesschutz dringend notwendig. In jedem Jahr wurde von einem Amtmann oder einem anderen gräflichen Beamten der Zustand der  Hecke und der Schläge geprüft. Beschädigungen der Landwehr wurden besonders streng bestraft. In Hilchenbach und anderen nahe der Landhecke liegenden Ortschaften erinnern noch die Namen “Bäumer” bzw.  “Bäumener” an den Beruf des Bäumers bzw. Bäumeners, der zuständig für einen Schlagbaum im Bereich einer Straßensperre (Verschanzung) war und den Schlüssel für den Schlagbaum verwahren musste. Das nebenstehende Bild, daß heute noch an  der heutigen Ortsgrenze von Grund auf der Ginsberger Heide in der Flur “Schrammer Heide” eine Stelle zeigt, an der ein solcher Schlagbaum an einer ehemals starken Straßensperre gestanden hat, erinnert  noch heute an diese Zeit. Die Straßensperre bestand aus rechtwinklig zum Weg verlaufenden Querwällen. Jeder Reiter

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und jedes Fuhrwerk unterlag hier der Kontrolle. Ein Ausweichen oder eine Umgehung war nur schwer möglich. Die Stelle ist noch heute durch einen Erdwall, der inzwischen unter Naturschutz steht, zu  erkennen. An der Stelle des Erdwalls verrichtete früher ein “Bäumer” bzw. “Bäumener” seinen Dienst und fand dort in einer Hütte Schutz. In der Nähe der Hütte befindet sich auch der “Hüttenberg”, dessen Name ein deutlicher Hinweis auf eine mittelalterliche Waldschmiede ist. Den Eisenstein, den sie verhütteten, fanden sie in der nur wenige Minuten entfernten oberen Hohlsterzenbach, wo die Grube Rosamunde lag und kleinere Halden noch erkennbar sind. Obwohl sich diese Stelle weitab der früheren Grenze Nassaus zu Kurköln bzw. zu Wittgenstein befindet ist der Standort sicher dadurch zu erklären, daß dort auf der heutigen Ginsberger Heide, also in der Nähe die frühere Ortschaft Wehbach (Wegebach - siehe vorstehende Ausführungen) befand. Das bot dem  “Bäumer” bzw. “Bäumener” einen gewissen Schutz, der ihm an der Grenze weitab der Besiedelung gefehlt hätte. Der Stadtarchivar und Museumsleiter Reinhard Gämlich erklärt das heute auch so, obwohl der tatsächliche Grund heute natürlich nur noch vermutet werden kann. Bild 18 zeigt diese Stelle in einem Luftbild von www.terramapserver.de - Auch wenn die Vergrößerung ein wenig unscharf ist so ist der viereckige Erdwall auch heute noch deutlich zu erkennen. Die genauen  Daten des Entstehens und des Verfalls ist heute nicht mehr genau nachvollziehbar. Die Existenz der Verschanzung läßt sich im Stadtarchiv jedoch eindeutig belegen, da im Jahre 1518 für den auch hier  früher vorhandenen Schlagbaum ein neuer Schlüssel geliefert wurde. Hier liegt auch der Hüttenberg”, dessen Name ein deutlicher Hinweis auf die mittelalterliche Waldschmiede ist, den Eisenstein, den sie verhütteten. Kleinere Halden sind auch heute noch zu erkennen. Die Existenz mittelalterlicher Straßen bzw. dessen, was davon heute übrig geblieben ist, ist heute in und um Hilchenbach noch an zahlreichen Stellen zu erkennen. Siehe hierzu unsere separate Site “Neben den Wegen”, die Sie durch einen Klick hier erreichen können. Wir wollen Ihnen dort darstellen, wie die mittelalterlichen Straßen abseits der modernen Verkehrs- und Wanderwege heute aussehen.

Interesant ist, daß 1671 in Amsterdam in den Niederlanden die “Holländische Karte der Post- und Verkehrsstraßen von den Niederlanden durch Deutschland nach Italien” erschien. Sie gibt eine Übersicht über die großen

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Fernverbindungen, führt die Straßen durchweg gradlinig und ist in Einzelheiten ungenau. Sie läßt die große Straße nach Italien am Ostrand des Zuydersees beginnen, führt sie über Ahaus, Münster, Beckum, Soest, an Meschede und Wormbach vorbei nach Heinsberg und dann in gerader Linie nach Dillenburg und weiter über Wetzlar nach Frankfurt und Süddeutschland. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß die einzige unmittelbare Verbindung von dem kölnischen Heinsberg nach Dillenburg durch die “Kölsche Hecke” am Steinhölzer Schlag an der Ferndorfquelle über die Ginsberger Heide, über Lützel und die Eisenstraße führte. Insofern waren sicher sowohl der Steinhölzer Schlag als auch der Schlag auf der “Schrammer Heide” an einer stark befahrenen Strecke gelegen die überregionale Bedeutung hatte (zum Teil sicher identisch mit dem “Kriegerweg”, siehe hierzu unbedingt unsere Site “Neben den Wegen”). Der Standort der nahen Ginsburg lag außergewöhnlich günstig, was die Einflußnahme auf den Fernverkehr anging, kreuzten sich doch auf der Ginsberger Heide fast alle wichtigen Fernhandelsstraßen, die aus dem Siegerland in nördlicher und nordwestlicher Richtung hinausführten. So berührt der östliche Kriegerweg die Burg, die Eisen- und die Rothaarstraße verlaufen hier ein Stück weit gemeinsam und nach Osten zweigen Straßen nach Frankenberg/Fritzlar sowie nach Berleburg ab. Eine neuralgische Stelle des Fernverkehrs damals die man gut im Auge behalten musste und notfalls absperren wollte.

Reformation/Gegenreformation

Die lutherische Reformation, Fortführung der Reformation durch Calvin (schweizerische Reformation) durch innerdogmatische Gegensätze bei der lutherischen Reformation und letztlich auch die  Gegenreformation der katholischen Kirche waren für das Siegerland eine große Bedeutung. Die Einführung der lutherischen Reformation in der Grafschaft Nassau geschah um 1530 durch Graf Wilhelm dem Reichen (1487-1559). 1533 folgte die Verpflichtung der Pfarrer. In Hilchenbach vollzog sich der Wechsel wie an vielen Orten: Der im Amt befindliche katholische  Pfarrer Johann Dieffenbach  versprach, "den armen Leuten nach meinem besten Verstendnus Das Wort Gottes lauter Und clar Und sunst keine böse nebenaußlegung zu verkunten". Damit war er  lutherischer Pfarrer seiner bisherigen  Gemeinde, in der sich äußerlich wenig änderte. So folgte der Gottesdienst gemäß Luthers Deutscher Messe (1526) im Grundaufbau der herkömmlichen Liturgie,  jedoch unter Darreichung des  Altarssakramentes in beiderlei Gestalt. Beschwerlicher war dann der erneute Konfessionswechsel vom Luthertum zum Calvinismus mit Einführung des Heidelberger  Katechismus 1581 unter Graf Johann VI (1535-1606). Das Kirchenvolk vermißte die Zeremonien und stieß sich an der Art des Brotbrechens beim Abendmahl. Für den Calvinismus wurde die  Bezeichnung "reformierte Kirche" üblich. In dieser  Ausrichtung stehen die evangelischen Kirchen im Siegerland auch heute noch. Im Kloster Keppel vollzog sich die Reformation auf Wunsch des  nassauischen Grafen ebenfalls recht behutsam. Die  liturgische Fülle des lutherischen Gottesdienstes wurde erst durch die Fortführung der Reformation zum Calvinismus beseitigt.

Als Johann VI., Graf von Nassau, auch als der Ältere bezeichnet, am 8. Oktober 1606 verstarb, war das reformierte Kirchenwesen in seinen Landen zur sicheren und ausschließlichen Herrschaft gelangt. Noch konsequenter als es sein Vater, Wilhelm der Reiche, zu besorgen vermochte, war unter Graf Johann jede auch nur entfernt an die altkirchlichen Verhältnisse erinnernde Sakralie in den  vereinnahmten Kirchen, Kapellen und Klöstern entfernt oder vernichtet worden. "Mit wirklicher Abschaffung deren Götzen, Tafeln, Orgelen, Altarien, Kelchen undt Unordnung" sollte es "anstadt   denselbigen jedes Orts eines (Abendmahl-) Tisches undt Becher" nicht mangeln. Und als er gewahr wurde, daß mancherorts man immer noch in den Kirchen die alten Altarsteine "sunderlich unter den  Tisch leget, als ob man sie uff eine vorsorge zum vorrath behalten wollte", wies er für einen solchen Fall die Bürgermeister seines Landes an, daß "sie die steine aufheben oder mitt einem großen eisern  Hammer im Lager zerschmeißen lassen" sollten. Auch in der Stiftskirche in Keppel hatte man den Hauptaltar im Ostchor vollständig abgetragen.

Die selbst noch in der Reformationszeit unter Wilhelm dem Reichen von zahlreichen wallfahrenden fremden wie einheimischen Pilgern aufgesuchte Antoniuskapelle auf dem nahe gelegenen Ginsberg, eines der "unortigen wilden waltkirchen und kapellen", wohin man fortgesetzt ein "schedlich und ergerlich Geleuff" beobachtete, wurde unter Graf Johann VI. bis auf die Grundmauern abgerissen.  Es mochte wohl der Grundsatz gelten: " Aus den Augen aus dem Sinn". Doch das Festhalten an der  landesherrlich verordneten Denkart war nicht das Problem der Untertanen, denn ausgerechnet - Ironie der Geschichte - im eigenen Hause ereignete sich die Abkehr vom Calvinismus.

So hatte Johann VI. (des Älteren) Sohn, Johann der Mittlere, selbst erfahren müssen, was am Ende übrig bleibt, wenn nach dem Verfahren der seinerzeit üblichen Erbteilung die Ländereien auf mehrere  Brüder aufgeteilt werden. Während er die Grafschaft Nassau-Siegen erhalten hatte, bekam  sein Bruder Georg Nassau-Dillenburg und Ernst Casimir erhielt die Grafschaft Dietz und Johann Ludwig wurde Herr  über Hadamar. Johann der Mittlere hatte ebenfalls wieder zahlreiche Kinder und eine nochmalige Erbteilung wollte er für seine Nachkommenschaft vermeiden. Am 8. April 1607 setzte er ein Testament auf, das vorsah, daß der Erstgeborene die ganze Grafschaft erhalten  sollte, während den Nachgeborenen jeweils Abfindungen in Aussicht gestellt wurden. Die drei älteren Söhne aus der ersten Ehe, Johann Ernst (*1582), Johann (*1583) - genannt der Jüngere -  und Adolf (*1586) hatten die Erbregelung anerkannt und das Testament unterschrieben. Derweil geschah im Hause Nassau-Siegen etwas ganz Unerhörtes. Weihnachten 1613 teilte der zweitgeborene Sohn Graf Johann der Jüngere seinem Vater in Siegen brieflich mit: "Gott sei mein Zeuge, daß kein weltliches Interest oder Privatnutzen, dessen Gott mein Zeuge ist, sondern die  Begierde meiner Seelen Seligkeit mich bewogen hat, des Calvini lehre zu verlassen und mich zu der alten katholischen Religion, in welcher alle unsere löblichen Voreltern gelebt, zu begeben". Er gab noch einige weitere Gründe an und schickte dem Vater einige theologische Bücher, aus denen dieser sich genauer über die katholische Religion unterrichten können. In seinem Antwortschreiben beklagt  der Vater, daß sein Sohn "jämmerlich durch  das lose jesuitische Gesindlein verführet worden" und "daß er von unßerer wahren christlichen Religion  abgetreten und sich zu dem verfluchten abgöttischen Papsttum gewendet habe". Verbittert fährt er fort: "Mein Kind (...) ist so weit von den schelmischen Jesuiten gebracht, daß es nicht allein seinen Gott  verleugnet und die Seligkeit verscherzet, sonder auch das es in seiner Eltern, Verwandten, Bekandtenblut seine Hände zu besudeln von ihnen getrieben wird". Wie war es zur Konversion  gekommen? Johann der Jüngere begab sich  nach Studium und Schule nach Genf und später auf Kavaliertouren nach Frankreich und letztlich nach Italien. Dort wurde er 1602 in Neapel von den Spaniern als naher Verwandter von Moritz Prinz von Oranien (1567-1625) inhaftiert. Durch Vermittlung des Papstes Clemens VIII. konnte er befreit werden. Die Anwesenheit in Rom 1603, wo er dem Papst für  seine Vermittlung  dankte, wird vielleicht den entscheidenden Anstoß für die Hinwendung zum katholischen Glauben gegeben haben.Ein eingehendes Studium der religiösen Fragen und der Umgang mit den gelehrten  Männern - Jesuiten, wie man in seiner Heimat später argwöhnte - werden ihn bewogen haben, zehn Jahre nach den Ereignissen der Gefangenschaft den entscheidenden Schritt zu tun. 1612 trat er im Beisein des Papstes Paul V. und des Kardinalkollegiums zum Katholizismus über.

Der erstgeborene Sohn Johanns des Mittleren hatte sich ebenfalls jenseits der Alpen in militärischer Mission aufgehalten und dort als Befehlshaber einer venitianischen Truppe gewirkt. Am 27. September 1617 fiel Johann Ernst in Udine in Italien. Damit rückte der zweite Sohn nach, dem nach  vertraglicher Vereinbarung des Testaments von 1607 von jetzt an das Erstgeburtsrecht zustand. Das war in diesem Fall also der nunmehr seit vier Jahren zum katholischen Glauben konvertierte Johann  der Jüngere.  Hiermit schien sich eine Katastrophe für das reformierte Siegerland abzuzeichnen. Zu gern hätte der Vater das bereits aufgesetzte Testament ungeschrieben gemacht. Johann der Mittlere musste aber erkennen, daß das Testament in der Fassung von 1607 keinen rechtlichen Grund zur Enterbung gab. Die Möglichkeit einer Abkehr von reformierten Glauben war seinerzeit einfach noch  nicht bedacht worden, obgleich sich die Konversion seines Sohnes zu dieser Zeit schon angebahnt hatte. Johann der Mittlere wußte zudem, daß die kaiserliche und spanische Macht seinem Sohn zur  Seite stehen würde, wenn dieser in seinem Recht gekränkt würde. Ein weiterer Grund ließ es ihn ratsam erscheinen, sich in der Erbfolge zu arrangieren. Das gräfliche Haus war stark verschuldet, und immerhin mussten die  Nachgeborenen mit Apanagen ausgestattet werden. Die kleine Grafschaft gab aber nicht viel her. Das Siegener Ländchen hatte zu dieser Zeit gerade einmal 9000 Bewohner.  Johann der Jüngere warb um  die Hand der reichen katholischen Prinzessin Ernestine Yolande de Ligne (*1594), die aus Belgien stammte. Dem Vater kam diese Verbindung vom finanziellen Standpunkt her nicht ungelegen. So schickte er Gesandte zu den Brauteltern, die sein Versprechen übermittelten, daß er seinem Sohn das durch die Erstgeburt begründete Herrschaftsrecht belassen  wolle. Mit Rücksicht darauf kam die Hochzeit am 18. August 1618 in Brüssel zustande.

Um aber andererseits der Grafschaft Nassau-Siegen das reformierte Bekenntnis zu erhalten, hatte  Graf Johann der Mittlere seinem Sohn die Erklärung abgenötigt, daß er als künftiger Regent in Religionssachen nichts ändern, nur protestantische Beamte anstellen, die Prediger wegen Angriffen  gengen die katholische Kirche nicht strafen wolle. Am Silvestertag 1617 gelobte Johann der Jüngere weiterhin, "das gewesene (Franziskaner-)Kloster allhier, den Nassauischen Hof, und Keppel, in  dem  Stande zu lassen, wie es mein Herr Vater verordnet," und setzte hinzu: "im Fall ich etwas die Religion  belangend, in meines Herrn Vatters verlassenen Landen S(einer) Libden und der  Erbvereinigung zuwider handeln würde, daß mich alsdann damit de facto der Primogenitur (Erstgeborenenrecht) und Possession (Besitznahme) von Land und Leuten verlustigt gemacht haben  will". Diese Erklärung wurde in ihrem entscheidenden Sinn, wonach die "Einführung des Papsttums" bei Strafe der Enterbung  verboten wurde, am 22. Dezember 1618 in einem neugefasseten zweiten Testament fixiert.

Hinter dem Rücken seines Sohnes und Erbfolgers setzte der Vater schließlich am 3. Juli 1621 ein  drittes Testament auf. Im Widerspruch zu seiner im Ehepakt feierlich gegebenen Zusage beseitigte er  das Recht der Primogenitur (Erstgeborenenrecht) und zergliederte die Grafschaft in drei selbständige  Gebiete, die in folgender Weise unter die Söhne verteilt werden sollten:

1. Johann der Jüngere erhielt danach als Stammteil das Schloss Siegen, das Amt Netphen, in dessen  nördlichstem Winkel Keppel lag, aus dem Haingericht die Pfarreien Rödgen und Wilnsdorf, sowie  die Dörfer Kaan, Bürbach, Volnsberg und Weidenau, einige Höfe und Hütten und, infolge eines Nachtrags  vom 26. Januar 1623, auch den Ort Eiserfeld.

2. Sein jüngerer Bruder Wilhelm (*1592), der durch den frühzeitigen Tod von Adolf (+1608) und, wie bereits dargestellt, von Johann Ernst (*1617), in der Erbfolge nachgerückt war, erhielt den  zweiten Stammteil. Dazu gehörte das Haus Ginsberg, die Ämter und Kirchspiele Hilchenbach, Ferndorf, Krombach und ebenso aus dem Amt Netphen die Dörfer Kredenbach, Bottenbach, Buschhütten, letzteres zum Amt Ferndorf gerechnet, und Ruckersfeld und Oechelhausen zum Amt Hilchenbach.

3. Der übrige Teil fiel den Kindern aus der zweiten Ehe Johanns des Mittleren zu. Deren Erbteil  umfasste das frühere Franziskanerkloster in Siegen, das Amt Freudenberg und aus dem Haingericht die Dörfer Niederschelden, Selbach, Truppbach und Klafeld.

Gemeinsam sollte den drei Linien die Herrschaft in der Stadt Siegen und die Aufsicht über die Kirchen, Schulen, Hospitäler, insbesondere auch über das Stift Keppel zustehen. Am 27.  September 1623, zwei Jahre nach Aufstellung des dritten und letzten Testaments, starb der Vater Johann der Mittlere. Im  Nachhinein betrachtet sollte ihm die Hinderung der Rekatholisierung des  Siegerlandes zur zu einem Teil gelungen sein. Er hatte es auch nicht mehr erleben müssen, daß sein Bruder Johann Ludwig 1629  zum katholischen Glauben übertrat und mit ihm die Nassauische Grafschaft Hadamar.

Nach dem Tod Graf Johanns des Mittleren erschienen seine Söhne alsbald im Siegerland, darunter Johann der Jüngere mit Gemahlin am 26. Oktober 1623. Er war mit einem kaiserlichen Mandat   versehen, worin das letzte Testament, das der Vater ohne sein Wissen aufgesetzt hatte, für ungültig erklärt wurde, zumal er sich auch um die Zusage der Primogenitur (Erstgeborenenrecht) getrogen sah. Ein anderes kaiserliches Mandat vom 20. November desselben Jahres gebot der Stiefmutter und den Söhnen des verstorbenen Grafen, ihren Bruder Johann an dem Antritt der Regierung nicht zu hindern. Weihnachten und Neujahr 1624 wurde erstmals in der gräflichen Residenz in der oberen Burg in Siegen wieder die Heilige Messe gefeiert. Als Priester hatte Graf Johann zwei Jesuiten aus  Köln kommen lassen. Am 8. Januar 1624 ließ er dem Prediger in der Klosterkirche (Johanniskirche in Siegen) die Schlüssel abfordern, anstelle des Predigtstuhls wurde ein Altar errichtet.

Der reformierte Stadtschreiber notierte wenige Tage darauf: "am 11. Januar hat der Graf die Kirche weihen und Messe darin lesen lassen, wie auch vier Freudenschüsse auf dem Hayn gethan worden", und der Chronist konnte sich des Stoßseufzers nicht enthalten: "Gott woll sich darüber erbarmen."  Einen Tag später nahm Johann die Huldigung der Stadt entgegen, am darauffolgenden Tag huldigte das Land, ausgenommen das Amt Hilchenbach, das er infolge eines Vergleichs seinem vollbürtigen (protestantischen) Bruder Wilhelm überlassen hatte. Seine Stiefmutter und Halbbrüder legten  Protest ein, konnten aber die Besitzergreifung durch Johann den Jüngeren nicht verhindern.

War Johann der Jüngere zunächst so behutsam vorgangen, daß er die Bürger nicht dazu zwang, ebenfalls katholisch zu werden, sondern ihnen den Glauben beließ, den sie hatten, so schlug er,  nachdem der nach zweijähriger Abwesenheit bemerkte, daß sein Vorgehen mißbraucht worden  war, eine härtere Gangart an. Sein Befehl, nach dem den Bürgern die Religion vergönnt sei, sie aber "alles  Schelten und Lästern gegen die katholischen Religion einstellen" sollten, war nicht beachtet worden. Am 6. Juni 1626 befahl er die Vertreter der Stadt zu sich auf das obere Schloß, alle Kirchen und deren Zubehör seien von den bisherigen Besitzern dem Grafen zu übergeben.  Reformierte Prediger wurden des Amtes enthoben. Die Bürger, die nicht sogleich zur katholischen Religion entschließen konnten, durften sich einstweilen auf ihre eigenen Kosten außerhalb der Stadt einen Prediger bestellen. Die Kirchenschlüssel sollten sofort, das Inventar binnen drei Tagen ausgeliefert werden. Der katholische Kirchenkalender musste fortan beachtet werden. Alle hatten  dem katholischen Gottesdienst beizuwohnen.

Die Festschrift der reformierten Kirche (siehe Quellennachweis) führt dazu aus, daß die  Landesteilung von 1823 im Siegerland zu einer Glaubensspaltung, die für einen Teil des Landes traurige Folgen hatte. Ein Hort des reformierten Glaubens sei Hilchenbach geblieben und nicht wenige Menschen aus den  katholischen Gebieten hätten hier Zuflucht gesucht.

Die gegenreformatorischen Bewegungen unter dem katholischen Grafen Johann VIII von Nassau  (1623-1638) berührten also Hilchenbach nur wenig, um so mehr jedoch Stift Keppel. Während das Amt Hilchenbach auf Grund der Vereinbarung mit dem jüngeren Bruder Wilhelm von ver Umstellung auf die katholische Konfession unberührt blieb, ging es dagegen im benachbarten Stift Keppel kaum drei  Wochen nach der Verkündigung des Religionsedikts gleich zur Sache. Am 30.  Juni 1626 erging der Befehl an die Äbtissin Maria von Effern, Anna Maria von der Hees und sämtliche Jungfrauen zu Keppel,   "alsbald aller Verwaltung des Klosters Keppel und er dazu  gehörigen Güter sich zu entmäßigen (....), sich selbst in sechs Wochen bei ihren Verwandten, oder anderswohin, nach Gelegenheit einer jeden zu begeben und dem Rentmeister, Christoph Altgelden,  in Vertretung des Grafen sofort die Schlüssel zur Kirche, binnen drei Tagen alle Briefschaften des Klosters und ein Verzeichnis des Inventars auszuhändigen". Als die gesetzte Frist von sechs Wochen ablief, versuchte die Äbtissin Anfang August in einem vom gesamten Kapitel unterzeichneten Protest den Landesherrn darauf hinzuweisen, daß sie  (als Reformierte) nicht  eingedrungen, sondern durch seines eigenen Vaters gnädige Bestimmung rechtmäßig eingesetzt worden sei. Auch die Ritterschaft des Landes regte sich, nachdem bekannt geworden war, daß der  Graf beabsichtige, das bisherige Fräuleinstift den ins Land gerufenen Jesuiten zur Verfügung stellen zu wollen. Die Stiftsinteressenten - es waren vor allem Vertreter jener Adelsgeschlechter, die unter der Herrschaft Johanns des Jüngeren wieder den katholischen Glauben angenommen hatten - verfassten am 15. August in Ferndorf eine Resolution, in der sie sich erlaubten, den Grafen darauf  aufmerksam zu machen, daß Keppel vom Adel für adlige Frauen gestiftet worden sei. Gegen eine Rekatholisierung hätten sie nichts einzuwenden, aber gegen eine Union mit dem  Jesuitenkolleg wollten sie mit allem Nachdruck protestieren, wie sie es auch schon zuvor bei Einführung des Protestantismus getan hatten. Zwar hoben sie nebenbei ein Anrecht des  Prämonstatenserordens auf  Keppel hervor, machten aber doch in erster Linie deutlich, daß sie vor allem ihre Interessen, das Kloster Keppel als Versorgungsanstalt für die Töchter ihrer Familien zu  erhalten, gewahrt sehen möchten.

Graf Johann jedoch ließ die Briefschaften durch den Aufmarsch von 80 Schützen den Jesuiten übergeben. Das Kloster sei von ganz und gar unqualifizierten Personen occupiert worden und mithin  zu  übertragen. Am 14. September 1626 hielt der Jesuitenkonvent von Siegen in Keppel Einzug. Die Fräulein hatten zuvor das Stift verlassen müssen. Der Graf hatte jedem 100 Gulden ausgezahlt und die  nicht unerheblichen Gesamtschulden des Konvents von 2588 Gulden getilgt. Stift Keppel diente den Jesuiten jedoch nur als wirtschaftlicher Stützpunkt. Nicht einmal die Stiftskirche wurde zu   gottesdienstlichen Zwecken wieder hergerichtet und auch von einer von Keppel ausgehenden geistlichen Versorgung der umliegenden Gemeinden ist für diese Zeit nichts zu erfahren.

Simultaneum

Aufgrund des Westfälischen Friedens von 1648 erfolgte im Dezember 1650 die Wiederherstellung als evangelisches Stift. Als zum Hoheitsgebiet des katholischen Johannlandes (Amt Netphen) gehörend,  ergaben sich für Stift Keppel erhebliche Spannungen, die man durch ein Simultaneum auszugleichen versuchte. Der Konvent bestand je zur Hälfte aus adeligen Damen reformierten und katholischen  Bekenntnisses. Die Äbtissinnen folgten abwechselnd dem einen oder dem anderen Bekenntnis. Dieser Zustand endere mit der Aufhebung kirchlicher Landesherrschaft in der napoleonischen Zeit (1803).

Kalenderdifferenz

Zu den Merkwürdigkeiten der konfessionellen Gliederung des Siegerlandes gehörte auch das Aufeinandertreffen zweier Kalendersysteme, für die es bis zu Beginn des Jahres 1700 keine   Übereinstimmung gab.

Seit 1582 war bei den Katholiken der Gregorianische Kalender gültig. Papst Gregor XIII. (1502 - 1582)  hatte nach eingehenden Beratungen mit dem italienischen Astronomen Lilius und einem  deutschen Mathematiker, dem Jesuiten Clavius, sich zur Reform des bislang gebräuchlichen römischen bzw.  Julianischen Kalenders entschlossen. Dieser seit 46 v. Chr. unter Gaius Julius Cäsar eingeführte Kalender, der seinerzeit die vordem übliche lunare Monatsbemessung mit ihrer Unstimmingkeit zum  jährlichen Sonnenzyklus abgelöst hatte, hinkte zu Beginn des 16. Jahrhunderts  bereits 13 Tage hinter dem tatsächlichen Jahressonnenstand hinterher. Es war der Kirche ein wichtiges Anliegen, die auf  bestimmte Kalenderdaten festgelegten Feiertage in Übereinstimmung mit  dem Sonnenjahr zu halten. nach dem herkömmlichen Julianischen Kalender wuchs die Diskrepanz alle 128 Jahre um einen weiteren Tag.

So veranlaßte Papst Gregor 1581, das auf die Verkündigung folgende Jahr um zehn Tage zu kürzen (im katholischen Deutschland wurde der Gregorianische Kalender erst 1583 eingeführt). Hierzu ließ  man die Tage vom 5.bis 14. Oktober ausfallen, und ordnete weiterhin an, daß das Korrektursystem, das durch Schaltjahre geschaffen worden war, zu überarbeiten sei, indem  innerhalb von vier Jahrhunderten drei Schaltjahre gleichermaßen wie die normalen Jahre nur 365 Tage lang sein sollten. Infolgedessen ist der Gregorianische Kalender bis auf einen Tag innerhalb  von 3323 Jahren genau. Bis auf den heutigen Tag hat sich diese Kalendereinteilung bewährt und ist allgemein in Gebrauch gekommen.

Aber noch bis Ende des 17. Jahrhunderts machten die Reformierten, offensichtlich bestimmt durch die  allgemeine Ablehnung gegenüber allem Päpstlichen, die Kalenderreform nicht mit. Sie behielten  den Julianischen Kalender bei, mit der Folge, daß die Feier der unbeweglichen kirchlichen Hochfeste auf  unterschiedliche, im 17. Jahrhundert schließlich um elf Tage abweichende Daten fielen. Es verwundert daher auch nicht, daß Urkunden und Korrespondenzen, die dieserzeit in deutschen Landen  ausgetauscht wurden, bisweilen mit einer Doppeldatierung versehen sind.  Innerhalb von Landesteilen, deren Bevölkerung einheitlich einer bestimmten Konfession angehörte, war diese Kalenderdifferenz ohne Bedeutung. Das galt auch für Siegen-Nassau bis zum Ableben des reformierten Grafen Johann des Mittleren. Erst mit seinem Sohn, dem zum katholischen Glauben konvertierten Johann dem Jüngeren, in  dessen Stammteil gleich ihm Teile der Bevölkerung wieder katholisch wurden, hatte die Uneinigkeit in der Kalendereinteilung im täglichen Zusammenleben der konfessionsverschiedenen Untertanen  praktisch erfahrbare Konsequenzen, so hatte Graf Johann der  Jüngere am 6. Juni 1626 bestimmt:

"Derowegen wir hiermit ordnen und wollen ernstlich, daß man in dießer unßer Stadt und Landt den  corrigirten allgemeinen Catholischen Kirchenkalender auff und annehmen solle und zukünftiger Montag, welcher nach dem uncorrigirten Calender der 28. Maji ist, soll man schreiben den achten  tag  Brachmonatz (= Juni), ahm Dienstag den neunten und alßo die abtheilung der Zeit und Festtag nach dem corrigirten Calender hinfüro zu continuiren."

Damit waren zehn Tage gestrichen worden. Der Gleichtakt der Wochentage blieb selbstverständlich bei allem noch erhalten und der Sonntag war allen als Ruhetag der Werkwoche gemein, aber bei den kirchlichen Festtagen machte sich die Kalenderdifferenz deutlich bemerkbar. So feierten beispielsweise die Katholiken wie die Reformierten nach altem Brauch der Christenheit am 25.  Dezember  Weihnachten. Dennoch war der 25. Dezember nach dem alten Julianischen Kalender nicht zeitgleich mit dem 25. Dezember nach dem korrigierten Gregorianischen Kalender. Konkret:  Während die Katholiken schon das Neujahrsfest hinter sich hatten und bereits den 4. Januar schrieben, feierten die Reformierten erst noch das Geburtsfest des Herrn. In den Simultankirchen war die Kalenderdifferenz  unmittelbar spürbar (da Keppel zum Kirchspiel Netphen gehörte und zudem auch von einem Simultaneum betroffen war, waren dort die Differenzen in der Zeitrechnung  von Bedeutung). Während die Katholiken bereits die Christmette gefeiert hatten, verkündeten nur wenige Zeit später in derselben Kirche die evangelischen Prediger die noch bevorstehende Ankunft des Herrn. Abgesehen von den kirchlichen Festtagen hatten sich ja auch weltliche und geschäftliche Regelungen an den Vorgaben des Kirchenjahres orientiert (z.B. Jahresanfang, Zinstage, Gesindewechsel etc.). Auch hier schuf der  Kalenderdissens fortwährend Probleme.

Erst 1700 ließ die Regentin Ernestine Charlotta von Nassau von den Kanzeln der reformierten  Gemeinden bekanntgeben, daß ab dem 18. Februar elf Tage zu übergehen seien und gleich der 1. März geschrieben werde. Damit schloss sich auch Nassau der allgemeinen Annahme des  gregorianischen Kalenders in den protestantischen deutschen Ländern an.

Oster-Dissens

Von evangelischer Seite  wurde allerdings im Hinblick auf die Festlegung des beweglichen Ostertermins die astronomische Bestimmung des Ostervollmonds gegen die bislang übliche zyklische Berechnung eingeführt. Die zyklische Vollmonddatierung wird in Intervallen und vereinfachend in  ganzen Kalendertagen additiv aufgerechnet, bei der astronomischen Feststellung werden die Stunden, bzw.  Minuten, Sekunden vor bzw. nach Mitternacht berücksichtigt. Für die Berechnung des Ostersonntags, der seit altersher als erster Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond bestimmt wurde, hat das in der  Regel keine Bedeutung, nur wenn die astronomisch und die zyklisch  berechnete Ostergrenze verschiedenen Wochen oder verschiedenen Jahreszeiten (im Verhältnis zur zeitlichen Lage des Frühlingsanfangs) angehören, gibt es Probleme. Der seltene Fall trat gerade im folgenden Jahrhundert in den Jahren 1724 und 1744 auf, in denen die Protestanten Ostern und die weiteren darauf  abgestimmten Tage des Kirchenjahres eine Woche früher als die Katholiken feierten.

In Siegen-Nassau (und mithin auch im zum Kirchspiel Netphen gehörenden Stift Keppel) kam aber noch ein weitaus schwerwiegenderes Hindernis zur Auswirkung,  indem für die evangelische Seite  angeordnet wurde, das Osterfest nicht mehr als kalendarisch bewegliches Fest zu handhaben, vielmehr den 11. April als Fixdatum festzulegen. Im Jahre 1700 fiel das Osterfest nach dem  verbesserten  Gregorianischen Kalender gerade auf diesen 11. April. In der bisherigen kirchlichen Tradition war es üblich (und ist es auch heute noch), Ostern immer auf einen Sonntag zu legen.  Schon die Evangelisten stimmten ausnahmslos darin überein, daß sich die Auferstehung des Herrn am   e r s t e n   Tag der jüdischen Woche ereignete. Seitdem heiligen die Christen im Gedächtnis des Osterereignisses diesen Tag, wie auch im ganzen Jahr jeden ersten Tag der Woche, als Sonntag.

Welche Konsequenzen hatte nun die Festlegung des Ostertages auf den gleichbleibenden Termin 11. April?

1. In der Zeit von 1700 bis 1775, so lange also die Regelung beibehalten wurde, fiel für die evangelischen Christen nur zwölfmal die Osterfeier auf einen Sonntag.

2. Nur viermal in dieser Zeitspanne, (1700, 1751, 1762 und 1773), feierten die Reformierten am gleichen Tag wie die Katholiken das Osterfest.

3. In 40 Jahren feierten die Katholiken "ihr" Ostern noch vor dem Passionstag der Evangelischen, dreimal fiel der Ostertag genau auf diesen Tag.

Man wird sich unschwer vorstellen können, welchen Mißhelligkeiten damit Vorschub geleistet wurde. Erst mit dem Jahr 1775 kam man endlich kalendermäßig mit den Katholiken überein, nunmehr auch im  Hinblick auf den beweglichen Ostertag Einheitlichkeit zu schaffen.

Pietismus - Erweckungsbewegung

Der Pietismus (kommt vom lateinischen pietas = Frömmigkeit) entstand am Ende des 17. Jahrhunderts und war bis ins 18. Jahrhundert wirkte. Sie wollte die Erstarrung des protestantischen Glaubens durch  eine neue Reformation überwinden suchen. Anstelle kirchlicher Formen setzte der Pietismus die Lebensgemeinschaft ernsthaft gläubiger Christen und suchte dort das religiöse  Persönlichkeitsideal zu verwirklichen. Glauben verbunden mit Frömmigkeit, Gehorsam und Tugendstreben. Die privaten Erbauungsversammlungen, individuelle Seelsorge, religiöse  Jugendunterweisung, das reiche Liedgut und die Aktivierung der Laien riefen aber auch den harten Widerspruch der Amtskirche hervor.

Zwar hatte der Pietismus seit den 1770er Jahren auch im Siegerland an Einfluß verloren, bildete jedoch die Basis für den Aufschwung der Erweckungsbewegung. Vertreter des späten Pietismus  wie  Jung-Stilling fanden großen Anklang. Nach 1820 verbreiteten sich trotz des Widerstandes von Kirche und Staat die als Erbauungsversammlungen veranstalteten Zusammenkünfte der Erweckungsbewerung  sehr stark im Siegerland. Kaum eine Ortschaft blieb ohne sie. Auch in Hilchenbach existierte nach 1830 ein solcher Kreis mit etwa 40 Personen. Im westfälischen Raum  ist das Siegerland bis heute das  klassische Land der zum Teil außerhalb der evangelischen Landeskirche stehenden Gemeinschaften.

Hofhaltung in Hilchenbach

Graf Johann VII (der Mittlere) verfügte in einem Testament (siehe vorstehende Ausführungen) 1621 zur Erhaltung des reformierten Bekenntnisses die Teilung seines Landes unter seinen Söhnen in drei  Stammteile. Mit dem Ableben Graf Johann des Mittleren im Jahr 1623 wurde sie dann vollzogen. Graf  Wilhelm, geb. 1592, erhielt mit den Ämtern Hilchenbach und Ferndorf-Krombach den zweiten Stammteil. Dabei wurden Ruckersfeld und Oechelhausen dem Amt Hilchenbach zugeschlagen. Graf Johann  VII hatte testamentarisch für die Hofhaltung seines Sohnes Wilhelm die Ginsburg bestimmt. Da die Gebäude in einem sehr schlechten Zustand waren, wurde sie 1622 in das zuvor der Adelsfamilie Wischel vonLangenau gehörende Schloß in Hilchenbach verlegt. Graf Wilhelm war selten in Hilchenbach, da er die meiste Zeit in holländischen Kriegsdiensten stand und 1642 ohne Erben an einer schweren Verwundung verstarb. Von 1642 bis 1679 war dann sein Halbbruder Graf Johann Moritz an seiner Stelle Landesherr in

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Hilchenbach, residierte allerdings nicht hier.

1645 vereinte Graf Johann Moritz das Amt Hilchenbach mit den übrigen evangelischen Ämtern.  Verwaltungssitz war Siegen. Der Neffe von Graf Johann Moritz, Fürst Wilhelm  Moritz, den er adoptiert hatte, residierte oft in Hilchenbach. Er war von 1679 bis 1691 Hilchenbacher Landesherr und hat  viel für Hilchenbach gewirkt. So wurde 1683 mit erheblichen Aufwendungen mit dem Bau eines  neuen Schlosses begonnen. Dieses Schloß war der Vorgänger der heutigen Wilhelmsburg. (Umfangreicher Grundstückstausch mit Hilchenbacher Grundeigentümern war vorausgegangen. Namen wie "Herrenwiese", "Herrnberg", "Wildgarten" und "Rondellswiese" geben noch heute Hinweise von dem Ausmaß der Schloßanlage. Die Abbildung 19 oberhalb des obigen Bildes 20 mit der Aufteilung der herrschaftlichen,  bürgerlichen bzw. mit der Straßenrandbebauung zeit die Wilhelmsburg mit Wirtschaftsgebäude und Burgweiher im Jahre 1925. Seinerzeit war die Wilhelmsburg noch ein Wasserschloß. Die erwähnte obenstehende Abbildung zeigt die Aufteilung  Hilchenbachs um 1680 in herrschaftlichen Besitz (braun eingezeichnete Gebiete Herrenwiese, Herrenberg, Burgweiher und Herrengarten), bürgerlichen Besitz (orange eingezeichnete Gebiete mit

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Kampegarten, Gasse, In der Hilchenbach, Kirchberg, Nickelnhof, Marktfeld, Auf dem Damm, Rondeelswiese und Mühlenweiher Garten) und in Zonen mit Straßenrandbebauung (gelbe Zonen).

Die evangelische Kirche in Hilchenbach erhielt einen Fürstenstuhl, einen turmartigen Rundbau auf der  Ostseite mit einem Saal, von dem aus die Landesherrschaft den Gottesdiensten beiwohnte. Die  Festschrift der reformierten Kirche aus dem Jahre 1996 besagt, daß die Nassauer Landesherren, die seit 1654  den Fürstentitel trugen, der Hilchenbacher reformierten Kirchengemeinde wichtige Zuwendungen gemacht hätten. So habe Graf Johann Moritz der reformierten  Kirche 1664 einen silbernen  Abendmahlkelch geschenkt, auf dem Namen und Wappen des Spenders eingraviert war. Im Jahre 1680 stiftete Fürst Wilhelm Moritz eine silberne Abendmahlschüssel.

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Die heutige "Wilhelmsburg" (siehevorstehendes Bild 21), ehemaliges Nassauisches Landesschloß, ist  1776 auf älteren Fundamenten entstanden und wurde 1844/1846 erweitert. Namensgebe r war Wilhelm  Graf von Nassau-Siegen (wie zuvor erwähnt 1592-1642). Bereits eine Urkunde vom 20. Juli 1365 läßt den Schluß zu, daß an gleicher Stelle bereits ein "festes Haus"  gestanden hat. Ein  Großbrand am 1. Mai 1689 vernichtete das Wasserschloß und den Flecken Hilchenbach bis auf ein Haus auf dem Damm und vier Häuser in der Gasse. Der Wiederaufbau der “Wilhelmsburg” erfolgte 1690/91, er  wurde aber nicht komplett ausgeführt, weil Fürst Wilhelm Moritz im Jahre 1691 starb.  Die Bauleitung hatte der fürstliche Baumeister Hans Peter Rembold aus Gummersbach, der 1691 das Hilchenbacher Bürgerrecht auf Begehren des Fürsten hin erhielt.  Mit dem Zimmermeister Mannus Riedesel aus der Melbach bei Berleburg, der schon einige

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Bürgerhäuser gebaut hatte, wurde auf Errichtung des unteren Stockwerks der Burg nach dem Riß des Baumeisters abgeschlossen. Die Burg sollte zwei Türme erhalten, 15 Türen und 57 Fenster. Der Baumeister freilich war mit Riedesel wenig zufrieden, er sei zu teuer und “nicht cumpabel genug, das fürstliche Haus zu bauen, das so viel Geld kostet, da er sein Lebtag sölchig Gebäu nicht hat sehen machen und auch kein Abreiß verstehet”. Bis zum vorzeitigen Ende der Bauarbeiten war nur das untere Stockwerk  von den großzügigen Bauplänen errichtet. Der Neubau des jetzigen Amtshauses und Heimatstätte des Stadtmuseums entstand 1776. Bis 1976 war dann das  Amtsgericht dort untergebracht.

Fleckenrechte für Hilchenbach

Selbständigkeit des Amtes Hilchenbach sowie die Residenz des Fürsten in Hilchenbach haben das Wirtschaftsleben erheblich gefördert. Am 1. Mai 1687 erhielt das Dorf Hilchenbach mit einem  Freiheitsbrief des Fürsten Wilhelm Moritz die Fleckenrechte. Das Fleckenprivileg enthielt im einzelnen für die zu Bürgern erhobenen Einwohner

- das Recht, den Flecken mit neuen Toren, Mauern, Gräben oder Palisaden zu befestigen

- das Recht, alljährlich am 1. Mai mit Stimmenmehrheit einen alten und einen jungen Bürgermeister zu wählen

- jährlich zwei Jahrmärkte abzuhalten

- Marktstandsgelder sowie Wegegelder zu erheben

- die herrschaftlichen Güter zur Viehhude des Fleckens zu nutzen

- die Befreiung von einem Großteil landesherrlicher Abgaben und von sämtlichen Hand-, Spann- und sonstigen Diensten

- die Förderung der Justiz durch die Einsetzung eines Richters und eines Gerichtsschreibers

- Förderung des Handwerks durch Vermehrung der Zünfte

- zuziehende Bürger hatten ihre eheliche Geburt und guten Leumund nachzuweisen, 10 Reichstaler (Frauen nur 5 Reichstaler) zu zahlen und einen ledernen Eimer zur Brandbekämpfung einzubringen

Für diese Rechte und Freiheiten erhielt der Fürst eine einmalige Entschädigung von 6.200  Reichstalern, die auf 77 Feuerstätten mit je mindestens 80 Talern umgelegt wurden. Das war sehr viel Geld, so  daß man zweifeln kann, ob der Freiheitsbrief für Hilchenbach ein  Geschäft war.  Ideelle Vorteile wie die größere Selbstverwaltung, das erhöhte Selbstbewußtsein, damit der größere Lebensgeist, stärkere  Verpflichtung für die Förderung der geistigen Kultur waren ein dauernder Gewinn. Den Fleckenbewohnern wurde von ihren Nachbarn auf dem Lande jedoch auch eine gewisse Überheblichkeit nachgesagt. Diese Einschätzung ist durch Jung-Stillings Jugenderzählung auch in die deutsche Literatur eingegangen. So schreibt Heinrich Jung-Stilling in seinem Werk "Henrich  Stillings Jugend": "In Westfalen liegt ein Kirchsprengel in einem sehr bergichten Landstriche, auf dessen Höhen man viele  kleine Grafschaften und Fürstentümer übersehen kann. Das Kirchdorf heißt Florenburg (so nannte Jung-Stilling  Hilchenbach); die Einwohner aber haben von alters her einen großen Ekel vor dem Namen  eines Dorfes gehabt und daher, ob sie gleich auch von Ackerbau und Viehzucht leben müssen, vor den Nachbarn, die bloße Bauern sind, immer einen Vorzug zu behaupten gesucht, die ihnen aber auch  dagegen nachsagen, daß sie vor und nach den Namen Florendorf verdrängt und an dessen Statt Florenburg eingeführt hätten; dem sei aber wie ihm wolle, es ist wirklich ein Magistrat daselbst, dessen Haupt zu meiner Zeit Hohannes

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Henricus Seultetus war. Ungeschlachte, unwissende Leute  nannten ihn außer dem Rathause Meister Hans, hübsche Bürger pflegten doch auch wohl Meister Schulde zu  sagen" (Die obenstehende Skizze zeigt das "Ambt Hilgenbach im Jahre 1720). Obwohl die Erhebung zum Flecken zu den ewigen Tagen erfolgt war, holten die Hilchenbacher doch, der Gewohnheit des Lehnsrechtes folgend, bei jedem neuen Fürsten die Bestätigung ein.

Mit dem Tod von Wilhelm Moritz endete die Hofhaltung in Hilchenbach. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts war Hilchenbach mit 300 – 400 Einwohnern nach der Stadt Siegen der größte Ort der  Grafschaft Nassau-Siegen.

Großbrände vernichten den Flecken Hilchenbach

Zwei Jahre nach Erteilung des Freiheitsbriefs brach durch Unvorsichtigkeit beim Hantieren mit Pulver in der Wilhelmsburg ein Feuer aus, das sich durch Funkenflug über die damals näher zusammenstehenden und strohgedeckten Häuser so rasch und wo weit verbreitete, dass am Abend des 1. Mai 1689 der ganze Ort bis auf fünf Häuser, vier in der Gasse und eins auf dem Damm, den Flammen zum Opfer fiel. Auch die Kirche war schwer beschädigt, der alte Turm verbrannt, die Glocken geschmolzen. Fürst Wilhelm Moritz war selbst in Hilchenbach und sah den ganzen Jammer vermutlich von der heutigen Wilhelmsburg aus. Hilchenbach hatte Glück, das er seine besondere Hilfe leistete, da der Wiederaufbau aus eigenen Kräften nicht so schnell möglich gewesen wäre. Von der Wilhelmsburg blieb nicht viel übrig, die vier Häuser in der Gasse hat spätestens der Brand von 1844 vernichtet. Ob das Haus auf dem Damm dann noch stand ist nicht überliefert. Nach den Hausinschriften hat die Wiederherstellung mindestens drei Jahre gedauert. Obwohl die Häuser in Notzeiten gebaut wurden, machen sie noch heute den Eindruck von Festigkeit und Behäbigkeit und bieten ein Wahrzeichen des damaligen Bürgergeistes. Die Kirche wurde in den 1690er Jahren wieder ausgebessert, die Glocken neu gegossen. Der Turm wurde wohl erst 1704 mit der eigenartigen Barockhaube versehen (siehe Abbildung 7 weiter oben). Wahrscheinlich wurde der Unterbau des steinernen Turmes um ein Stück erhöht. Das Pfarr- und das Schulhaus entstanden neu. Der Marktplatz erhielt damals seine großzügige Anlage.

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Zwei Tage nach der Grundsteinlegung am Kirchenneubau am Markt entstand am 26. April 1844 der zweite große Stadtbrand, der die Häuser an der nördlichen Marktseite, in der Hilchenbach (heutige Hilchenbacher Straße) und in der Gasse einschließlich der Müllerschen Gerberei (heutige Gerbergasse und Schützenstraße) bis auf wenige Ausnahmen in Asche legte, insgesamt 52 Gebäude. Auch das Haus des Bürgermeisters Reifenrath, das am Markt neben Brüchers lag, fiel den Flammen zum Opfer.

Durch den so genannten Retablissementsplan (Wiederherstellungsplan) setzte der Aufbau nach Entwurf des Baumeisters Althoff und unter Leitung des Gerichtsschöffen Kaz beschleunigt ein, auch auswärtige Hilfe wurde gewährt. Es kam jedoch zu langwierigen Streitigkeiten. Der Bürgermeister selbst, der gleich, schon um die Geschäfte weiterführen zu können, im Bruch ein neues Haus erstanden hatte, musste seinen schönen Grundbesitz zum Bau der Rothenberger Straße abgeben und wurde infolge kleinlicher Entscheidungen noch von den Steuernachlässen für die Brandgeschädigten ausgeschlossen, so dass man das betrübliche Schauspiel erlebte, dass der Bürgermeister jahrelang gegen die eigene Stadt im Rechtsstreit lag. Aber auch sonst führte der Wiederaufbau zu allerhand Unzufriedenheit, da man erst die gleichen Plätze beim Neubau teurer anrechnete als bei der Zahlung der Entschädigung. Die Stadt hatte für eine planvolle Neubebauung und Planung von Straßen die gesamte Fläche aufgekauft, völlig neu parzelliert und dann an Interessierte meistbietend verkauft.

Das Bild 24 zeigt den Zustand des Marktplatzes im Jahr 2007. Die Anordnung der Fachwerkhäuser rechts und links vom heutigen Rathaus und der Wilhelmsburg ist im Wesentlichen in Folge der zwei beschriebenen Stadtbrände entstanden. Nach dem ersten Stadtbrand im Jahr 1689 wuchs die rechte, giebelständige Häuserreihe. Nach dem zweiten Stadtbrand am 24. April 1844 wurde die Traufständigkeit der Häuser vorgeschrieben, da “die höchst schädlichen feuerfangenden Dachrinnen zwischen den Gebäuden” vermieden werden sollten. Da jedoch gleichzeitig Stroh- oder Holzdächer verboten und ausschließlich Steindächer und Metallrinnen erlaubt wurden, erübrigte sich die traufständige Bauweise eigentlich

Die Regierungsgewalt verläßt das Siegerland

Nachdem die reformierte und die katholische Linie des Hauses Nassau-Siegen ausgestorben war  (1734 bzw. 1743), ging die Regierungsgewalt für ein halbes Jahrhundert an die Diezer Linie des Hauses Nassau in den Niederlanden über. In Dillenburg wurden für die nassauischen Stammlande  die Zentralbehörden gebildet, während in Siegen nur ein Unterdirektorium für Gerichts- und  Verwaltungssachen verblieb. Hilchenbach verlor seine lokalen Amtsbehörden. Erst 1775 wurde Hilchenbach wieder Sitz eines Amtsmannes, der außer für das alte Amt Hilchenbach noch für die  Kirchspiele Ferndorf und Krombach (die heutige Stadt Kreuztal) und für die Orte Buchen, Maustal, Herzhausen und Hillnhütten aus dem Kirchspiel Netphen zuständig war.

Das 17. und 18. Jahrhundert und der Einfluß durch Napoleon

Von den Einwirkungen der Kriege im 17. und 18. Jahrhundert blieb Hilchenbach weitgehend verschont. Durch Einquartierungen, Kontributionszahlungen, Requisitionen, Plünderungen und  Fouragelieferungen wurden die Einwohner jedoch materiell stark belastet. 1806 hatten die Franzosen dem letzten deutschen Oranier Wilhelm Friedrich von Nassau-Oranien, der dem  Rheinbund nicht beigetreten war, die deutschen Stammlande genommen.

Im Gefolge der napoleonischen Eroberungspolitik schlug man das Fürstentum Siegen dem von Frankreich neu gebildeten Großherzogtum Berg zu. Nach französischem Vorbild war das  Großherzogtum in Départments, Arrondissements und Mairien eingeteilt. Damit wurde das Sieg Départment mit Sitz in Dillenburg geschaffen. Hilchenbach mit dem zugehörigen Amt war nun Mairie  und gehörte zum Kanton Netphen, der zwischen Mairie und Départment mittlieren  Verwaltungsebene. Die Hilchenbacher Gerichtsbehörde wurde nach Netphen verlegt. 1809 wurde die alte Fleckenordnung  von 1687 aufgehoben. Bürgermeisterwahlen gab es nicht mehr. Dem Maire  ordnete man 2 Beiräte und 16 Munizipalräte zu. Die Isolierung vom Weltmarkt durch die 1806 von Napoleon zur Schwächung Englands verhängte Kontinentalsperre traf in Hilchenbach vor allem das Gerbereigewerbe und die Weberei, die auf Rohstoffeinfuhren angewiesen waren. Hinzu kamen Zollbarrieren, die Hilchenbach von den zu Hessen-Darmstadt geschlagenen kölnischen und  wittgensteinischen Landen trennte. Drückend bemerkbar machte sich außerdem eine Vielzahl von Steuern, Abgaben und Einquartierungen. Positive  Auswirkungen hatten die französischen  Maßnahmen in gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, rechtlichen und verwaltungstechnischen Angelegenheiten wie z.B. die Durchsetzung der Gewerbefreiheit und die Aufhebung ständischer Sonderrechte.

Rheinprovinz und Provinz Westfalen

Nach dem Zusammenbruch des französischen Imperiums wurde 1816 aus dem zuletzt für kurze Zeit wieder unter oranischer Verwaltung stehenden Fürstentum Nassau-Siegen und dem ehemals von Nassau und Sayn gemeinsam verwalteten Freien- und Hickengrund der Kreis Siegen gebildet. Preußen hatte diese Gebiete im Anschluß an den Wiener Kongreß in langwierigen Austauschverhandlungen mit  dem in den Niederlanden regierenden oranischen Königshaus und dem  Herzogtum Nassau erworben. Der Kreis Siegen gehörte unter Preußen zunächst zum Regierungsbezirk Koblenz und somit zur  Rheinprovinz, wurde aber dann 1817 der Provinz Westfalen angegliedert.

Der Anfang des Untergangs des Siegerländer Montangewerbes

Die Eingliederung in die preußische Provinz Westfalen bedeutete für die Geschichte des Siegerlandes  einen wichtigen Einschnitt. Das Siegerland war weiterhin Grenzland, jetzt aber in anderer Richtung. Die Verflechtung der Wirtschaftsgebiete wurde ausgebaut. Einem Schüler Jung-Stillings, dem  Oberpräsidenten von Westfalen, Ludwig Freiherr von Vincke, ist es zu verdanken, daß Preußen dem Siegerland beim Eingliederungsprozeß in Westfalen durch  weitgehende Zugeständnisse in wirtschaftlicher Hinsicht entgegenkam. Das erwies sich jedoch spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als verhängnisvoll, da das Festhalten an alten  Sonderrechten und an einer überkommenen  Wirtschaftsverfassung zur Konkurrenzunfähigkeit und zum Niedergang vor allem des Siegerländer Montangewerbes führte.

 Als erster preußischer Bürgermeister übte in Hilchenbach der ehemalige Maire Johann Heinrich Reifenrath dieses Amt aus. Unter seiner Amtsführung wurde vor allem eine Verbesserung des  Straßenwesens erreicht sowie der planvolle Wiederaufbau nach dem großen Brand von 1844.

Stadtrechte und Gerichtssitz im 19. Jahrhundert

1824 erhielt der Flecken Hilchenbach das Stadtrecht. Bemühungen, das während der französischen Herrschaft nach Netphen verlegte Justizamt zurückzuholen, waren erfolgreich. Das seit Mitte der   dreißiger Jahre in Hilchenbach ansässige Landgericht wurde zwar Ende der 1840er Jahre im Zuge der Bildung eines zentralen Kreisgerichts in Siegen aufgelöst und am Ort verblieb nur eine  Gerichtskommission, aber Hilchenbach erhielt 1879 ein Amtsgericht. Dieses bestand bis 1976 und ging dann im Amtsgericht Siegen auf. Damit endete eine über 500 jährige Geschichte der  Rechtspflege in  Hilchenbach, das 1467 erstmalig als Gerichtssitz erwähnt worden war.

Teuerungs- und Hungerkrisen - Revolution von 1848

Die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts waren wie in weiten Teilen Deutschlands auch im Siegerland durch Teuerungs- und Hungerkrisen gekennzeichnet. Der große Brand von 1844, einen  Tag nach der  Grundsteinlegung der neuen Kirche, hatte die Lage in Hilchenbach noch verschärft. Die Revolution 1848 wurde vom liberalen deutschen Bürgertum getragen. Es gab im Siegerland keine bewaffneten Konfrontationen. Es gab jedoch ein wachsendes politisches Interesse. Am 10.5.1848 fand in der neuen Hilchenbacher Kirche die Wahl zur deutschen Nationalversammlung  statt. Es wurde der rheinische  Liberale Gustav Mevissen gewählt. Nach den Wahlen gab es überwiegend politische Aktivitäten in Form von Forderungen wirtschaftlicher und sozialer Art.

Im November 1848 war aus Hilchenbach eine Nachricht an die Nationalversammlung in Frankfurt am Main abgegangen. Darin wurde diese aufgefordert, das Volk erneut zur Revolution aufzurufen.  Jedoch kam es dann auch hier zu keinem Protest gegen die vom preußischen König Ende 1848 verkündete Verfassung, die dem Volk in Preußen keine wirkliche Mitverantwortung an der Regierung zugestand.

Trotz ihrer Wirkungslosigkeit behielten Revolution und Nationalversammlung von 1848/1849 große Bedeutung für die deutsche Geschichte. Die Verfassung wurde zum Vorbild für spätere deutsche  Verfassungen.

Das Kaiserreich 1871 bis 1918

Hohe Privilegien des Militärs, das traditionelle Übergewicht des Militärsektors im politischen System  und die überragende Rolle des Militärs im Prozeß der Einigung schufen eine Sonderstellung des Soldaten in der Gesellschaft des Kaiserreichs. Die Uniform verhalf zu höchstem Ansehen. Nach der gescheiterten Revulution von 1848 akzeptierten Besitz- und Bildungsbürgertum zunehmend die Machtverteilung im Staate. Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/1871 mit der  unmittelbaren Gründung des kleindeutschen Kaiserreichs (ohne Österreich mit dem König von Preußen als erblichem deutschen Kaiser) orientierten sich Wertvorstellungen, politisches Verhalten und Lebensstil weitgehend  an den Leitbildern von Adel und Offizieren. Die Reserveoffiziersstellung war für viele Bürgersöhne die "Eintrittskarte" in die Gesellschaft.

Vor dem 1. Weltkrieg von 1914 - 1918 waren in 32.000 Kriegervereinen fast drei Millionen "Gediente"  organisiert (eine zweite Armee). Daneben gab es militärähnliche Jugend- und andere am  Militärischen interessierte Verbände wie der Flottenverein, Wehrverein oder Jugenddeutschland. Die militärischen Wertvorstellungen, Denk- und Verhaltensweisen drangen tief bis in den privaten Alltag des Kleinbürgertums ein. Reservisten behielten Erinnerungsstücke an die militärische Dienstzeit voller Stolz und meist sichtbar getragen auf.

Die Mehrheit des Volkes außerhalb der adligen und bürgerlichen Kreise standen dem Militär und seiner Verherrlichung jedoch wenig begeistert, teilweise ablehnend gegenüber. 

Während des ersten Weltkrieges wich auch im Siegerland bereits nach wenigen Monaten die allgemeine Kriegsbegeisterung. Die soziale Lage weiter Bevölkerungskreise verschlechterte sich  schnell und dramatisch. Schon im Januar 1915 wurde das Brot rationiert und Anfang 1916 lagen die Lebensmittelpreise um 27% höher als im Durchschnitt der 50 größten Städte Deutschlands, wobei  die  Lohnhöhe beträchtlich unter der beispielsweise des Ruhrgebiets lag. Besonders betroffen waren Arbeiterfamilien, deren Ernährer zum Kriegsdienst einberufen war. Karikative Organisationen  versuchen die unzureichende Staatshilfe auszugleichen.

Die Lage war dadurch besonders kritisch, weil der Kreis Siegen von amtlicher Seite als "Lieferwirtschaft" eingestuft worden war und somit noch ein Teil der geringen landwirtschaftlichen  Produktion als "Überschuß" abgezogen wurde. Erst nach langen Verhandlungen konnte der Status eines "Bedarfskreises" erreicht werden, ohne daß allerdings der Kreis nun ausreichend mit Lebensmitteln versorgt wurde. Das führte zu einer massenhaften Abwanderung von Arbeitskräften aus dem Kreis Siegen.

In Hilchenbach wurde die Arbeit im Hauberg und im Gerbereigewerbe, die seit den 1890er Jahren stark  an Bedeutung verloren hatte, wieder verstärkt. Die Leimsiedereien dagegen konnten nur  mühsam die Produktion aufrechterhalten, besonders als seit 1917 auch die Kohle zu fehlen begann. Als wirtschaftlich-unternehmerische Folge der überaus schwierigen Ernährungssituation entstand in  Hilchenbach eine Dörrgemüsefabrik und ein Unternehmen, das die Versorgung mit Sauerkraut und Steckrüben übernahm.

Insgesamt gesehen bedeutete der 1. Weltkrieg für die kleine Stadt Hilchenbach große  wirtschaftliche Probleme und Hungersnöte, Einquartierung, Verpflegung und hygienische Versorgung des Generalkommandos des 51. Armeekorps für mehrere Monate bei Kriegsende, unzählige Verwundete und mindestens 90 Todesopfer.

Von den im Hilchenbacher Gebiet lebenden Menschen wurden mehr als 1.000 Männer einberufen. Etwa 200 von ihnen kehrten nicht wieder heim. Alle alltäglichen Dinge im Haushalt und bei der Kleidung konnten nicht mehr ersetzt werden, wenn sie abgenutzt waren. Nach einer Mißernte bei Getreide und Kartoffeln imHerbst 1916 kam es im folgenden Winter zu Unterernährung mit Folgekrankheiten. Es wurde versucht, die Versorgung durch vermehrte private Schweinehaltung zu  sichern. Die Ziegenhaltung wurde zur Selbstversorgung mit Milch ebenfalls ausgedehnt.

Engpässe gab es auch bei der Versorgung der Betriebe mit notwendigen Gütern. Wenn ein  Produktionszweig als kriegsnotwendig angesehen wurde, konnte die Kapazität jedoch schnell wieder  genutzt werden. Die Kriegskonjunktur führte dazu, daß der Eisenerzbergbau im Müsener Revier und die nachfolgende Eisenproduktion ihre Kapazität voll ausnutzen konnte. Die eisenverarbeitende Industrie  produzierte fast nur noch Kriegsgüter. Auch die Lederindustrie blühte  wieder auf und trug entscheidend zur Versorgung der Streitkräfte bei. Hier ging jedoch schon 1916 die Produktion wieder zurück, da die Versorgung mit Rohstoffen nicht mehr gegeben war.

Kriegsfolgen - Hilchenbach während der Weimarer Zeit

Kriegsende bedeutete nicht gleichzeitig das Ende der Notzeiten. Bis in den Sommer 1919 verhinderten  die Siegermächte die Zufuhr von Nahrungsmitteln und Rohstoffen. Die Wirtschaft kam zum Teil zögerlich in Gang zum Teil. Eisenverarbeiter mussten wieder auf die Produktion ziviler Güter  umstellen. Das Müsener Revier profitierte davon, daß mit Lothringen ein Kondurrent von Deutschland abgetrennt wurde und daß durch die Reglementierungen und Devisenknappheit der inländische Erzbergbau bevorzugt  wurde. Durch Kohle- und Wassermangel wurde die Leimindustrie stark dezimiert. Auch die Lederindustrie kam zunächst mangels chemischer Gerbstoffe aus dem Ausland wieder gut ins Geschäft.

Durch die Besetzung des Ruhrgebiets durch die Franzosen und die dadurch verursachte völlig zusammengebrochene Versorgung der Industrie mit Kohle begann die Zeit der Inflation, die schließlich ins unermeßliche stieg. Danach kam es auch im Hilchenbacher Raum zu großer Arbeitslosigkeit und Armut. Da es noch keine Arbeitslosenversicherung gab.mussten die Gemeinden  diejenigen unterstützen, die sich nicht selbst versorgen konnten. Verkehrsferne und hohe Produktionskosten führten zum Niedergang des Müsener Erzbergbaus. Die Verarbeitung hatte sich  schon zuvor im  Ferndorftal angesiedelt. War das Müsener Revier über 7 Jahrzehnte Anzugspunkt für Pendler und Zuwanderer, mussten jetzt die Müsener oftmals einen Arbeitsplatz außerhalb des  Ortes suchen. Aber auch die Eisenverarbeiter hatten von 1924 bis 1929 keine guten Absatzmöglichkeiten.

Wegen der Arbeitsplatzverluste bis 1931 wirkte sich das Wachstum des Maschinenbaus und die Produktion von Walzwerken, Walzanlagen und Bearbeitungsmaschinen für die Eisenindustrie in  Dahlbruch als sehr segensreich dar. Es gab durch die neue Schwerpunktbildung vor allem während der Weltwirtschaftskrise eine relativ stabile Beschäftigungssituation. Trotzdem gab es im gesamten Hilchenbacher Raum zum Höhepunkt der Arbeitslosigkeit im Winter 1931/1932 mehr als 300 Arbeitslose. Dazu kamen ca. 200 Personen, die keinen Unterstützungsanspruch hatten und mehr als 100 Kurzarbeiter.

Mitte bis Ende der zwanziger Jahre gab es einige öffentliche Forderungen von Projekten in der  Energieversorgung und im Fremdenverkehr.

Vernichtung der jüdischen Gemeinde während der Zeit der Hitlerdiktatur

Als am 30. Januar 1933 Hitler deutscher Reichskanzler wurde, benutzte er sofort für sich und seine ihm ergebenen Parteigänger diese Stellung zu undemokratischer Machtergreifung. Nach dem  vermutlich durch seine Leute selbst inszenierten Brand des Reichstagsgebäudes in Berlin setzte der Terror vor allem gegen jüdische Mitbürger ein. Hitler hatte sich den Antisemitismus als grundlegenden Punkt in sein Programm geschrieben.

Als "Abwehrmaßnahme gegen Greuel" organisierte die Führung des Staates zunächst einen Boykott  gegen jüdische Ärzte, Rechtsanwälte und Geschäftsinhaber, dann auch gegen jüdische Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler. Dem Terror folgten Gesetze, die den Terror legitimierten. Am 15.9.1935 beschloß der inzwischen völlig entmachtete Reichstag die "Nürnberger Gesetze", die die jüdischen Mitbürger zu minderwertigen Menschen herabwürdigten.

 Am 9.11.1938 steigerte sich die Verfolgung in der "Reichskristallnacht" zum offenen Progrom:  Geschäfte jüdischer Inhaber wurden geplündert, jüdische Gotteshäuser wurden in Brand gesetzt und jüdische Mitbürger auf offener Straße verprügelt. Wer in dieser Zeit nicht ins Ausland fliehen konnte ging  seiner Vernichtung entgegen. Tod durch Erhängen, Erschießen oder in Gaskammern deutscher Konzentrationsläger wurde zum Schicksal für Millionen Juden aus Europa.

In Hilchenbach lebten bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten etwa 35 jüdische Einwohner. Ihre Familien trugen die Namen Holländer, Hony, Schäfer und Stern. Sie bildeten eine  jüdische Kultgemeinde mit eigenem Begräbnishof an der Brachthäuser Chaussee. Ihre Gottesdienste hielten sie in einem ihrer Häuser, in den letzten Jahren bis 1942 im Haus Karl Schäfer in der Schützenstraße ab (siehe nebenstehende Gedenktafel, die noch heute in der Schützenstraße an diesen Teil der Geschichte erinnert und künftige Generationen mahnt). Auch die Hilchenbacher Juden wurden von der Verfolgungs- und  Vernichtungswelle getroffen.. Zehn von ihnen konnten sich in der Zeit von 1935 bis 1939 ins westliche Ausland retten. Fünf Menschen starben eines natürlichen Todes. 20  jüdische Mitbürger kamen in den Konzentrationslagernum, vorwiegend im KZ Theresienstadt in Böhmen.

Als letzte jüdische Mitbürger verließen am Sonntag dem 28. Februar 1943 eine 42-jährige Frau mit  ihrem 10-jährigen Sohn die Stadt Hilchenbach, um sich bei der Geheimen Staatspolizei in Dortmund zum Abtransport zu  melden. Danach meldete die Stadt dem Regierungspräsidenten

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in Arnsberg,  daß Hilchenbach im Zuge der "Entjudung des Reichsgebietes" nunmehr judenfrei sei.

Die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft und der 2. Weltkrieg

Ab Anfang 1933 änderten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse im Hilchenbacher Raum ebenso wie im übrigen Deutschland sehr schnell. Die erneute Aufrüstung und die Kriegsvorbereitungen  verbunden mit dem Bemühen um wirtschaftliche Eigenständigkeit war fast überall spürbar. Die Zahl der Einwohner stieg von 7577 im Jahre 1933 auf 8460 im Jahre 1939.

Der Erzbergbau in Müsen war für die Nationalsozialisten nicht interessant. Sie benötigten erheblich größere Mengen und bevorzugten daher den Raum Salzgitter. Nicht die klein- und mittelständischen  Unternehmen sondern die großen Unternehmen sollten gefördert werden, versprach man sich doch eine schnellere Aufrüstung. Das galt auch für die Landwirtschaft. So profitierte der Hilchenbacher  Raum zwar, die Vorteile waren jedoch nicht sehr groß. Zusätzliche Nachteile entstanden für das Siemag-Werk in Dahlbruch, weil sich ein Teil der Kunden im Ausland befand. Man profitierte dort  nur insofern, als  man Maschinen für den Ausbau der Rüstungsgüterindustrie zulieferte.

Bis etwa 1937 war die Arbeitslosigkeit im Hilchenbacher Raum überwunden. Ankurbelung der Wirtschaft und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 waren die Ursache. Die Einwohner  waren im Allgemeinen wirtschaftlich besser gestellt als 1933. Die Menschen bekamen jedoch bald zu spüren, daß die Zielrichtung der Maßnahmen nicht gutgeheißen werden konnten.

Die Expansionspolitik der Nazionalsozialisten führte bereits im März 1938 zum Anschluß Österreichs. 1939 brach dann nicht überraschend der 2. Weltkrieg aus. Von den 1.500 Männern, die während des zweiten Weltkrieges aus den Ortschaften des Hilchenbacher Raums einberufen wurden kehrten mehr als 500 nicht zurück.

Die Versorgung war dank besserer Vorbereitung zunächst besser gewährleistet als im 1. Weltkrieg. Bis in das Jahr 1944 reichten die Nahrungsmittelzuteilungen normalerweise aus. Das änderte sich erst in den letzten Kriegsmonaten. Im Hilchenbacher Raum bestand jedoch die Möglichkeit, durch  Gartennutzung und Kleintierhaltung die zugeteilten Lebensmittel zu ergänzen. Die Versorgungslage der im Krieg hier eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter und der Kriegsgefangenen war jedoch  nicht  ausreichend, wenn sie in Lagern untergebracht waren. Die, die in kleinen Betrieben eingesetzt waren wurden meistens noch im Haushalt des Arbeitgebers versorgt.

Die Siemag in Dahlbruch war mit der Produktion von Anlagen beschäftigt, die der Ausstattung von Hütten- und Eisenverarbeitungsanlagen und Walzwerksanlagen dienten. Die restliche Produktion war wie zu Beginn nicht zu stark auf die Kriegsgüterindustrie ausgerichtet. 1941 verlagerten die Sieper-Werke die Produktion von Granatzündern aus Kunststoff von Lüdenscheid nach Müsen, da  Städte, die durch Luftangriffe gefährdet waren, nicht zu umfangreiche Produktionsanlagen beheimaten sollten.1941 wurde eine Munitionsfabrik in Lützel neu errichtet. Arbeitskräfte für "kriegswichtige"  Betriebe konnten aber nicht mehr in dem erforderlichen Maße bereitgestellt werden. Seit 1943 kamen Evakuierte aus dem Ruhrgebiet und anderen durch Luftangriffe gefährdeten Städten in die Ortsteile des  Hilchenbacher Raumes. 1943 verboten die Nationalsozialisten, Eichenstämme ungeschält zu fällen. Man besann sich auch wieder auf den Roggenanbau im Hauberg.

Am Ende des 2. Weltkrieges brachten Luftangriffe und letztlich noch Kämpfe am Boden Verluste an Menschenleben und Zerstörungen von Gebäuden. Das war jedoch nicht flächendeckend. Mit dem   Einzug der Alliierten in der ersten Aprilhälfte 1945 war der Krieg beendet. Nicht jedoch die Not.

Von 1945 bis zur Währungsreform

Die Produktion kam nach dem Krieg völlig zum Erliegen, auch wenn der Raum Hilchenbach nicht sehr stark betroffen wurde. Der Mangel an Energie und Rohstoffen, die von außerhalb zugefürt  werden mussten, waren die Hauptursache. Erst nach und nach konnte man hier Besserung erzielen. Günstig wirkte sich aus, daß die Siemag in Dahlbruch Investitionsgüter für den Bergbau und für die Eisenbahnen hergestellt hatten. Beides wollten die Alliierten wieder aufbauen, so daß das Dahlbrucher Werk bereits einen Monat nach dem Krieg wieder produzierte. Mangels Fachkräften, Material und Energie jedoch zunächst eingeschränkt.

1945 wurde in Hilchenbach die Produktion von Holzschuhen aufgenommen, da Holz vorhanden  war aber bei der eingeschränkten Versorgung fehlte das Leder. Weitere Industrie wurde durch Zuwanderung ansässig (Pressen, Pelzveredelung etc.). Die Vertriebenen, Flüchtlinge und Ausgebombten machten von 1949 bis 1950 mit 3.000 Personen mehr als ein Viertel aller Einwohner aus. Da sie häufig alles  verloren hatten was sie besaßen war die Unterbringung und  Versorgung schwierig, zumal der Wohnraum in den 20 Jahren davor nicht mehr oder nur zögernd ausgebaut wurde.

Wirtschaftswunder 1948 bis 1965

Nach der Währungsreform und der zunehmenden Normalisierung der Rohstoffversor- gung boten die mittleren und kleineren Unternehmen wieder ein breit gefächertes Sortiment an Produkten auf  dem Markt an. Eisenbleche, Schrauben, Drahtstifte und Maschinen bzw. Anlagen waren die Hauptprodukte. Dazu kamen Gerbereiprodukte, Filz- und Leimherstellung. Selbst Holzwaren und Textilien hatten eine  zeitlang eine gewisse Bedeutung. Im Werk Dahlbruch der Siemag wurden durch geschäftliche Beziehungen zu amerikanischen Unternehmen Lizenzprodukte für Walzwerke,  Drahtstraßen und  andere Betriebe gefertigt. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre hatte man den Anschluß an die technische Entwicklung wieder geschafft. Schon kurze Zeit nach der Währungsreform hatte man wieder die ersten Auslandsaufträge erhalten und konnte den Ruf der Produkte von vor 1933 schnell wieder festigen und stärken.

Der Export hat der Wirtschaft im Raum Hilchenbach insgesamt sehr geholfen  Die Bedienung alter und neuer Märkte im Ausland hat dazu beigetragen, daß Ende der 1950er Jahre die Flüchtlinge und  Vertriebenen wirtschaftlich integriert waren und sich eine neue Heimat schaffen konnten. Marktlücken  wurden geschlossen, in dem die Sieper-Werke zunächst Haushaltsgefäße fertigte und  dann Ende der 1950er Jahre, als der Komfortanspruch in den Haushalten zunahm, Badezimmereinrichtungen und  Kleinmöbel aus Kunststoff entwickelte.

Auch der Dienstleistungsbereich, Fremdenverkehr und der Handel konnten sich ausdehnen. Landwirtschaft veränderte sich insofern, als immer mehr die Landwirtschaft neben einem Arbeitsplatz in  der Industrie als Nebenerwerb betrieben. Häufig mussten die Frauen die Arbeit in erster Linie verrichten. Das führte zur Einschränkung der Rindviehhaltung, insbesondere der Haltung von Milchkühen. Ein Teil  des Grünlandes wurde aufgeforstet, ein anderer als Acker genutzt. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln besserte sich so nachhaltig, daß die Nutzung der Haubergsflächen zum Roggenanbau und zur  Lohegewinnung in der ersten Hälfte der 1950er Jahre eingestellt wurde. Der Haubergswald diente nur noch der privaten Brennholzgewinnung. Weideflächen außerhalb der Hauberge wurden geschaffen. Seit  1949 unterstützte das Land Nordrhein-Westfalen die Umwandlung der Haubergsflächen zu Hochwald. Mit der Verringerung der Milchviehhaltung im Siegerland musste auch die Molkerei Hilchenbach schließen.

Die Aufforstung mit Hochwald geschah  vor allem mit Fichten, da die Anforderungen an Bau- und  Industrieholz diese begünstigte und da sie schnellen Ertrag bringen. Ursprünglich gab es vor der Zeitenwende im Hilchenbacher Raum vorwiegend Buchenwald. Dazwischen dehnten sich durch die Haubergsnutzung Eichenwälder aus, die mit Birken durchsetzt waren.

Stagnation und Krisen von 1965 bis zur Mitte der 1980er Jahre

Nach dem Krieg blieb im Jahre 1967 erstmals ein positives Wachstum der Wirtschaft aus. Die hohen Wachstumsraten von 1948 bis 1965 waren vor allem darauf zurückzuführen, daß der  technologische Rückstand aufgeholt wurde. Es ist aber im Ablauf der Zeit ganz normal, daß es Zeiten mit gutem Wachstum gibt, aber genauso Zeiten, in denen das nicht der Fall ist. Durch die bessere Verkehrsanbindung durch den Bau der Autobahnen Hagen-Gießen und Olpe-Köln blieb dennoch eine relativ große Entfernung zu den Ballungsgebieten an Ruhr, Rhein und im Rhein-Main-Gebiet.  Verbesserungen der Außenhandelsbeziehungen der Bundesregierungen waren für die exportorientierten Unternehmen wie die Siemag von Vorteil. Insgesamt gab es eine  Reihe von kleinen und  mittelständigen Betrieben mit mannigfacher Produktpalette, so daß Krisen nicht so durchschlugen wie in anderen Gebieten wie z.B. im Ruhrgebiet. Seit 1973 ist ein Stillstand bei der Bevölkerungsentwicklung eingetreten.  Soziale Verhältnisse sind überdurchschnittlich oft durch Grundbesitz in den Familien geprägt. Durch das Prinzip der Realteilung bei Erbfällen sind die Haus-   und Grundbesitze jedoch fast ausschließlich in kleinste Parzellen aufgeteilt.

 

Quellennachweise

Zahlreiche Informationen sind aus einer Veröffentlichung "Stadtmuseum Hilchenbach in der Wilhelmsburg" auszugsweise  übernommen. Einige der Informationen wurden auch bei Besuchen im Museum zusammengetragen

Unzählige weitere Informationen wurden einer aufführlichen und sehr empfehlenswerten Dokumentation entnommen, die auch dort erhältlich ist. Es  ist das Werk "Wirtschaftsgeschichte des Hilchenbacher Raumes", Die Entfaltung der Wirtschaft im nördlichen Siegerland seit dem Mittelalter von Friedrich-Wilhelm Henning, Copyright Hilchenbacher Geschichtsverein e.V., Hilchenbach 1987.

Einige Informationen zur Antonius-Kapelle und zum Viehhof stammen von einer Informationstafel, die anläßlich des Bauernmarktes im September 2000 auf der Ginsberger Heide angeschlagen war

Die Informationen über die Ersterwähnung Dahlbruchs stammen aus der Siegener Zeitung vom 22. Mai 2003, S. 7

Wertvolle Informationen zur Kirchengeschichte in Hilchenbach, im nördlichen Siegerland sowie im gesamten Siegerland  wurden dem Werk "Zur Geschichte der katholischen Parochie St. Augustinus Keppel in Hilchenbach-Dahlbruch", Festschrift aus Anlass der Kirchweihe vor 100 Jahren - Mit Beiträgen zur Kirchengeschichte des nördlichen Siegerlandes, herausgegeben von Dr. Erwin Isenberg unter Mitarbeit von Eberhard Freyberg, Gabriel  Isenberg, Gabriele Isenberg, Cornelia Kneppe, Hans  Christhard Mahrenholz, Elfriede Ringbeck, Karl-Josef Rump und Karl Swoboda im Auftrag der  Pfarrgemeinde St. Augustinus  Keppel, erschienen Hilchenbach-Dahlbruch 2000, Selbstverlag der Pfarrgemeinde St. Augustinus Keppel - Das Werk ist  ungeheuer unfangreich und ebenfalls ein muss für jeden, der sich für die Hilchenbacher Geschichte und hier insbesondere für die Kirchengeschichte  interessiert, die allerdings über viele Jahrhunderte hinweg auch die weltlichen Geschicke beeinflusste

Zur Entstehung dieser Seite wurde auch das Werk "Das schönste Haus", eine im Jahre 1996 herausgegebenen Festschrift zum  150. Jubiläum der im 19. Jahrhundert neu gebauten evangelischen Kirche in Hilchenbach, herausgegeben vom Presbyterium und erschienen im Selbstverlag der evangelischen Kirchengemeinde Hilchenbach, herangezogen. Autoren waren  Friedrich-Wilhelm Klein, Hilchenbach-Helberhausen, Dr. Volker  Heinrich, Marburg und Karl-Hermann Hein, Hilchenbach, herangezogen. Die Gemeinde ist eine evangelisch-reformierte Kirchengemeinde

Die Bilder 2, 5 und 8 bis 12 sind eigene Fotos aus dem Stadtmuseum Hilchenbach

Die Bilder 7 und 22 sind aus dem Werk "Das schönste Haus", eine im Jahre 1996 herausgegebenen Festschrift zum 150. Jubiläum der im 19.  Jahrhundert neu gebauten evangelischen Kirche in Hilchenbach, herausgegeben vom Presbyterium und  erschienen im Selbstverlag der evangelischen Kirchengemeinde Hilchenbach, herangezogen. Autoren waren  Friedrich-Wilhelm Klein, Hilchenbach-Helberhausen, Dr. Volker Heinrich, Marburg  und Karl-Hermann Hein, Hilchenbach. Das  Bild 22 von dem Stadtbrand von 1844 stellt eine Zeichnung von H. Stein dar. Dieses Bild befindet sich im Museum des Siegerlandes in Siegen im Oberen Schloß

Das Zitat von Johann Heinrich Jung (genannt in seinen Werken Stilling) stammt aus dem Werk "Heinrich Stillings Jugend",  Erster Teil der  Lebensgeschichte, Illustriert von Hans Achenbach, Druck und Verlag: Vorländer, Siegen 1982

Die Definition zum ”Bäumer” bzw. “Bäumener” stammt aus “Beiträge zur Geschichte Hilchenbachs”, Folge 17, Haus- und Familiennamen Band  2, Haus- und Familiennamen in Hadem, Helberhausen, Oberndorf und Vormwald, von Stadtarchivar Reinhard Gämlich, hrsgg. vom Vorstand des Hilchenbacher Geschichtsvereins e.V., Hilchenbach 2000

Erläuterungen zur “Verschanzung”, dem Standort des “Bäumers” bzw. “Bäumeners” an der Grenze der heutigen Gemarkung Grund auf der Ginsberger Heide, stammen aus einem Telefonat mit dem Stadtarchivar der Stadt Hilchenbach, Herrn Reinhard Gämlich, vom 26.4.2001 - Vielen Dank dafür und für das anschließende schnelle Bereitstellen einer Kopie aus dem Stadtarchiv das diese  Erwähnung belegt (Bestands-Nr. 2/26.457). Zitiert wird hier auch aus “Alte Straßen im Siegerland”, Hermann Böttger, Siegerländer Heimatkalender 1959, Seiten 33 bis 40, Signatur im Stadtarchiv 11/594 vom 13.5.1993. Das Dokument wurde anläßlich des Unterschutzstellungsverfahrens dieses Standortes angefertigt.

Informationen über die Fernstraße von Holland nach Italien, über einige Informationen zur “Kölschen Hecke” sowie zu Schlägen auf Hilchenbacher Gebiet wurden dem Artikel “Alte Straßen im Siegerland”, Hermann Böttger, Siegerländer Heimatkalender 1959, Seiten 33 bis 40 entnommen

Die Bilder 19, 20 und 23 sind aus dem Werk "Wirtschaftsgeschichte des Hilchenbacher Raumes", Die Entfaltung der Wirtschaft im nördlichen  Siegerland seit dem Mittelalter von Friedrich-Wilhelm Henning, Copyright Hilchenbacher Geschichtsverein e.V., Hilchenbach 1987

Das Luftbild (Bild 18) von der “Verschanzung”, dem Standort des “Bäumeners” an der Grenze der heutigen Gemarkung Grund auf der Ginsberger Heide stammt von der Internet-Site www.terramapserver.com - Terra Map Server GmbH, Stockholmer Allee 24, 44269 Dortmund, Informationen über die Internet-Site oder über info@terramapserver.com

Informationen über alte Straßen stammen auch aus dem Werk “Vergessene Wege”, Das historische Fernwegenetz zwischen Rhein, Weser, Hellweg und Westerwald, seine Schutzanlagen und Knotenpunkte von Dr. Herbert Nicke, Land und Geschichte zwischen Berg, Wildenburg und Südwestfalen, Band 9, Martina Galunder Verlag, Nümbrecht 2001

Informationen über die Ersterwähnung der einzelnen Ortsteile, Wohnplätze und Wüstungen stammen aus der Westfälischen Rundschau vom 13. Juli 2004 in dem Artikel “Zitterpartie um Ortsjubiläen”

Informationen über die Stadtbrände stammen aus “Hilchenbach - Ein geschichtlicher Überblick”, Festschrift zur 250-Jahrfeier der Stadt von Dr. Walter Menn, Verlag Wesener Nachf., 1937

Die Bilder 1, 3, 4, 6, 13, 14, 15, 16, 17, 21, 24 und 25 sind eigene Aufnahmen.

 

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