Statt Palisadenzaun und Wassergraben: Hoheitssymbole aus altersgrauem Gestein. An  dieser Stelle existierte früher ein Grenzübergang. Von dem "Gebück", einem manchmal 200 oder 300  Meter breiten, undurchdringlichen Verhau aus Unterholz, Dornengestrüpp, Baumstämmen  und nachwachsenden Jungbäumen ist  jedoch heute nirgendwo mehr etwas zu sehen. - Kölsche Heck

Bild 2             Auf dem Gipfel des Dreiherrnsteins stießen die ehemalige Grafschaft Nassau, das Kurfürstentum Köln und die Grafschaft Wittgenstein- Wittgenstein aneinander

nannten das die Menschen damals. Die “Gebücke” waren Hecken, die dadurch hergestellt wurden, daß man die betreffenden Strecken mit Bäumen bepflanzte, diese in der gewünschten Höhe kappte, die Seitenzweige und jungen Triebe herunterbog, untereinander verflocht, in die Erde einsenkte und neu ausschlagen ließ. Schließlich wurden noch die bleibenden Zwischenräume mit Dornen, Brombeer- und anderen Sträuchern bepflanzt, so daß eine undurchdringliche lebende Mauer von oft recht ansehnlicher Breite entstand. Im Siegerland nannte man das Herabziehen und Verpflechten der Zweige “bücken”. Über das Aussehen der Landfestung liegen zwei kurze Angaben vor. Die ältere wird von Norbert Scheele 1948 in dem Werk “Geschichte des Kirchspiels Kleusheim erwähnt und stammt aus dem Jahre 1768: Die “Landhecke bestehet in starken, alten, gebückten Bäumen, und langs derselben geht überall ein breiter Graben her”. Die andere aus dem Jahre 1815 ist in einem Bericht des Landrats von Schenk an die Regierung in Ehrenbreitstein enthalten: “Die Defensions Linien um einen Theil der Gränze des hiesigen Fürstentums, die sogenannte Landhecke, anderwärts auch Pfahlgraben oder Gebück Von den krummgezogenen und durcheinander geschlungenen Bäumen

Bild 3             Die mächtige dicke Buche bei Krombach ist das letzte Überbleibsel der “Kölschen Hecke”, also der letzte Rest des Gebücks

so genannt ist bekannt.” Die “Kölnische Hecke” im Siegerland auch “Kölsche Heck” genannt, ist allen Siegerländern bekannt. Die belegten Namen der Wehranlage sind: Landwehr mit den Abwandlungen Landwehrung und Landgewehr, ferner Landfestung, Landhecke, Landhege, Hecke und Hege. Die Bezeichnung “Kölnische Hecke” findet man in alten Quellen nicht.

Die mächtige Hecke wurde regelmäßig beschnitten. Wenn die Hecken undurchdringlich bleiben sollten, mussten die Bäume von Zeit zu Zeit gekappt und neue Zweige mit den alten verflochten werden. Das Gebück bestand aus Mischwald, insbesondere aus Hainbuchen und Eichen. Vor allem aber Buchen werden genannt. Dornen und Brombeeren waren auch überall verwoben. Über die Höhe der Landwehren schreibt Wilhelm Engels in “Die Landwehren in den Randgebieten des Herzogtums Berg (Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, 66. Band 1938): “In der Regel wurde die Hecke auf Mannshöhe gehalten ....”. An der dicken Buche bei Krombach kann man ablesen, daß unser Gebück im Siegerland und mithin auch bei Hilchenbach kaum höher als zwei Meter gewesen ist.

Bild 4             Knorrig und viele Jahrhunderte alt. Wenn man den Stamm näher betrachtet kann man erkennen, wie mächtig die Buche ist und wie alt sie sein muss. Hier ist auch zu sehen, daß die “Kölsche Hecke” um die zwei Meter hoch gewesen ist und daß das keine normal gewachsene Buche ist

Die dicke Buche bei Krombach ist der einzige Baum, der noch von der alten Landwehr erhalten ist und steht naturgemäß seit langem unter Naturschutz. 

Landwehre als Grenzbefestigungen, waren im Mittelalter durchaus gebräuchlich. Die im Siegerland oft gehörte Meinung, die alten Wälle seien etwas Einmaliges ist unzutreffend. Überall in Deutschland gab es Landwehren. Auch viele Städte umgaben ihr Gebiet mit Landwehren. Die Nassauer allerdings, wohl sehr an einer strikten Trennung der katholischen Kurkölner und der protestantischen Landeskinder  interessiert, ließen eine  ungewöhnlich breite und undurchdringliche Hecke anlegen. Landhecken waren reine Schutzanlagen, die sich mit dem vor dem zweiten Weltkrieg angelegten Westwall vergleichen lassen. Ihr Vorbild wird der römische Limes gewesen sein. Sie sollten Überfälle von Feinden und Raubgesindel verhindern. War ein solcher doch geglückt, so boten sie die Möglichkeit, den Dieben die Beute an den engen Durchgängen wieder abzunehmen.

Eine Landwehr bestand aus Wall, Graben und Hecke. Die Gräben lagen vor oder hinter dem Wall, zuweilen auch auf beiden Seiten. Im Siegerland findet man sie meist vor den

Bild 5             Graben und Wall sind hier gut zu erkennen

Wällen, hinter ihnen findet man sie nur auf kurzen Strecken und auf beiden Seiten fast gar nicht. Eine Landwehr konnte einen oder mehrere Wälle haben, die in kurzen Abständen hintereinanderlagen. Mehrere Hecken konnten auf den Wällen hintereinanderliegen. Die Gänge zwischen den Hecken machten die Pflege möglich.

Überreste  dieser mächtigen Grenzbefestigungen kann man an der nördlichen Grenze Hilchenbachs an der ehemaligen Grenze zwischen Nassau und Kurköln auch heute noch deutlich sehen (siehe Bild 5 und 6 aus dem Jahre 2001, die den heutigen Zustand der ehemaligen Grenzgräben und -wälle  zeigen).

Die Durchgänge durch die Landwehr, die nur an wenigen Stellen vorhanden waren, hießen “Schläge”, ein Wort, das von “Schlagbaum” kommt, aber bald auf die Durchgänge übertragen wurde. Um die Verteidigung zu erleichtern, hatte man sie so

Bild 6             Der Wall wurde duch den Aushub aus den Gräben gebildet

schmal gebaut, daß ein Wagen eben hindurch fahren konnte. Flurnamen wie der Steinhölzer Schlag nahe der Ferndorfquelle oder der Alte Schlag bei Helberhausen und einige andere erinnern noch heute an die Stelle, wo der Schlagbaum gestanden hat. Die Schlagbäume waren mit Schlössern versehen, damit ein Fremder sie nicht öffnen konnte. In Siegener Renteirechnungen findet man häufig Ausgaben für neue Schlösser. So wurde auch auf Hilchenbacher Gebiet nachweisbar im Jahre 1518 für eine im Flurbereich “Schramme Heide” gelegene starke Straßensperre für den dort vorhandenen Schlagbaum ein neuer Schlüssel geliefert (siehe hierzu unsere Ausführungen auf der Site “Geschichte”). Jeder Reiter und jedes Fuhrwerk unterlag der Kontrolle. Ein Ausweichen oder eine Umgehung war kaum möglich. Sowohl der Steinhölzer Schlag als auch der Schlag im Flurbereich “Schramme Heide” auf der Ginsberger Heide müssen früher an einer stark befahrenen Fernstrecke gelegen haben (siehe hierzu unsere Ausführungen auf der Site “Geschichte”). Bei den Durchgängen standen Hütten für die “Bäumer” bzw. “Bäumener”. Eine solche wird im Staatsarchiv Münster, Abteilung Fürstentum Siegen, Landesarchiv 12 Nr. 22 für das Jahr 1674 auch auf dem Heimersberg bei Hilchenbach erwähnt.

An den Durchgangsstraßen  waren mit Schlössern versehene Schlagbäume angebracht, an denen ein "Bäumener" bzw. “Bäumer” Wegezoll kassierte (für weitere Informationen und Bilder siehe auch unsere Sites “Geschichte” und “Neben den Wegen”).

Bild 7             Auch im erwähnten Flurstück “Schramme Heide” in der Nähe der ehemaligen Ortschaft Wehbach und der Ginsburg sind noch alte Buchen zu sehen, die einstmals “gebückt” waren, auch wenn es sich hier nicht um eine Grenzbefestigung handelte, sondern um die Absicherung einer vielbefahrenen Straße und einer Zollstelle

Es ist kein Zufall, daß sich in den namentlichen Steuerlisten des 15. Jahrhunderts der Beiname “Bäumer” oder “Bäumener” mehrfach in den nahe der Landhecke liegenden Dörfern findet und in einigen dieser Orte bis heute als Familienname weiterlebt. Meistens war nur ein Schlagbaum angebracht. An den Hauptstraßen hatten die Durchgänge oft mehrere hintereinander. Alle waren mit Schlössern versehen. Im Bergischen Land hat man die Schlagbäume nach Wilhelm Engels (Die Landwehren in den Randgebieten des Herzogtums Berg, Zeitschrift des bergischen Geschichtsvereins 66, Bd. 1938) mit angenagelten Eisenschienen geschützt um sie gegen Hiebe mit Beilen und Hellebarden widerstandsfähig zu machen. Im Siegerland scheinen sie ganz aus Eisen bestanden zu haben, denn in der Renteirechnung von 1623 heißt es: “Der Häen Schultheiß hat Jakob Flendern vor der Hardt vom eyßern schlag daselbst .... zur  machen .... zahlt ... 12 g(ulden).” (Staatsarchiv Münster, Abteilung Fürstentum Siegen, Landesarchiv 31 Nr. 105 Bd. 2). In einem Bericht von 1663 liest man, daß “beim Schloß Ginsperg (bei der Ginsburg) der Schlag gestreckt” werden müsse (Hermann Böttger, Die Verkehrswege des Siegerlandes bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts (“Siegerland”, Blätter des Siegerländer Heimatvereins, Bde. 16 und 17, 1934 und 1935; 1935 S. 14)); strecken kann man aber nur einen eisernen. Jedenfalls waren die Hämmer im Siegerland schon lange vor dem Bau der Landwehr in der Lage, solche nicht einmal drei Meter langen Stangen mit dem Gewicht am Ende zu schmieden. Da eiserne Schlagbäume nahezu unverwüstlich sind, ist es kein Wunder, daß Gustav Siebel in seinem Werk “Die Nassau-Siegener Landhecken”, Literaturhinweis siehe Quellenangaben, schreibt, daß er trotz eifrigen Suchens in einer großen Anzahl von Archivalien so gut wie nichts über die Erneuerung von ausgedienten Schlägen gefunden hat.

Bild 8             Kartenauszug 1 - Skizzierte Darstellung der Landwehre um Hilchenbach
                                                   Legende: rot-gestrichelt  = wahrschein licher Verlauf der Land- hecken
                                                   rot = genauer Verlauf

Die Errichtung der Landwehre war zur damaligen Zeit eine sehr beschwerliche Arbeit, mussten doch ohne moderne Maschinen viele Kilometer (nach Gustav Siebel im bereits genannten Werk ohne die Landwehr um die Siegener Gemarkung rund 171 km) Landhecken angelegt werden, nachdem ca. 181 km Wälle angelegt worden waren. Die durchschnittliche Höhe mag bei einem Meter gelegen haben. An besonders gefährdeten Stellen stiegen die Wälle bis zu etwa zwei Metern an. Von der Grabensohle gemessen waren sie natürlich bedeutend höher. Meistens

Bild 9 - Kartenauszug 2 - Der Müsener bzw. Merklinghausener Schlag

haben die Landwehre nur einen Wall, an einigen Stellen findet man zwei und südlich von Lützel sowie oberhalb des Nauholztales drei Wälle (siehe Abbildung 8). Hilchenbach selbst hatte eine durchgehende Landwehr und zudem gab es im Norden zum “Kölschen” hin und im Osten an der Grenze zu Wittgenstein gestaffelte Landwehre. Auf einer kurzen Strecke am “Müsener Schlag” liegen fünf hintereinander (siehe Abbildung 9). Die Landwehre hatten Sohlengräben. Heute beträgt ihre größte Tiefe nur noch etwa 50 Zentimeter, meistens sind sie aber flacher. Der Wall wurde durch den Erdaushub gebildet. Daher entsprach die Erdmasse des Walles gewöhnlich auch dem Grabenaushub. Die ursprüngliche Tiefe mag bei einem Meter gelegen haben. Die Gräben waren im Durchschnitt etwa drei Meter breit.

Viele Landwehre wurde durch “Schanzen” verstärkt. Zur Aufnahme der Verteidiger errichtete man Lager. Die

Bild 10 - Dreiecksschanze am Holzklauer Schlag

meisten Lager ähneln Quadraten oder Rechtecken. Zudem gab es unregelmäßige Vier-, Fünf- oder Sechsecke, was aber durch das Gelände so bedingt war. An zwei Lagern gab es Quellen. Weil die Lager dicht an den Schlägen angelegt worden waren, beherrschten sie die Zufahrtswege, an denen sie meist mit der Längsseite lagen. Daher vermochte kein Feind die Durchgänge mit Erfolg anzugreifen, ehe nicht die Lager gestürmt worden waren.  Auch die Schanzen liegen vor der Landwehr, fast alle sind an dieselbe an- (siehe unsere Site “Neben den Wegen”) oder gar in sie hineingebaut worden. Als selbständige Befestigungen, welche, vom Wall getrennt, sich vor dem Graben erheben, findet man sie nur noch am “Holzklauer” und am “Welschen Ennester Schlag” sowie auf der Ginsberger Heide und auf dem Giersberg bei Siegen. Die Schanzen sind nicht nur bei Schlägen, sondern auch an anderen gefährdeten Stellen angelegt worden. Ihrem Aussehen nach sind sie oval, rechteckig, quadratisch oder dreieckig; eine am “Müsener Schlag” ist ein unregelmäßiges Viereck. Die Anzahl beträgt heute

- ovale Schanzen 6 Stück

Bild 11 - Quadratische Schanze auf der Ginsberger Heide

- Quadrat- und Rechteckschanzen 8 Stück, davon 2 an der Landwehr um die Siegener Gemarkung

- Dreieckschanzen 12 Stück.

Die Formen sind durch die verschiedenen Entstehungszeiten bedingt. Die ovalen Schanzen sind die ältesten, die dreieckigen die jüngsten. Bei den meisten sind die Wälle ganz geschlossen.

Sollten die Landhecken in gutem Zustand bleiben, so mussten sie dauernd beaufsichtigt werden. Darum befahl nach Gustav Siebel (siehe Quellennachweis) eine Verordnung der Grafen von Nassau aus dem Jahre 1498:

§ 1. Heegen und Gräben an den Grenzen jährlich zu besichtigen

§ 2. Bis eine Ruthe weit ab soll nicht angerotet noch befruchtet werden

§ 3. Hat jemand ein herrschaftliches Hochgewält oder an die Landwehr stosendes Eigentum, welches er befruchten will, so soll er es der Herrschaft anzeigen und wegen des Einrotens mit derselben vergleichen

1607 wurde nach Siebel ergänzend verordnet:

§ 9. Die Grenze soll jährlich beritten, darüber ein Gangbuch gehalten werden

Darum soll man in den Renteirechnungen immer wieder Ausgaben für Besichtigungen der Landwehre durch den Amtmann, die Schultheißen und andere Beamte gefunden haben. In der Zwischenzeit wurden sie von Heckenschützen bewacht.

Landwehre bedurften der regelmäßigen Pflege.  1617 findet sich im Staatsarchiv Münster Abteilung Fürstentum Siegen, Landesarchiv 31 Nr. 100b

Bild 12 - Der Weiterbau der B54n von Kreuztal-Stadtmitte zur Krombacher Höhe ermöglichte einen wohl einmaligen Einblick in den Aufbau der Grenzwälle. Da die Straße auf der Höhe die Grenzwälle quert, wurden sie sachkundig “geschnitten” und wissenschaftlich untersucht

für Hilchenbach der Vermerk: 1617 wurde “uff der Landhecken bey Mergklingkhausen vnd Müßen gebückt.” Merklinghausen ist eine oberhalb Winterbachs (bei Müsen) gelegene Wüstung (heute nicht mehr vorhandene Ansiedlung), deren Gemarkung bis an die Grenze reichte (Lothar Irle schreibt im Siegerländer Ortsverzeichnis, daß Merklinghausen seit Mitte des 17. Jahrhunderts eine Wüstung ist, zum evangelischen Kirchspiel Ferndorf gehörte und seit 1627 zum Kirchspiel Müsen gehörte). Die Namen “Merklinghäuser Schlag” (nach Ploennies) und “Müsener Schlag” (nach Siebel) kommen häufig vor, bezeichnen aber denselben Schlag (siehe hierzu auch unsere Site “Neben den Wegen”).  Hermann Böttger schrieb in “Siedlungsgeschichte des Siegerlandes, 1951, daß im Jahre 1461 rund 1.400 Steuerzahler im Landkreis lebten. Zieht man hiervon den Freien und den Hickengrund und die damals noch bewohnten Wüstungen mit 224 Steuerzahlern ab, so bleiben 1.176 übrig. Hinzu kommen die 421 Steuerzahler der Stadt vom Jahre 1455, so daß sich für das nassauische Amt Siegen eine Gesamtsumme von 1.597 Steuerzahlern oder rund 8.000 Einwohnern ergibt. Diese wenigen Menschen haben die große Landfestung gebaut. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen demnach 21 Meter Landwehr und 9,8 Ar (= 980 m2) Gebück wurden hergeschafft und gesetzt. Wenn sie nach einigen Jahren genügend hoch geworden waren, mussten die Zweige gebückt und die Kronen abgeschlagen werden. Bedenkt man nun, daß nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung herangezogen werden konnte, so beträgt die wirkliche Arbeitsleistung je Person mehr als das Doppelte der genannten Zahlen. Danach kann man sich eine Vorstellung davon machen, wie lange an der Landhecke gebaut worden ist. Es kommt noch dazu, daß es sich um eine Dauerleistung handelte, weil die Landwehren im Abstand von einigen Jahren immer wieder überholt werden mussten, wobei die Gräben zu reinigen waren, die herabgerutschte Erde wieder auf den Wall geworfen werden musste, neue Zweige zu bücken waren, die inzwischen gewachsenen Kronen abgehauen werdeb mussten und undicht gewordene Stellen, sogenannte “Schluften” zu schließen waren. Alle diese Arbeiten waren neben dem Beruf und neben den Frondiensten zu leisten.

Wie wäre es jedoch dem Land und seinen Bewohnern ergangen, wenn die Landwehr sie nicht geschützt hätte. Zu vielen Fehden kam noch ein langer Grenzstreit mit Kurköln. Die Brachthäuser, die sich durch die nahe ihrem Ort befindliche Landwehr wohl bedrängt fühlten, begannen ihn um 1480. Nach und nach griff er auf immer mehr Gemeinden über, so daß im Jahre 1563 die Heinsberger, Brachthäuser und Silberger mit den Oberndorfern, Helberhäusern, Hilchenbachern, Rodenbergern, Merklinghäusern und Müsenern, die Neuenkleusheimer mit den Littfeldern, die Altenkleusheimer mit den Bockenbachern in Feindschaft lebten. Es ging zunächst um die Hude im Grenzwald. Bald kamen andere Übergriffe hinzu. Die “Kölschen” schlugen auf nassauischem Gebiet Holz und fuhren es fort, verbrannten den Siegerländern das Korn in den Haubergen des Grenzgebietes oder ernteten es für sich selbst. Sie beanspruchten Teile des nassauischen Landes als ihr Eigentum, entfernten eigenmächtig die Grenzbäume, fällten einen Teil des Gebücks der Landwehr und warfen den Graben zu. Als großer Übeltäter wird Peter Schop genannt, der wohl aus Brachthausen stammte. Er hatte 1526 eine Maleiche (großer Baum, der die Grenze markiert) abgehauen und die Landfestung angezündet. Dabei wurde er ertappt und auf dem Ginsberg eingesperrt. Die Grafen von Nassau wandten sich immer wieder an die Erzbischöfe, forderten Ortsbesichtigung mit Zeugenverhör und gütliche Einigung. Die Erzbischöfe gingen auf die nassauischen Forderungen ein, verschoben aber eine Regelung mit nichtigen Vorgängen immer wieder von einem Jahr zum anderen. War eine Verhandlung nicht mehr zu umgehen, so änderte sich durch sie nichts; es wurde sogar schlimmer als vorher, wie die Siegerländer klagten. 1555 schrieben nassauische Beamte, der Streit dauere nun schon 75 Jahre. Inzwischen waren natürlich sämtliche Zeugen gestorben, die den wahren Sachverhalt kannten. Ferner konnte durch einen so langen Streit der Eindruck entstehen, die Erzbischöfe hätten wirklich Rechte auf Teile des nassauischen Landes. Das sie den Zwist in die Länge zogen, um für sich Vorteile herauszuschlagen, wird durch die Tatsache bewiesen, daß sie gegen Wittgenstein in derselben Zeit in derselben Weise und mit demselben Erfolg vorgingen. So ist es denn kein Wunder, daß die Grafen von Nassau schließlich Gleiches mit Gleichem vergalten und nun ihrerseits den “Kölschen” Korn und Holz abnahmen. Im Jahre 1563 kam endlich ein Vergleich zustande, der eine neue Grenze festlegte. Auf Grund dieser Vereinbarung gingen der Albaumer Grund mit dem Lager und die Vorhecken bei Brachthausen verloren. Auch der größte Teil des Dornbruches mit der Vorhecke und den beiden Lagern fiel an Kurköln. Das war der erste geglückte Einbruch in die Landfestung. Warum der Graf nachgegeben hatte ist leicht einzusehen. In den Niederlanden gärte es stark im Volke, ein Aufstand konnte jeden Tag ausbrechen. Um in den Stammlanden den Rücken frei zu bekommen verzichtete der Graf auf ein kleines, wertloses Gebiet.

Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) bedeutet die Wende in der Geschichte der Landwehr. Gegen die großen Heere, welche in ihm aufkamen, konnte sie nicht mehr schützen. Trotz aller Verstärkungen war sie nun veraltet. Wollte man sich vor den Truppen sichern, so half nur noch Bestechung, deren man sich oft bediente, wie die Siegener Renteirechnugen ausweisen. Gegen kleinere Abteilungen war die Landwehr aber noch brauchbar. Wie viele Scharen von Plünderern man an den Schlägen abgewiesen worden hat ist jedoch nicht überliefert. Als die Schweden 1646 das Siegerland bedrohten verließ man sich nicht mehr auf die Landwehr, sondern stellte im Land Wachen auf.

Nachdem man die Erfahrung gemacht hatte, daß die Hecke nicht mehr zu schützen vermochte, ließ das Interesse an ihr nach. In den Renteirechnungen jener Zeit findet man keine Ausgabe für ihre Erhaltung. Damit begann die Verfallzeit. Es kam noch hinzu, daß das Siegerland und die Landfestung seit dem Dreißigjährigen Krieg für ein Jahrhundert geteilt und daß die beiden Grafen Johann Moritz und Johann der Jüngere in fremden Diensten tätig waren (siehe unsere Site “Geschichte”), die ihnen nur selten erlaubten, in der Heimat zu sein. Als man die Landhecke im Jahre 1663 wieder einmal untersuchte, war das Ergebnis erschütternd. Die meisten Schläge mussten ausgebessert, ein großer Teil sogar ganz erneuert werden. Im Gebück gab es zahlreiche Öffnungen, die ein Durchschlüpfen ermöglichten. Ob die Schäden beseitigt worden sind, läßt sich nicht mehr feststellen, weil die nach Gustav Siebel die Renteirechnungen fehlen.

Trotzdem hat die Landwehr auch da noch gute Dienste getan. 1651 wurden die Schläge besetzt, weil nach Heinrich von Achenbach, Geschichte der Stadt Siegen, “die Lothringischen bis auf Olpe streiften. 1667 brach in Saalhausen an der Lenne eine Seuche aus; man hielt sie für die Pest. Um ihre Übertragung ins Siegerland zu verhindern, schloß und bewachte man die Schläge bei Hilchenbach und Merklinghausen (wie erwähnt eine Wüstung bei Müsen). Dasselbe geschah 1690 des Krieges wegen. Nach Norbert Scheele, Geschichte des Kirchspiels Kleusheim aus dem Jahre, 1948, beschwerten sich die Sauerländer, daß ihnen dadurch großer Schaden entstehe, weil sie ihre Butter, Eier, Stroh und andere Dinge nicht ins Siegerland verkaufen könnten oder gezwungen wären, einen Umweg von zwei Stunden zu machen.

Wie jedes Ding hatte auch die Hecke zwei Seiten. Sie schützte die Heimat gegen Angriffe, aber sie hinderte auch die Nassauer, ihr Land zu verlassen, wenn die Nachbarn die Durchgänge sperrten. Das war 1723 der Fall. Weil im Siegerland eine Viehseuche ausgebrochen war, wurden Bauern aus dem Kreis Olpe vor die Schläge gelegt, um den Verkehr zu unterbinden.

Nach einem nassauischen Grenzgang aus dem Jahre 1674 heißt es nach Gustav Siebels Nachforschungen im Staatsarchiv Münster, daß ein Teil der alten Landhecke “vff (auf) der Lichtschlag biß an die höhe obig dem Gerhartsbornen” (das ist oberhalb des Hademtales) sei “vor diesem” an die Hilchenbacher verkauft worden. 1666 war dann das Gebück an derselben Stelle bereits abgehauen. Damit ist ein Teil der Mittelhecke zwischen Hilchenbach und der Haupthecke vernichtet worden.

Im Dreißigjährigen Krieg lebte auch der ärgerliche Grenzstreit wieder auf. 1657 fiel sogar ein Schuß an der Landwehr in der Nähe von Girkhausen. Die Siegerländer nahmen dem Täter dass Gewehr ab. Eine Akte aus dem Jahre 1660 meldet, die Brachthäuser hätten vor etlichen Jahren die Landhecke vom Wimberg bis zum Breitenberg verbrannt. Von kölnischer Seite wurden auch wieder Ansprüche auf nassauisches Gebiet erhoben. 1688 kam endlich eine Einigung zustande, welche die Grenze neu festsetzte. Das bedeutete auch im Hilchenbacher Raum einen zweiten Einbruch in die Landfestung (wir beschränken uns hier auf die Auswirkungen im Hilchenbacher Raum). Die Vorhecke am Riemen wurde aufgegeben (siehe Punkt 112 in obiger Karte 1 - sie können die Karte auch in besserer Qualität ansehen (Doppelklick mit der linken Maustaste auf die Karte) bzw. herunterladen (Klick mit rechter Maustaste auf die Karte, dann aus dem Kontextmenü die Funktion “Ziel speichern unter” wählen). Vor dem Oberndorfer Schlag (siehe Punkt 47 in obiger Karte 1) legte man die Grenze auf den Wolberg. Seit dieser Zeit schiebt sich dort ein Stück des Sauerlandes wie ein Keil in das Siegerland hinein zur heutigen Oberndorfer Höhe hin. Der durch das obere Welmecketal zum Goldenen Zapfen (siehe Punkt 111 in obiger Karte 1) führende Abschnitt der Hecke ging damit verloren. Wahrscheinlich wechselte das Lager auf dem Schartenberg (siehe Punkt 41 in obiger Karte 1) jetzt den Besitzer. Es ist nicht anzunehmen, daß er bereits 1563 abgetreten worden war. Im Dornbruch bildete fortan die Hauptlandwehr die Grenze.

Entlang der “Kölschen Hecke” wurden im Laufe der Zeit zur Kennzeichnung der Grenze nicht nur Gräben, Wälle und Hecken angelegt, sondern es wurden später in gewissen Abständen auch Grenzsteine aufgestellt, die wir weiter unten sowie auf unserer Site “Neben den Wegen” bzw. “Geschichte” dargestellt haben. Dort ist auch ausführlicher als hier beschrieben, wie sie entlang der “Kölschen Hecke durchnumeriert worden sind. Sie beginnen mit dem Stein mit der Nummer A an der Grenze zu Wittgenstein. Der hier abgebildete Stein P steht auch heute noch am ehemaligen Müsener Schlag. Auf Grund des Vertrages von 1688 wurden 1690 die bekannten Grenzsteine gesetzt. Sie waren nicht die ersten. Vor ihnen sind ältere belegt, von denen Gustav Siebel zwei beim “Allenbacher Schlag” (Punkt 38 auf obiger Karte 1) entdeckt hat. Den weiteren Verfall zeigen  die Ploennieskarten (1717 bis 1726), die Gustav Siebel in seinem Werk ausgewertet hat. Sie sind allerdings nur für den evangelischen Teil des Siegerlandes angefertigt worden. Demnach beginnt im Hilchenbacher Raum eine Landwehr bei der oberen Grube Viktoria nordöstlich von Littfeld und geht bis zum Südabhang des Wimberges (Punkt 39 auf obiger Karte 1). Ein vierter Abschnitt beginnt auf der Wolbecke (Punkt 46 auf obiger Karte) und endet am “Steinhölzer Schlag” (Punkt 49 auf obiger Karte 1). Von der Mittelhecke, die zwischen der die Hilchenbach selbst umgebende Landwehr und der die Grenze markierende Hauptlandwehr liegt, ist nur noch das Stück vom Rauhen Berg bei Hadem (Punkt 92 auf obiger Karte 1) bis ins Preisterbachtal bei Hilchenbach (Punkt 95 auf obiger Karte 1) übriggeblieben. Sonst ist zur Zeit der Vermessungen von Ploennies nichts mehr vorhanden. Diese Reste der Mittelhecke entsprechen genau dem Teil der Landwehr, welcher 1663 besichtigt worden war. Vielleicht war schon damals alles andere aufgegeben worden. Dafür spricht der erwähnte Verkauf (siehe vorstehende Ausführungen) eines Stückes der Hecke an die Hilchenbacher vor 1674.

Die dargestellten Grenzsymbole schlafen im Hilchenbacher Raum zum größten Teil einen (auch gewollten) Dornröschenschlaf, um diese der Nachwelt zu erhalten. Wie auf unserer Site “Neben den Wegen” dargestellt, ist an einem anderen Ort an der Kölschen Hecke an der Stelle eines Zusammentreffens von Grenzsteinen, Schlag, Wall, Grenzgraben und Hohlweg ein Denkmal geschaffen worden (siehe unsere Ausführungen zum Holzklauer Schlag). Dort kann der interessierte Betrachter ohne suchen alle Relikte aus dem Mittelalter an einem Ort betrachten und muss nicht danach suchen.

Am Dreiherrnstein (siehe Bilder 1 und 2 auf dieser Site), dem Ort eines einstigen sehr belebten Grenzübergangs, verbrachten die alten Grenzsymbole bisher einen Dornröschenschlaf. Das soll künftig wieder anders werden, da die neue Wanderroute, der Rothaarsteig, genau über den Dreiherrnstein führt. Auf dem Dreiherrnstein, auf dem Informationstafeln an die frühere Grenzsituation erinnern, wurde kürzlich im Zuge des Ausbaus des Rothaarsteigs ein neuer Rastplatz mit einer Schutzhütte errichtet.

Grenzgänger gab es im Siegerland bzw. in Wittgenstein zu allen Zeiten, denkt man nur an die Grenzgänger des Glaubens, die Pietisten, Separatisten und Wiedertäufer im Wittgensteiner Land.  Der  Grenzstein auf dem Dreiherrnstein trägt hier die Aufschrift "Nassaw" und drüben die Aufschrift "Collen". Am 30. April 1668, also 20 Jahre nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges, wurde der oben abgebildete große Stein auf  dem Dreiherrnstein aufgestellt.

Die Himmelsrichtungen, zu denen sich die früheren Hoheitsgebiete ausgedehnt haben, sind auf dem Dreiherrnstein seit der

Bild 13 - Informationstafel auf dem Dreiherrnstein, der zweithöchsten Erhebung des Siegerlandes

feierlichen Anbringung von Holztafeln im Jahre 1997 deutlich markiert.  Eine Gemeinschaftsproduktion der Abteilungen des Sauerländischen  Gebirgsvereins Heinsberg (Sauerland, Kreis Olpe, ehemals Kurfürstentum Köln), und Zinse (heute Kreis Siegen-Wittgenstein, ehemals Grafschaft Wittgenstein bzw. später Kreis Wittgenstein) sowie die Ortsheimatpflege Helberhausen/Oberndorf (Ortsteile von Hilchenbach, ehemals Grafschaft Nassau, später Kreis Siegen und heute Kreis Siegen-Wittgenstein) schuf gemeinsam die  Hinweisschilder, die unten abgebildet sind. Ein anonymer Wanderer soll dazu angeregt haben, indem er eine Notiz am Dreiherrnstein hinterlassen haben soll, auf dem gestanden haben soll, das er auch gern wüßte, wer die drei Herren seien, denen der Ort gewidmet sei

Die große Informationstafel, die oben über den kleinen Tafeln zu sehen ist (siehe Bilder 13 bis 16) und die ebenfalls 1997 mit angebracht wurde, besagt: "Der hohe Mal oder Schnadstein auf dem Wiltborn markiert seit dem Mittelalter die Grenzen des Kurfürstentums "Köln", zu der Grafschaft "Nassau" und der Grafschaft "Wittgenstein". Seit 1668 wird er als "dreyherriger Schnadstein", später als Dreiherrnstein" bezeichnet. Ein  Schnadstein ist ein Grenzstein, der die Grenze einer Flur oder eines Territoriums markiert. Siehe hierzu auch den rechts und links abgebildeten "Schnadstein", der als einer der wenigen sehr gut erhaltenen Grenzsteine  zwischen Nassau und Kurköln noch heute an Hilchenbachs Ortsgrenze an der  Dornbruch-Wigrow die heutige Grenze zum Kreis Olpe markiert. Es handelt sich hier um Vorder- und Rückseite des gleichen Grenzsteins, der auf der einen Seite das Territorium  Nassaus anzeigt und auf der anderen Seite das Kurkölner Gebiet markiert. Auf zwei entgegengesetzten Seiten sind Barockwappen eingemeißelt worden. Um die Lesbarkeit zu erhöhen, wurden die Zeichen ein wenig mit Schnee eingerieben (zu den Grenzsteinen siehe auch unsere Sites “Geschichte” und “Neben den Wegen”).

Während der Übergabe der Schilder (Abbildung 13 bis 16) im Jahre 1997 wurden sternförmig zusammentreffende Wanderer aus den drei Orten im dem jeweiligen Dialekt von  Vertretern der Vereine begrüßt. Der Dreiherrnstein symbolisiert eine ereignisreiche Geschichte: Zur Zeit der Völkerwanderung nahmen die christlichen Franken und die 

Bild 20 - Wittgensteiner Hoheitszeichen auf einem der Grenzsteine auf dem Dreiherrnstein

heidnischen Sachsen das Land in Besitz und  setzten die Stammesgrenzen fest.  Am Dreiherrnstein und weiter entlang der “Kölschen Heck” verlief eine Sprachgrenze, denn die drei Dialekte sind recht verschieden. Die Besiedlung Wittgensteins erfolgte eder- und lahnaufwärts, also von Hessen kommend. Daher bestand ein großer Unterschied zum Siegerländer Platt. Als weitere Trennung galt  die kirchliche und territoriale Grenze. Siegerland und Wittgénstein gehörten zum Erzbistum Mainz, das Sauerland zum Erzbistum Köln. Des weiteren zeugte der  Dreiherrnstein von einer Konfessionsgrenze. Das Sauerland wurde im Zuge der Gegenreformation größtenteils katholisch, Wittgenstein während der Reformation  schon früh protestantisch wie die Nachbarn in Nassau-Dillenburg (zur Konfessionszugehörigkeit in Nassau siehe unsere Site "Geschichte").

Es gibt hier beginnend am Dreiherrnstein und weiter entlang der “Kölschen Heck” mehrere Sprachgrenzen. Im Siegerland spricht man “Sejerlänner Platt”, eine moselfränkische Mundart. Zum moselfränkischen Sprachraum gehören Luxemburg (mit “Letzeburgsch”), das Moselgebiet, Teile des Saargebietes und der Eifel, der Hundsrück, der größte Teil des Westerwaldes und im äußersten nord-östlichen Zipfel das Siegerland. Im Norden und Westen des Siegerlandes ist die Grenze zum Ripuarischen Sprachgebiet, also zum Kölner Raum (Ripuarier: Stammesgruppe fränkischer Germanen - lat. “ripa” = “Ufer”, Teilstamm der Franken, meint “Uferbewohner”, Rheinfranken, ein Teil der Franken, der um 455 Köln eroberte und sich an Mittel- und Niederrhein mit den Hauptorten Köln,

Bild 21 - Grenzstein an der Grenze zwischen Wittgenstein-Berleburg, Wittgenstein-Wittgenstein und Kurköln, der den äußersten Zipfel Wittgenstein-Berleburg kennzeichnet - siehe hierzu die Ausführungen im Text

Aachen, Zülpich, Jülich und Werden beiderseits des Rheins ausbreitete) und an der südlichen bzw. östlichen Grenze beginnt der hessische Sprachraum. Im hessischen wie im moselfränkischen Sprachraum werden mitteldeutsche Dialekte gesprochen. Nördlich des Siegerlandes spricht man westfälische, also niederdeutsche Mundarten. Das Siegerland grenzt hier an die “Benrather Linie”, einer wichtigen Mundartgrenze zwischen westmitteldeutschem und niederdeutschem Sprachgebiet, also der Grenze der zweiten Lautverschiebung im Mittelalter. Nördlich der Benrather Linie blieb die zweite Lautverschiebung unwirksam. Das hochdeutsche “Ich habe keine Zeit” oder “Ich muss gehen” heißt im mitteldeutschen Sprachraum des Siegerlandes etwa “Ech ha kenn Zitt” bzw. “Ech moss go”. Im niederdeutschen “Kölschen” heißt das etwa “Ik han gen tied” bzw. “Ik mut gon”, wobei das “g” ähnlich wie das “ch” gesprochen wird (weitere Erläuterungen zu Dialekten siehe die Fußnoten).

Seit 1815 gehörten die Gebiete zu Preußen und es entstanden die Kreisgrenzen Olpe, Siegen und Wittgenstein. Mittlerweile ist in vielen Jahren eine gute Nachbarschaft entstanden, auch  wenn die Bewohner hinter der Grenze im Kreis Olpe immer noch als "Kölsche" bezeichnet werden.

Gehen wir kurz über die ehemalige Grenze nach Wittgenstein: Conrad Jeger, Jägermeister des Wittgensteiner Grafen um 1484, hinterließ der Nachwelt ein erstes  Dokument früher Grenzmarkierung ("... und unss zu dick malen gewißt und bescheiden zu haben bo die graffschaft von Witgensteinn und die graffschafft van Nassauwe mit annwenden zusamen stossen ... was da liget uf die linken hatn, und was da hannget her ubber uf die rechten Hand, is einss graffen van Witgensteinn."). Als sich Anfang des 17.  Jahrhunderts das Wittgensteiner Land gleich in zwei Fürstentümer teilte, wurde auch diese neue Grenze durch Grenzsteine, Mahlbäume und Grenzwälle gekennzeichnet ohne freilich die riesigen Ausmaße der Kölschen Heck, einer riesigen Landwehr vom Dreiherrnstein bei Zinse bis zum Hühnerkamp bei Freudenberg anzunehmen. Keine der zahlreichen Herrschaftsgrenzen des in Siegerland-Wittgenstein erreichte diese Ausmaße (in Bild 20 das Wittgensteiner Emblem auf einem der Grenzsteine am Dreiherrnstein). 1688 wurde diese Grenze sogar in einem richtigen Grenzvertrag festgelegt

In einem Spezialheft und Sonderdruck Siegerland-Wittgenstein des Wander-Magazins aus

Bild 22 - Gleicher Grenzstein wie in Abb. 18, jedoch die Details lesbar herausgehoben

Ausgabe 4/92 der Zeitschrift "Wandermagazin" wird ausgeführt, daß der Dreiherrnstein eigentlich seit der Teilung des Hauses Wittgenstein,  die im Jahre 1603 zur Bildung der Linien Wittgenstein-Berleburg und Wittgenstein-Wittgenstein, also zur Laaspher-Linie führte, ein Vierherrnstein ist. Betrachtet man die Situation vor Ort am und um den Dreiherrnstein, so sieht man, daß das Territorium der Berleburger Wittgensteiner sicherlich  deutlich über einen Kilometer weit entfernt bergabwärts liegt. Verläßt man den Rothaarsteig und die sonstigen von hier ausgehenden Hauptwanderstrecken und geht auf einer Nebenstrecke Richtung Zinse,  wandert also talwärts über ehemaliges Kurkölner Gebiet Richtung Zinse im Wittgensteiner Land, so markiert ein großer Grenzstein  (siehe Abbildung 21) den äußersten Zipfel des Territoriums von Wittgenstein-Berleburg. Auf dem Grenzstein ist das deutlich durch die Markierung /B hinter dem W zu erkennen (im Detail noch einmal in Abbildung 22 dargestellt). Die von hier weiterhin in Richtung Dreiherrnstein  führende und auch heute noch durch Erdwälle, Grenzsteine und Erdgräben deutlich sichtbare Grenze zwischen dem früheren Kurköln und Wittgenstein markiert die Grenze zum Gebiet  der Wittgensteiner bzw. nach der Teilung zum Gebiet der Wittgensteiner Fürsten aus Laasphe.

Erstmals erwähnt wurde der Name “Wittgenstein” im Jahr 1174, da es oberhalb von Laasphe eine Burg mit diesem Namen gab, gemeinsam mit Battenberg, Zentrum einer Grafschaft an oberer Eder und Lahn. 1238 kam es im Zuge einer Erbauseinandersetzung zur Teilung in die Territorien Battenberg und Wittgenstein. Jedoch gelangten die Wittgensteiner Grafen wenig später in den Besitz von Berleburg. Im 16. Jahrhundert teilten die wieder zahlreicheren Wittgensteiner Dynasten ihr Land. In Laasphe residierte ein Graf von Sayn-Wittgenstein-Wittgenstein und in Berleburg ein Graf von Sayn-Wittgenstein-Berleburg.

Bild 23 - Hier ein kleiner Grenzstein mit dem Kreuz Kurkölns, der zwischen den beiden Dreiherrnsteinen an der Grenze Kurkölns zu Wittgenstein steht

Heute verläuft hier an dem besagten Stein die Grenze zwischen den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein. Diese zieht sich von hier hoch bis zum Dreiherrnstein. Nachstehend in der linken Abbildung 23 ist auch noch eine Grenzmarkierung, die von dem dargestellten W/B-Grenzstein in Richtung Dreiherrnstein zu finden ist, im Bild dargestellt. Es handelt sich hier um eine aus vergangenen  Jahrhunderten stammende Grenzmarkierung zwischen dem Wittgensteiner Gebiet und dem Kurkölner Einflußbereich. In diesem Bereich  ist wie in vielen anderen Bereichen rund um Hilchenbach  deutlich ein ehemaliger Grenzwall zu sehen, der früher die beiden Einflußbereiche deutlich sichtbar getrennt hat. Deutlich zu sehen ist hier links  auf einem jahrhunderte alten Grenzstein das Kreuz, das  Symbol für das Kurkölner Territorium, das auch heute noch am Dreiherrnstein auf den Hinweistafeln aus dem Jahre 1997 zu sehen ist.

Waren die Wittgensteiner Fürsten ohnehin damals  die schwächeren gegenüber den mächtigen Herrschern in Nassau bzw. Kurköln, so schafften es die Berleburger nicht, ihr Territorium bis zum Dreiherrnstein auszudehnen. Insofern ist die  Aussage vom Vierherrnstein nach unserer Meinung und nach unseren Nachforschungsergebnissen nicht zutreffend,  auch wenn die Entfernung zur Grafschaft Wittgenstein-Berleburg nicht allzuweit entfernt ist. Es handelt sich vielmehr für diese Zeit um zwei dicht nebeneinanderstehende "Dreiherrnsteine".

Die Karte in Bild 24 stellt einen Auszug aus der Karte des

Bild 24 - Kartenauszug 3 - Deutlich sichtbar hier die Grenze zwischen den Grafschaften - Sichtbar auch, daß es sich bei dem Dreiherrnstein auf dem Dreiherrnstein nicht um einen Vierherrnstein handelt - Siehe hierzu unsere Ausführungen

Herzogtums Westfalen im  Jahre 1789 dar. Das Herzogtum Westfalen gehörte seinerzeit zum Kurfürstentum Köln. Man sieht hier auf der Karte im Bereich des  beschriebenen Grenzgebietes deutlich, daß nur das blaue Gebiet der Grafschaft Nassau-Siegen, das violett gekennzeichnete Territorium Kurkölns und das braun gekennzeichnete Gebiet der Grafschaft Wittgenstein-Wittgenstein am Dreiherrnstein auf dem Dreiherrnstein einen gemeinsamen  Berührungspunkt haben. Der äußerste Zipfel der Grafschaft Wittgenstein-Berleburg liegt auch nach den Darstellungen in dieser Karte ein wenig entfernt vom Dreiherrnstein.

Vom Wanderparkplatz an der Oberndorfer Höhe ist der Dreiherrnstein gemütlich in einer Stunde zu erreichen. Der Weg von diesem Wanderparkplatz zum Dreiherrnstein führt, wenn Sie  dem Wanderweg A7 folgen, auch über die höchste Erhebung des Siegerlandes, die ebenfalls auf Hilchenbacher Gebiet liegt und nur ca. 400 m vom Dreiherrnstein entfernt ist. Die höchste Erhebung, der Riemen, 678 m über NN, und die zweithöchste Erhebung sind also gut in einer Tour zu erwandern. Wenn Sie dem Rothaarsteig folgen, liegt der Riemen jedoch einige Meter abseits des Weges, während Sie den Dreiherrnstein nicht

Bild 27 - Der Gipfel des Riemen, die höchste Erhebung des Siegerlandes, heute direkt an der Grenze zum Kreis Olpe gelegen, liegt am Rande eines sehr dunklen Fichtenwaldes wenige hundert Meter vom Rothaarsteig entfernt

verfehlen können, da der Rothaarsteig direkt über den Gipfel des Dreiherrnsteins führt. So finden Sie auf dem Riemen  auch nur eine bereits betagte Bank, während der Dreiherrnstein jüngst mit einer großzügigen Schutzhütte ausgestattet worden ist. Hier merkt man, daß sich viele von dem neuen Wanderweg, dem Rothaarsteig, einen größeren Zuspruch der Wanderfreunde erhoffen. Hier an der stillen Oase im Winkel des Sauerlandes, des Wittgensteiner Landes und des  Siegerlandes wird es jedenfalls künftig belebter werden.  Zum einen führt der Rothaarsteig hier Richtung Heinsberg, Rhein-Weser-Turm (Oberhundem) und zum anderen Richtung Hilchenbach Oberndorfer Höhe und weiter über die  Ginsberger Heide an der Ginsburg vorbei nach Lützel.

Der Wanderparkplatz Oberndorfer Höhe liegt in unmittelbarer Nähe der Ferndorfquelle, an deren Verlauf zahlreiche der Hilchenbacher Ortsteile liegen (siehe hierzu auch unserer Site "Ortsteile", "Wandern" oder "Geschichte"). Wenn Sie überregional wandern, können Sie entlang der A7 oder entlang des Rothaarsteiges in Richtung Hilchenbach gehen und über die Oberndorfer Höhe

Bild 28 - Der Gipfel des Dreiherrnsteins mit der Schutzhütte am Rothaarsteig

(A7) bzw. über den Rastplatz mit Grillhütte nahe der Ferndorfquelle (Rothaarsteig) entlang des Wanderweges X10  über den Burgseifen (dort befindet sich ebenfalls ein Wanderparkplatz und  eine Grillhütte) über Helberhausen und Hadem einen Abstecher nach Hilchenbach machen. Sie können jedoch auch den Rothaarsteig weiter Richtung Lützel gehen und dort an der Ginsberger Heide bzw. an der Ginsburg Rast  machen. In jedem Fall finden Sie hier eine Menge lohnender Ziele und Rastpätze. Nachdem der Rothaarsteig am 6. Mai 2001 auf der Ginsburg und mit einem bunten Rahmenprogramm um die Ginsburg und auf der Ginsberger Heide (allesamt auf dem Gebiet des  Hilchenbacher Ortsteils Grund gelegen - siehe unsere anderen Sites über Hilchenbach), offiziell eröffnet wurde, haben zahlreiche Einrichtungen und Gastronomie- bzw. Hotelbetriebe entlang des Weges in

Bild 29 - Das Kennzeichen des Rothaarsteigs, in dessen Nähe man in Hilchenbach und Umgebung eine Menge an historischem erwandern kann

Hilchenbach ein Angebot für die Wanderer von nah und fern. Ziel dieser Sites ist es auch, Ihr Interesse hierfür zu wecken. Folgen Sie dem obigen Zeichen, dem liegenden weißen "R" auf rotem Grund, mit dem der Rothaarsteig ausgezeichnet ist, in Richtung Hilchenbach. Zugangswege zum Rothaarsteig sind mit dem gleichen Zeichen in schwarzer Farbe auf gelbem Grund gekennzeichnet. Über so gekennzeichnete Wege können Sie also in die Stadt Hilchenbach gelangen (siehe unsere separate Site über den Rothaarsteig). Dort sind die Wanderzeichen noch einmal im Original dargestellt.

 

 

 

 

Quellennachweise

Einige der Informationen stammen aus dem Wandermagazin-Special 4/2000 - Siegerland-Wittgenstein - Wandern von A bis Z, "Siegerland-  Wittgenstein, Zur Wiege von Eder, Lahn und Sieg", einer periodischen Beilage des Wandermagazins, WAP Verlag GmbH, Niederkassel

Weitere Informationen stammen aus einem Sonderdruck  "Siegerland-Wittgenstein" aus dem Heft4/1992 der Zeitschrift  "Wandermagazin", Herausgeber des Sonderdrucks: Touristikverband Siegerland-Wittgenstein e.V., Koblenzer Str. 73, Siegen

Ausführungen über die Errichtung der Beschilderung auf dem Dreiherrnstein stammen aus der Internet-Seite http://alf.siegener-zeitung.de/Siegener-Zeitung/rueck/!!030697/lokales/1432827.htm der Siegener Zeitung vom 3. Juni 1997

Erläuterungen zum “Bäumener” bzw. “Bäumer” stammen aus einem Telefonat mit dem Stadtarchivar der Stadt Hilchenbach, Herrn Reinhard Gämlich, vom 26.4.2001 - Vielen Dank dafür und für das anschließende schnelle Bereitstellen einer Kopie aus dem Stadtarchiv das diese Erwähnung belegt (Bestands-Nr. 2/26.457). Zitiert wird hier und auf unserer Site “Geschichte” auch aus “Alte Straßen  im Siegerland”, Hermann Böttger, Siegerländer Heimatkalender 1959, Seiten 33 bis 40, Signatur im Stadtarchiv 11/594 vom 13.5.1993. Das Dokument wurde anläßlich des Unterschutzstellungsverfahrens dieses Standortes angefertigt

Zahlreiche Informationen über die “Kölsche Hecke” stammen aus dem Werk von Gustav Siebel, “Die Nassau-Siegener Landhecken, Eine Untersuchung der kölnischen Hecke und gleichartiger Wehranlagen bei Siegen, Siegerländer Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Heft 12, Siegen 1963, herausgegeben im Auftrag des Siegerländer Heimatvereins von Wilhelm Güthling

Erläuterungen zur “Verschanzung” (Schlag), dem Standort des ”Bäumers” bzw. “Bäumeners” an der Grenze der heutigen Gemarkung Grund auf der  Ginsberger Heide (hier genannt als ein Schlag auf dem Flurstück “Schrammer Heide”), stammen aus einem Telefonat mit dem Stadtarchivar der Stadt Hilchenbach, Herrn Reinhard Gämlich, vom  26.4.2001 - Vielen Dank dafür und für das anschließende schnelle Bereitstellen einer Kopie aus dem Stadtarchiv das diese Erwähnung belegt (Bestands-Nr. 2/26.457). Zitiert wird hier auch aus “Alte Straßen im Siegerland”, Hermann Böttger,  Siegerländer Heimatkalender 1959, Seiten 33 bis 40, Signatur im Stadtarchiv 11/594 vom 13.5.1993. Das Dokument wurde anläßlich des Unterschutzstellungsverfahrens dieses Standortes angefertigt

Weitere Informationen zum Wittgensteiner Raum stammen aus persönlichen Gesprächen mit einem ortskundigen (anonymen) Wanderer. Vielen Dank dafür

Die Kartenauszüge 1 und 2 in Abbildung 8 und 9 stammen aus dem Werk von Gustav Siebel, “Die Nassau-Siegener Landhecken, Eine Untersuchung der kölnischen Hecke und gleichartiger Wehranlagen bei Siegen, Siegerländer Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Heft 12, Siegen 1963, herausgegeben im Auftrag des Siegerländer Heimatvereins von Wilhelm Güthling

Der Kartenauszug 3 in Abbildung 23 stammt aus einer Karte auf der Internet-Site www.hoeckmann.de/geschichte/westfalenkarte.htm

Informationen zu den Sprachgrenzen und Dialekten stammen aus der am Holzklauer Schlag an der “Kölschen Heck” im Raum Oberholzklau (Ortsteil des Siegerländischen Freudenberg) aufgestellten Informationstafel bzw. aus “Bertelsmann Universallexikon 2001”, Bertelsmann Electronic Publishing Gütersloh und München und mit 3 CD’s, Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH und aus “Das große Universal-Lexikon” in vier Bänden, Coron Verlag Zürich, Lexikographisches Institut, München, Einmalige Sonderausgabe, hergestellt im Auftrag der Kaufhof AG, Köln, 1974. Aus “Bertelsmann Universallexikon 2001”, op. cit., stammen auch die nachfolgend aufgeführten Erläuterungen zu Dialekten in Deutschland: Die Gliederung des deutschen Sprachraums in Mundarten (Dialekte) ist im wesentlichen das Ergebnis der 2. Lautverschiebung die sich in Oberdeutschland (Oberdeutsch) vollständig, in Mitteldeutschland (Mitteldeutsch) zum Teil und in Niederdeutschland (Niederdeutsch) gar nicht durchgesetzt hat. Die Grenze zwischen Niederdeutsch und Mitteldeutsch (Benrather Linie) verläuft von Aachen über Benrath in östlicher Richtung nördlich von Siegen, Kassel, Harz, südlich von Magdeburg und dann nach Nordosten. Die nachstehende Tabelle entspricht dem Stand des deutschen Sprachgebiets bis 1945.
Oberdeutsch
Bairisch(Bay[e]risch)-Österreichisch
– Südbairisch: Tirolisch, Kärntnerisch, Steiermärkisch
– Mittelbairisch: Ober- und Niederbairisch, Ober- und Niederösterreichisch
– Nordbairisch: Oberpfälzisch
Alemannisch
– Hochalemannisch: Südelsässisch, Südbadisch, Vorarlbergisch, Schweizerdeutsch (ohne Basel)
– Niederalemannisch: Mittelelsässisch, Nordbadisch, Südwürttembergisch
– Schwäbisch (Nordostwürttemberg)
Mitteldeutsch
Westmitteldeutsch
– Ostfränkisch: Oberfränkisch (in Bayerisch-Franken, Nordwestbaden, Nordwestwürttemberg), Vogtländisch
– Rheinfränkisch: Hessisch, Lothringisch, Rheinpfälzisch, Nordelsässisch
– Mittelfränkisch: Moselfränkisch (um Trier, in Luxemburg), Ripuarisch (um Köln und Aachen)
Ostmitteldeutsch
– Thüringisch (Thüringen zwischen südlichem Harz, Rhön und Saale)
– Obersächsisch (Sachsen, südliches Brandenburg)
– Schlesisch: Neiderländisch, Gebirgsschlesisch
– Berlinisch
Niederdeutsch
Niederfränkisch: jetzt selbständige Sprache in
– den Niederlanden ( niederländische Sprache)
– und in einem Teil Belgiens ( flämische Sprache)
Niedersächsisch
– Westniederdeutsch: Westfälisch, Ostfälisch, Nordniedersächsisch, Holsteinisch, Ostfriesisch
– Ostniederdeutsch: Mecklenburgisch, Pommersch, Brandenburgisch oder Märkisch, Ostpreußisch
 

Der erwähnte Erich Philipp Ploennies hat von 1717 bis 1726 das Siegerland vermessen. Näheres über Ploennies und seine Karten: Wilh. Güthling, Die Vermessung des Siegerlandes durch Erich Philipp Ploennies 1717 bis 1726, Selbstverlag des Siegerländer Heimatvereins, Siegen 1950

Die Detailinformationen zu Merklinghausen stammen zum Teil aus dem “Siegerländer Ortsverzeichnis” von Lothar Irle, Beiträge zur Siegerländer Familienkunde, Schriftleitung Gerhard Moisel und Andreas Bingener, Heft 6, Siegen 1998, Selbstverlag des Siegerländer Heimat- und Geschichtsvereins e.V., Herausgegeben vom Siegerländer Heimat- und Geschichtsvereins e.V., Siegen, Sonderdruck aus: Siegerländer Geschlechterbuch, Vierter Band (= Deutsches Geschlechterbuch Band 164), bearbeitet von Dr. Lothar Irle, S. XXI bis XXXIV, Limburg an der Lahn, C.A. Starke Verlag 1973

Informationen über die Wittgensteiner Grafen stammen aus dem Begleitheft zur Wanderkarte Wittgenstein, WaldReich Wittgenstein, Herausgeber: Zweckverband Region Wittgenstein, Erndtebrück, 1. Auflage 2002

Der erwähnte Heinrich von Achenbach hat die zwei Werke “Geschichte der Stadt Siegen”, 2 Bände, 1894 und “Aus des Siegerlandes Vergangenheit, 2 Bände, 1895 und 1898 geschrieben, die Gustav Siebel in dem oben erwähnten Werk auswertet. Direkt standen sie uns bis heute nicht zur Verfügung

Alle Fotos sind eigene Aufnahmen.

 

Haben Sie Anmerkungen zu unserer Site "ahlering.de" oder über die Site über die höchsten Erhebungen in Hilchenbach bzw. über das "Dreiländereck"? Mailen Sie uns oder tragen Sie sich ins Gästebuch ein. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. 

 

Das "Dreiländereck" an der nordöstlichen Grenze Hilchenbachs ist heute längst kein Dreiländereck mehr. Genau auf der zweithöchsten Erhebung des Siegerlandes, dem Dreiherrnstein (673 m über NN), die sich ebenso wie der Riemen (678 m über NN) auf Hilchenbacher Gebiet befindet, stoßen zwar heute noch die beiden Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein aneinander,

Bild 1             Tief   im Wald verborgen und nunmehr direkt am Rothaarsteig gelegen: der Grenzstein am “Dreiländereck” auf dem Dreiherrnstein

aber die früher eigenständigen Kreise Siegen und Wittgenstein sind längst zu einem Kreis zusammengelegt worden (1975 im Rahmen einer kommunalen Neugliederung). Lange Zeit herrschte dicke Luft zwischen Kurköln, das bis zum Dreiherrnstein mit den Nassauer Grafen in Siegen eine  gemeinsame Grenze hatte. Im Siegerland und auch auf Hilchenbacher Gebiet kann man heute noch an zahlreichen Stellen die Erdwälle der einstigen Landwehr und, wie hier am Dreiherrnstein, den Ort eines einstigen Grenzüberganges bestaunen. Hier und da ist auch noch ein "Schnadstein", also ein Grenzstein zu finden, der die Grenze der Machtbereiche markierte. Hier am Dreiherrnstein haben wir eine Sprachgrenze, zeitweise Glaubensgrenze, immer freilich eine Wirtschafts- und Herrschaftsgrenze vor uns

Bilder 14, 15 und 16 - Informationstafeln auf dem Dreiherrnstein die die Richtungen zu den ehemaligen Grafschaften Wittgenstein, Nassau und zum Kurfürstentum Köln anzeigen

Bilder 17 und 18     Grenzstein P, der noch heute am “Müsener Schlag” (siehe Punkt 37 auf Karte 1 und Karte 2 oben auf dieser Seite), den Ploennies “Merklinghäuser Schlag” nach der oberhalb Winterbachs bei Müsen gelegenen Wüstung nennt. Da Gustav Siebel aus dem Werk “Das Fürstentum Nassau-Siegen” von Ludwig Bald, Territorialgeschichte des Siegerlandes 1939, ausführt “Nach weiteren 600 Metern erreichen wir den “Müssener Schlag” ... und nehst bey dem schlagbaum zwey stein mit O und P notirt”, kann man den Ort eindeutig bestimmen, da der Stein P noch heute auf dem Wall steht. Jeder Stein ist durch Buchstaben besonders gezeichnet. Die Zählung fängt an der Wittgensteiner Grenze an, wo der Stein A stand. Der letzte Stein an der “Kölschen Hecke” trägt die Aufschrift PP und steht an der Grenze bei Hühnerkamp, wo Nassau, das kurkölnische Herzogtum Westfalen und Wildenburg aneinanderstießen. Die zunächst einstelligen Kennzeichen reichten bis Z. Dieser Stein steht südwestlich von Welschen Ennest. Danach trägt jeder Stein zwei Buchstaben, AA, BB, CC usw. (Siehe hierzu auch unsere Ausführungen auf der Site “Neben den Wegen”).

Bild 25 und 26 zeigen den mächtigen Grenzstein auf dem Dreiherrnstein und die Hinweistafel auf dem Riemen, der höchsten Erhebung des Siegerlandes. Der Berggipfel ist seit 1688 direkt an der Grenze zwischen Kurköln und Nassau gelegen. Die Gipfel der beiden Erhebungen liegen nur wenige hundert Meter auseinander

Bild 20 - Aus mehreren Einzelbildern zusammengesetztes Panoramabild von heute noch sichtbaren Grenzwällen am Müsener Schlag. Drei mächtige Wälle bildeten die Grenzsicherung. Die Grenze zwischen “Collen” und “Nassaw” war zudem noch durch ein dichtes Gebück weiter gesichert. In der Nähe gibt es auch tief in die Erde eingefahrene Hohlwege, die heute noch von starkem Verkehr an dieser Stelle im Mittelalter künden (siehe dazu unsere Seite “ Neben den Wegen

ahlering.de